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Die römischen Badruinen in Baden-Baden

Aquae, ein römisches Heilbad

Vom nördlichen Alpenvorland breiteten sich keltische Stämme seit 1000 v. Chr. aus. Im 4. Jh. v. Chr. bildeten sie den "Keltengürtel" von den britischen Inseln über Frankreich, Oberitalien und den Balkan bis zur mittleren Türkei. Die Griechen nannten sie Galater, die Römer Gallier. Der Römer Gaius Julius Cäsar eroberte in blutigen Feldzügen 58-52 v. Chr. die Gebiete des heutigen Frankreichs und alle weiteren Regionen zwischen Rhein und Nordsee. Die besiegten Stämme hatten eine entwickelte Zivilisation mit Ackerbau, produktivem Handwerk, ummauerten Städten und Straßenverbindungen. Sie integrierten sich schnell in die römische Zivilisation, vor allem ihre Oberschicht.

Der Rhein war nun eine Grenze des Imperiums. Rechtsrheinisch siedelten nördlich des Main germanische Stämme. Südlich davon war das Gebiet im 1. Jh. v. Chr. bis zur Übernahme durch die Römer nahezu unbesiedelt. Ein antiker Geograph bezeich-nete es als „helvetische Einöde“. 73-150 n. Chr. besetzten die Römer in Etappen kampflos den Südwesten Baden-Württembergs und sicherten ihn durch den obergermanisch-rätischen Limes. Gallier zogen als Neusiedler in die geschützten Gebiete.

Um 74 n. Chr. marschierten aus Mainz, Straßburg und weiteren Standorten militärische Einheiten durch das Oostal. Ihr Auftrag: Für den Legionsstandort Straßburg ein Heilbad zu bauen, das fünfte Legionsheilbad entlang des Rheins. Auf dem Rettig stellte ein Teil der Bausoldaten ziegelbedeckte Holzbaracken auf, welche nach acht Jahren steinernen Verwaltungsgebäuden weichen mussten. Für ein Kastell dort oben gibt es keinen überzeugenden Nachweis. Die anderen Soldaten richteten sich im Umland ein neben Steinbrüchen, bei Brennöfen für Mauer- und Dachziegel, in Holzfällercamps für das Bau- und Brennholz oder bei ihren Zugtieren, mit deren Hilfe sie die vielen nötigen Transporte bewältigten.

Orte mit Thermalquellen nannten die Römer AQUAE und fügten einen Beinamen hinzu, der einen Bezug zur Bevölkerung herstellte, z. B. AQUAE HELVETICAE, Baden in der Schweiz. Wegen anfangs fehlender Bevölkerung hieß das neue Heilbad als einziges nur AQUAE. Der Name blieb auch später unverändert. Für den oft zitierten Beinamen AURELIAE gibt es keinen einzigen Beleg aus der Antike.

Unter militärischer Verwaltung baute man eine Verbindungsstraße zum Rheintal, die weitgehend unter der heutigen Rheinstraße liegt. Dazu kamen Trinkwasserzufuhr, unterirdische Abwasserkanäle und Ortsstraßen. Oben am Florentiner Berg errichtete man eine Kette von Hallen. Sie schützten die Thermalbecken, deren Umrisse mit schwarzem Kopfsteinpflaster neben der Stiftskirche markiert sind. Für die arbeitenden Soldaten und die herziehende Bevölkerung entstand unten beim heutigen Römerplatz ein Hygienebad mit Öfen für Warmwasser und Raumbeheizung, dessen technische Raffinessen als Römische Badruinen seit 2003 bewundert werden können. In der Römerzeit wurde es mehrmals erweitert. Überhaupt war wohl die ganze Fläche unter Stiftskirche und Friedrichsbad mit Kureinrichtungen bebaut, darunter etwa ein valetudinarium, ein Haus der Gesundung.

Seit 85 n. Chr. gehörte AQUAE zu der der von Kaiser Domitian neu gebildeten Provinz Germania Superior. Der Name ist ein Politschwindel, da wohl weniger als 10% der Provinzialen Germanen waren. Um die Provinz ohne großen Apparat regieren zu können, begann die Zentrale in Mainz große Regionen mit halbautonomer ziviler Verwaltung aufzubauen, civitates genannt. Feste Grenzen unter ihnen gab es nicht. Mainz berief gebietsansässige reiche Zivilisten in ein Regionalgremium (ordo), dem sie als Bezirksräte (decuriones) auf Lebenszeit angehörten. Für sie bestand Residenzpflicht im Hauptort und sie bekamen das volle römische Bürgerrecht, ein Privileg allerdings, das ab 212 n. Chr. allen freien Bewohnern des Imperiums zufiel. Aus ihrer Mitte wählten sie jährlich zwei Bürgermeister (duumviri). Da die Decurionen mit ihrem Vermögen für die Erfüllung der Anforderungen der Provinzzentrale hafteten, wurde aus einem Ehrenamt im Laufe der Zeit ein schwer lastender Zwang. Zu ihren Aufgaben gehörte der Einzug von Steuern und Rekruten, die Gerichtsbarkeit abgesehen von Kapitalver-brechen, der Unterhalt der öffentlichen Gebäude und der Fernstraßen, ferner die innere Sicherheit. Das Schulwesen allerdings war Privatsache.

Um 100 n. Chr. wurde AQUAE Hauptort der CIVITAS AQUENSIS. Die Bevölkerung vor Ort bestand wohl mehrheitlich aus zugezogenen Galliern, auch unter den sich ansiedelnden Veteranen. Gallier waren Mitglieder der Regionalregierung. Ein Gallier hat den aus Aquae bekanntesten Weihealtar nebst einem Relief gestiftet, den Merkur auf dem Berg Merkur. Trotzdem blieb das Heilbad eine überschaubare Siedlung. Statussymbole größerer Städte wie Forum, Basilika, Theater oder Amphitheater und Tempel fehlten. Die Weihealtäre für eine Vielfalt römischer und gallischer Götter fanden Aufnahme auf einem Weiheplatz. Zahlreiche neue Gutshöfe auf den Vorbergen zum Rheintal versorgten die Stadt mit Lebensmittel.

Brandspuren weisen darauf hin, dass anfangs des 3. Jh. ein Feuer die Thermalbäder vernichtete. Der 211-217 regierende Kaiser mit dem Spitznamen Caracalla (gallischer Kapuzenmantel) unternahm vom rätischen Limes aus einen Feldzug gegen Germanen im Maingebiet. Er hat AQUAE danach nachweislich nicht aufgesucht, ebenso wenig wie andere dafür genannte Kaiser. Er gründete seine Herrschaft ganz auf die Treue seiner Soldaten, deren Strapazen er demonstrativ auf sich nahm und denen er eine staatsruinöse Soldverdoppelung gewährte. Für AQUAE ließ er das Soldatenheilbad, zu dem auch Zivilisten Zugang hatten, größer und prächtiger erneuern. Damit bescherte er dem Ort eine neue kurze Blütezeit, war aber als Soldatenkaiser ein Wegbereiter seines Untergangs.

Caracalla fiel bei der Vorbereitung eines Feldzuges gegen die Parther einem Mordanschlag zum Opfer – kinderlos. Eine Hofklicke gab einen Jüngling als dessen unehelichen Sohn aus und stattete ihn mit dessen Namen aus. Die Soldaten akzeptierten ihn als Kaiser. Heute zitiert man ihn unter seinem Spitznamen Elagabal. Dass er 220 n. Chr. der Civitas Aquensis – nicht der Stadt – den kaiserlichen Caracalla-Namen Aurelia verlieh, ist wohl als Bemühen um seine Legitimierung anzusehen.

Die Ehrung war kurzfristig. Von nun an bekämpften sich rasch wechselnde Soldatenkaiser gegenseitig. Dazu wurde der Limes von Grenzsoldaten entblößt. Ab 230 n. Chr. starteten germanische Gruppen immer wieder Raubzüge nach Süden und Westen. Das Ende der gallo-römische Hochkultur im Südwesten des heutigen Baden-Württembergs nahm seinen Lauf.

Von Raimund Rosch, StD i.R., Baden-Baden




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