Festspielhaus   
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76530 Baden-Baden   

Festspielhaus Baden-Baden

  

 

 


West Side Story in Baden-Baden

Abb: Wolfgang Peter

  In ihrem 47. Bühnenjahr wurde die West Side Story im Baden-Badener Festspielhaus aufgeführt.

Der Vorhang öffnet sich für das Publikum eines sehr gut besuchten Festspielhauses: Feuerleitern an nüchternen Stahlfassaden - eine Straße in der Upper West Side im New York der 50er Jahre. Das Orchester unter der Leitung des amerikanischen Dirigenten Donald Chan begleitet mit seinen Rhythmen treffend die Szene auf der Bühne: Tumult zwischen zwei Jugendgruppen.

So beginnt das Musical "West Side Story", das vom US-Choreographen Joey McKeeny nach einer Originalfassung von Jerome Robbins auf die Bühne gebracht wird.

Jets - Einheimische polnischer Herkunft - und Sharks - Einwanderer aus Puerto Rico - kämpfen um die Vorherrschaft in "ihrem" Viertel. Zu Beginn sind die Sharks - angeführt von Bernardo - überlegen. Riff, der Anführer der Jets, fordert ihn bei einer Tanzveranstaltung zum Kampf heraus. Dieser soll am folgenden Tag unter der Autobahnbrücke stattfinden.

Bei der Tanzveranstaltung verlieben sich Tony - bester Freund von Riff - und Maria - Bernardos Schwester. Trotz eines Verbots von Bernardo treffen sich die beiden wieder und hoffen, dass sie trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft irgendwann, irgendwo gemeinsam glücklich sein können. Maria bittet Tony, den Kampf zu verhindern, doch es gelingt ihm nicht.

Aus einem Zweikampf zwischen Bernardo und Diesel wird ein Kampf zwischen allen Anwesenden. Schließlich wird mit Messern gekämpft und Bernardo tötet Riff. Daraufhin greift auch Tony zum Messer und rächt seinen Freund - auch Bernardo stirbt.

Tony und Maria beschließen gemeinsam wegzugehen, in der Hoffnung an einem anderen Ort ohne Schwierigkeiten leben zu können. Doch dazu kommt es nicht mehr: Tony wird von Chino, Bernardos bestem Freund, erschossen und stirbt in Marias Armen.

Das Stück endet mit einer Aufforderung Marias, endlich mit den Kämpfen aufzuhören. Als erstes Zeichen einer Versöhnung tragen Anhänger der Jets und Sharks gemeinsam Tonys Leichnam von der Bühne.

Die circa zweistündige Inszenierung lässt nicht viel Raum für Dialoge in amerikanischem Englisch. Melodien von Leonard Bernstein und Texte von Stephen Sondheim begeistern als gekonnt vorgetragener Gesang die Zuschauer. Irritierend wirkt lediglich der an den Seiten der Bühne mitlaufende Untertitel.

Die Tanzchoreographien sind eindrucksvoll, scheinen teilweise allerdings der Situation wenig angepasst.

Wippende bunte Petticoats und farbenfrohe Anzüge lassen das Flair der 50er Jahre aufkommen.

Einem schlichten Bühnenbild wird durch Licht- und Videoeffekte Ausdruck verliehen und beeindruckt so das Publikum.

Alles in allem eine sehr gut gelungene Produktion mit professionellen Darstellern.

Allerdings gab es trotz tosendem Beifall und "standing ovations" keine Zugabe - enttäuschend; aber wahrscheinlich muss das Ensemble seine Kräfte sparen - für alle weiteren Vorstellungen bis zum 18. Januar.

Alexandra Wettstein, Baden-Baden


 


West Side Story

Im konservativen Baden-Baden der 1960er Jahre als Jugendliche/r mit der Originalfassung des Films "West Side Story" mit französischen Untertiteln im Kino der Cité, der vorübergehenden Heimat Tausender französischer Familien, konfrontiert worden zu sein, hinterlässt einen lebenslangen Eindruck:

Ungläubiges Staunen über eine Welt, geprägt von Zwiespalt, Überheblichkeit, Ausgrenzung, Niedertracht, Zynismus und Hoffnungslosigkeit in den verheißungsvollen USA, gepaart mit fußwippender Begeisterung für die mitreißende Musik Leornard Bernsteins und die tänzerische Umsetzung derselben nach den Vorgaben des Ballettmeisters Jerome Robbins.

Jahrzehnte nach der Broadway-Permiere am 26. September 1957 und der Filmpremiere im Jahr 1961 hat das Musical "West Side Story" nach dem Buch von Arthur Laurents und den Liedtexten Sephen Sondheims nichts an Aktualität eingebüßt.

Bandenbildung, Verachtung, Selbstüberschätzung, Intrigen, Lügen, aber auch zarte zwischenmenschliche Gefühle sind weltweit allgegenwärtig. Sie finden nach wie vor ihre beeindruckende szenische Umsetzung in dem Musical-Klassiker der Extragüte.

Selbst wenn weltweit einmal erkannt worden sein sollte, dass unmenschliches Verhalten, egal welchen Ursprungs, nur in Mord, Totschlag, extremem Leid und riesengroßer Trauer enden kann, und wenn einem solchen Treiben couragiert Einhalt geboten würde, bliebe die "West Side Story" aktuell - als Mahnmal dafür, menschenverachtende Verhältnisse nie mehr aufkommen zu lassen.

Von Rika Wettstein, Baden-Baden







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