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Abb:
Wolfgang Peter
In ihrem 47. Bühnenjahr
wurde die West Side Story im Baden-Badener
Festspielhaus aufgeführt.
Der Vorhang öffnet sich für das Publikum
eines sehr gut besuchten Festspielhauses:
Feuerleitern an nüchternen Stahlfassaden -
eine Straße in der Upper West Side im New
York der 50er Jahre. Das Orchester unter der
Leitung des amerikanischen Dirigenten Donald Chan
begleitet mit seinen Rhythmen treffend die Szene
auf der Bühne: Tumult zwischen zwei
Jugendgruppen.
So beginnt das Musical "West Side Story", das vom
US-Choreographen Joey McKeeny nach einer
Originalfassung von Jerome Robbins auf die
Bühne gebracht wird.
Jets - Einheimische polnischer Herkunft - und
Sharks - Einwanderer aus Puerto Rico - kämpfen
um die Vorherrschaft in "ihrem" Viertel. Zu Beginn
sind die Sharks - angeführt von Bernardo -
überlegen. Riff, der Anführer der Jets,
fordert ihn bei einer Tanzveranstaltung zum Kampf
heraus. Dieser soll am folgenden Tag unter der
Autobahnbrücke stattfinden.
Bei der Tanzveranstaltung verlieben sich Tony -
bester Freund von Riff - und Maria - Bernardos
Schwester. Trotz eines Verbots von Bernardo treffen
sich die beiden wieder und hoffen, dass sie trotz
ihrer unterschiedlichen Herkunft irgendwann,
irgendwo gemeinsam glücklich sein können.
Maria bittet Tony, den Kampf zu verhindern, doch es
gelingt ihm nicht.
Aus einem Zweikampf zwischen Bernardo und Diesel
wird ein Kampf zwischen allen Anwesenden.
Schließlich wird mit Messern gekämpft
und Bernardo tötet Riff. Daraufhin greift auch
Tony zum Messer und rächt seinen Freund - auch
Bernardo stirbt.
Tony und Maria beschließen gemeinsam
wegzugehen, in der Hoffnung an einem anderen Ort
ohne Schwierigkeiten leben zu können. Doch
dazu kommt es nicht mehr: Tony wird von Chino,
Bernardos bestem Freund, erschossen und stirbt in
Marias Armen.
Das Stück endet mit einer Aufforderung Marias,
endlich mit den Kämpfen aufzuhören. Als
erstes Zeichen einer Versöhnung tragen
Anhänger der Jets und Sharks gemeinsam Tonys
Leichnam von der Bühne.
Die circa zweistündige Inszenierung lässt
nicht viel Raum für Dialoge in amerikanischem
Englisch. Melodien von Leonard Bernstein und Texte
von Stephen Sondheim begeistern als gekonnt
vorgetragener Gesang die Zuschauer. Irritierend
wirkt lediglich der an den Seiten der Bühne
mitlaufende Untertitel.
Die Tanzchoreographien sind eindrucksvoll, scheinen
teilweise allerdings der Situation wenig
angepasst.
Wippende bunte Petticoats und farbenfrohe
Anzüge lassen das Flair der 50er Jahre
aufkommen.
Einem schlichten Bühnenbild wird durch Licht-
und Videoeffekte Ausdruck verliehen und beeindruckt
so das Publikum.
Alles in allem eine sehr gut gelungene Produktion
mit professionellen Darstellern.
Allerdings gab es trotz tosendem Beifall und
"standing ovations" keine Zugabe -
enttäuschend; aber wahrscheinlich muss das
Ensemble seine Kräfte sparen - für alle
weiteren Vorstellungen bis zum 18. Januar.
Alexandra Wettstein, Baden-Baden
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West Side
Story
Im konservativen Baden-Baden der 1960er Jahre als
Jugendliche/r mit der Originalfassung des Films
"West Side Story" mit französischen
Untertiteln im Kino der Cité, der
vorübergehenden Heimat Tausender
französischer Familien, konfrontiert worden zu
sein, hinterlässt einen lebenslangen
Eindruck:
Ungläubiges Staunen über eine Welt,
geprägt von Zwiespalt, Überheblichkeit,
Ausgrenzung, Niedertracht, Zynismus und
Hoffnungslosigkeit in den verheißungsvollen
USA, gepaart mit fußwippender Begeisterung
für die mitreißende Musik Leornard
Bernsteins und die tänzerische Umsetzung
derselben nach den Vorgaben des Ballettmeisters
Jerome Robbins.
Jahrzehnte nach der Broadway-Permiere am 26.
September 1957 und der Filmpremiere im Jahr 1961
hat das Musical "West Side Story" nach dem Buch von
Arthur Laurents und den Liedtexten Sephen Sondheims
nichts an Aktualität eingebüßt.
Bandenbildung, Verachtung,
Selbstüberschätzung, Intrigen,
Lügen, aber auch zarte zwischenmenschliche
Gefühle sind weltweit allgegenwärtig. Sie
finden nach wie vor ihre beeindruckende szenische
Umsetzung in dem Musical-Klassiker der
Extragüte.
Selbst wenn weltweit einmal erkannt worden sein
sollte, dass unmenschliches Verhalten, egal welchen
Ursprungs, nur in Mord, Totschlag, extremem Leid
und riesengroßer Trauer enden kann, und wenn
einem solchen Treiben couragiert Einhalt geboten
würde, bliebe die "West Side Story" aktuell -
als Mahnmal dafür, menschenverachtende
Verhältnisse nie mehr aufkommen zu lassen.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
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