Festspielhaus   
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Festspielhaus Baden-Baden

  

 

 


Presseschau

Die Botschaft kommt an: Klassik macht Spaß / Mit Bobby McFerrin und dem Münchner Rundfunkorchester im Festspielhaus

Phänomenale Kehlkopfkünste mit Brusttrommel

Eigentlich ist der Mann selbst schon ein ganzes Orchester, was Bobby McFerrin nicht daran hindert, auch mit richtigen Klangkörpern zusammenzuarbeiten. Seine Fans im Festspielhaus Baden-Baden warteten natürlich auf die Soloimprovisationen des Stimmbandakrobaten. Sie wurden nicht enttäuscht, zwischen Vivaldi und Beethoven zeigte McFerrin seine phänomenalen Kehlkopfkünste.

Augenzwinkernd nahm der Amerikaner zunächst das winterliche Husten aus dem Publikum auf, dann legte er los und führte vor, wie man selbst das Atmen integrieren kann ohne den Gesang zu unterbrechen. Mit dem Mikrofon als Kastagnettenersatz und dem eigenen Brustkorb als Handtrommel erwies sich McFerrin als souveräner Wanderer zwischen verschiedenen musikalischen Welten, von europäischer Klassik über amerikanischen Rock zu arabisch-afrikanisch anmutenden Liedem.

Zu McFerrins künstlerischem Credo gehört die Einbeziehung der Zuhörer. Offenbar setzte er darauf, dass das Publikum im Festspielhaus das bekannte "Ave Maria" nach Bach/Gounod "drauf" hat. Jedoch, mehr als ein paar zaghafte Frauenstimmen wagten sich nicht auf dieses Terrain, obwohl Bobby McFerrin unbeirrbar die Begleitung dazu sang.

Als Rhythmusgruppe zeigten die Zuhörer schon mehr Mut und Talent, und zum Musicalhit der unvergessenen Judy Garland "Somewhere over the Rainbow" steuerte das Auditorium die Melodie bei. Texte sind bekanntlich Schall und Rauch, auch McFerrin turnt am liebsten virtuos durch Vokalisen. Auf der Bühne wie vor der Bühne hatten alle ihren Spaß an der Sache, und darauf kommt es McFerrin an.

Vergnügt zelebrierten Jens Peter Maintz und Bobby McFerrin das virtuose Konzertieren der beiden Solostimmen in Vivaldis Konzert für zwei Celli und Orchester in g-Moll. Dank müheloser Registerwechsel, flinker Vokalisen und einer sehr instrumental geführten Stimme, konnte der Sänger in dem fröhlichen Wettstreit der Virtuosen mit dem hervorragend spielenden Cellisten mithalten. Jedenfalls in den Allegro-Ecksätzen. Im Largo hatte Jens Peter Maintz einen Vorteil. Das ausdrucksvoll gesanglich gespielte Cello kam hier tatsächlich besser zur Geltung als die menschliche Stimme, da McFerrin sie unbedingt instrumental im Klang halten wollte. Leider werden wir nie erfahren, was Vivaldi für Bobby McFerrin komponiert haben würde, hätten sie in derselben Zeit gelebt und sich gekannt.

Auch als Dirigent gab sich der Amerikaner nicht als unnahbarer, begnadeter Künstler, obwohl er fraglos mit einer unerschöpflichen Musikalität gesegnet ist. Aber Barrieren jeder Art sind ihm zuwider, und so tänzelte er beschwingt vor dem Münchner Rundfunkorchester von den ersten Geigen zu den Celli und zurück, Podium und Partitur sind für Griegs Suite "Aus Holbergs Zeit" ja auch wirklich nicht nötig

Im Prinzip hätten das die Streicher des Münchner Rundfunkorchesters auch unter der Leitung der Konzertmeisterin spielen können. McFerrin beschränkte sich darauf, tänzerisch empfundene Impulse zu geben. So erklang "Aus Holbergs Zeit" leicht und luftig, transparent im Klang, versehen mit kontrastreichen Tempi.

Beethovens 8. Sinfonie in F-Dur dirigierte McFerrin auswendig und dabei sehr präzise. Markante Akzente unterstrichen den energischen Zugriff auf den Kopfsatz, flüssig spielte das Münchner Rundfunkorchester das im Ritardando abgefederte Thema.

Die klangschön musizierenden Holzbläser sorgten für lyrische Momente. Das pointiert dahin huschende Allegretto wirkte wie ein Vorgriff auf Mendelssohn-Bartholdys elfenhafte Scherzo-Sätze. Auf das schwungvoll musizierte Tempo di Minuetto folgte der durch freien, aber gezielten Umgang mit dem Tempo spannend gemachte Finalsatz.

Die Botschaft von Dirigent und Orchester kam an: Klassik macht Spaß!

Badisches Tagblatt, 20.2.2005


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