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Presseschau

Gala mit Kurt Masur und Jean-Yves Thibaudet

Star des Abends: Das Orchester

Für sein Galakonzert in diesem Jahr lud der Freundeskreis des Festspielhauses Baden-Baden das Orchestre National de France ein mit Kurt Masur am Pult und Jean-Yves Thibaudet am Flügel. Diese Mixtur hätte als Erfolgsrezept für einen gelungenen Abend nicht besser aufgehen können. Das Haus war ausverkauft bis unters Dach, der Solist, der Dirigent und das Orchester waren blendend aufgelegt und das Programm versprach ein sinnliches Hörvergnügen.

Das begann mit Debussys Fantasie für Klavier und Orchester, das von den Musikern leicht und flüssig angestimmt wurde. Die Einwürfe der Holz-und Blechbläser sorgten für Farbtupfer, und Thibaudet stürzte sich schwungvoll in die perlenden Läufe und die dezidierte Rhythmik des Kopfsatzes der Fantasie. Dem Mittelsatz verliehen Pianist und Orchester einen in sich versunkenen, nachdenklichen Charakter. Flink musiziert in Staccato und Pizzicato erklang das quirlige Finale. Unter Masurs souveräner, unaufdringlicher Leitung verbanden Thibaudet und das Orchestre National de France ihr Spiel zu einem transparenten Klangteppich.

Ravel bediente sich für das Klavierkonzert in G-Dur großzügig bei den modernsten musikalischen Strömungen der wilden Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Anleihen beim Jazz brachte der Komponist in den Bläserstimmen unter, der Klavierpart erhielt einen Hauch Swing und eine ordentliche Prise Gershwin. Thibaudet, Masur und das Orchester gingen mit Elan an die Interpretation dieser ungewöhnlichen Mischung. Das flirrende Harfensolo sowie die feinen Nuancen und die pointiert gespielte Rhythmik des Klavierparts prägten die Wiedergabe des Kopfsatzes. Das zarte, lyrische Adagio gab Thibaudet mit tiefer Empfindung, in die nach und nach das Orchester einstimmte. Gemeinsam legten sie einen verträumten Zauber über diesen Satz. Ganz anders, nämlich mit scharfer Attacke und hämmerndem Staccato, gaben Solist und Orchester den kurzen, spritzigen Finalsatz. Thibaudet spielt dieses Stück schon seit seiner Jugend, und so überrascht es nicht, wie selbstverständlich und locker er die unterschiedlichen Facetten des Konzerts quasi aus dem Handgelenk schüttelte.

Als eigentlicher Star des Abends entpuppte sich jedoch das Orchestre National de France, das Rimski-Korsakows als Ballettunterlage bekannte Sinfonische Suite "Scheherazade" zu einer üppigen, klangfarbenreichen orientalischen Märchenstunde entfaltete. Wuchtige Akkorde charakterisierten den verbitterten Sultan, im Glanz der klangschön gespielten Violine der Konzertmeisterin Sarah Nemtanu trat die Titelheldin auf. So einfallsreich wie Scheherazades Geschichten interpretierte die Konzertmeisterin die virtuosen Soli, die sozusagen als Stimme der Erzählerin die Teile der Suite miteinander verbanden.

Hinreißend schön fielen auch die Orchestersoli aus, besonders in den Holzbläsern. Insgesamt gab das Orchester unter Masurs Leitung grandiose dynamische Steigerungen des melodischen Hauptthemas, setzte aber auch dramatische Akzente und verlieh der ganzen Suite eine stimmungsvolle Atmosphäre. Den Begeisterungssturm des Publikums haben sich Masur und das Orchestre National de France verdient. Als Zugabe ließen sie in präzisem Piano Rimski-Korsakows Hummelflug durch das Festspielhaus schnurren.

Badisches Tagblatt, 15.2.2005

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