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Flamenco - viele haben den Tanz
während ihres Spanien-Urlaubs kennengelernt:
als eine Touristenattraktion, bei der jeder zum
Mitmachen animiert wird.
Perfektes Tanztheater
Was das Ballet Teatro Español hingegen im
Festspielhaus zeigte, war perfektes Tanztheater.
Der Gründer und Choreograf Rafael Aguilar
verstand es, eine eindrucksvolle Mischung
zusammenzustellen.
Die erste Darbietung - "El Rango" - nach Federico
Garcia Lorcas Drama "Bernarda Albas Haus" gilt als
ältestes Flamenco-Tanzstück weltweit.
Darin wird die autoritäre Unterdrückung
der jüngsten Tochter durch die Mutter nach dem
Tod des Vaters inszeniert. Die Tochter rebelliert,
wirft ihre Trauerkleidung ab und lässt tanzend
ihren erotischen Träumen freien Lauf. Die
Konfrontation mit dem Matriarchat endet tragisch -
die Mutter tötet ihr jüngstes Kind.
Nach einem faszinierenden Gitarrensolo folgte die
von allen mit Spannung erwartete Choreografie zu
Maurice Ravels "Bolero". Der Solist Juan
Carlos Calleja tanzte, angefeuert von einer
Schar Tänzerinnen in roten Kleidern, die
aufreizenden Passagen mit entblößtem
Oberkörper und erhielt dafür
enthusiastischen Applaus vom Publikum.
Nach der Pause fühlten sich die Zuschauer auf
die Straßen Spaniens versetzt. Die "Suite
Flamenca" gab einen Einblick in die
großartige Vielfalt des Tanzgeschehens voller
Melancholie und Dramatik, wobei Gitarre, Gesang und
Tanz ununterbrochen miteinander in Verbindung
standen. In einer knapp einstündigen
Darbietung konnten nicht nur die Tänzerinnen,
sondern auch die Tänzer in effektvollen Soli
die Verbundenheit mit Musik und Tanz eindrucksvoll
unter Beweis stellen.
Tosender Applaus das Publikums in einem
spärlich besetzen Festspielhaus lockte trotz
allem noch eine Zugabe hervor.
Alexandra Wettstein, Baden-Baden
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