Festspielhaus   
Beim Alten Bahnhof 2   
76530 Baden-Baden   

Festspielhaus Baden-Baden

  

 

 


Presseschau

Heute wie damals ein Spiegel der Gesellschaft

Sie begegnen einem überall in der Stadt: elegante Damen mit breitkrempigen Gebilden auf dem Kopf. Es ist Rennwoche in Iffezheim. Über die Straßen gespannte Spruchbänder weisen jedoch darauf hin, dass Baden-Baden zu Pfingsten auch mit einem ebenso attraktiven kulturellen Highlight aufwarten kann: den Herbert-von-Karajan-Pfingstfestspielen. Sie wurden wie in den Vorjahren mit einer glanzvollen Opern-Neuinszenierung eröffnet. Im Festspielhaus gingen (als Koproduktion mit dem Staatstheater Mainz und den Wuppertaler Bühnen) zwei Aufführungen von Giuseppe Verdis "Rigoletto" über die Bühne.

Das Besondere an dieser Neuproduktion der bekannten Verdi-Oper ist die Hinwendung zur historischen Aufführungspraxis. Thomas Hengelbrock und sein Balthasar-Neumann-Ensemble wollten die Musik so rekonstruieren, wie sie um 1850 geklungen hat. Sie hielten sich dazu genau an die Besetzungsvorschriften der Uraufführung und das damals übliche Instrumentarium (Streicher mit Darmsaiten etc.). Der Klang wird dadurch etwas dunkler und weicher. Er erreicht nicht die heute erstrebte Brillanz, dafür aber Feinheiten, die sonst verloren gehen. Dazu bedarf es in der historischen Aufführungspraxis geschulter, erstklassiger Musiker und eines Dirigenten, der sich in Verdis Krimi-Musik einzufühlen weiß.

Thomas Hengelbrock und sein Orchester ließen es an mitreißender Italianità nicht fehlen: Die Spannung riss von der ersten bis zur letzten Note nicht ab. Auch die Sänger kamen blendend zurecht. Vielleicht überzog Paolo Gavanelli in der Titelpartie darstellerisch etwas. Musikalisch war er ein Bariton mit nuanciertem Ausdrucksvermögen in allen Stimmlagen. Mit lyrisch gefärbtem, höhensicherem Tenor sang Raúl Hernandez den Herzog von Mantua: ein Belcantist hohen Grades. Die in Köln zum Star gereifte Iride Martinez war eine wundervolle, wenn auch stimmlich schon etwas zu reif wirkende Gilda.

Aus dem vorzüglichen Ensemble der übrigen Sänger verdient noch der Prachtbass von Guido Jentjens als Sparafucile Erwähnung. Verdi hält im "Rigoletto" der Spaßgesellschaft seiner Zeit gnadenlos den Spiegel vor.

Parallelen zur Gegenwart sind handgreiflich. Philippe Arlauds Inszenierung erzählt die Geschichte mit guter Personenführung und Charakterzeichnung - in eigenem Bühnenbild aus geometrischen Versatzstücken, die in mühelosen Veränderungen das jeweilige szenische Ambiente schufen. Das Publikum war begeistert.

Kölnische Rundschau, 31. Mai 2004


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