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John
Neumeier und das
Hamburg Ballett in Baden-Baden
Das Hamburg Ballett John Neumeier gilt als eine der
ersten Adressen für die klassische Moderne im
europäischen Tanz. Dieser ausgezeichnete Ruf
hängt eng mit dem Mann zusammen, der seit
knapp 30 Jahren als Künstlerischer Direktor
die Geschicke der Compagnie bestimmt: John
Neumeier. Im Festspielhaus Baden-Baden waren vom
15. bis zum 20. Oktober 2002 Neumeiers
"Matthäus-Passion" sowie die getanzte
Biographie "Nijinsky" zu sehen.
Originelle Choreographien und ausdrucksstarke
tänzerische Interpretationen kennzeichnen
seinen Stil, den Neumeier vorzugsweise an den
großen Stoffen der Weltliteratur, aber auch
an sakralen Werken immer wieder neu erprobt und
weiterentwickelt. Im Festspielhaus Baden-Baden
zeigt das Hamburg Ballett Neumeiers 1981
realisierte Inszenierung der
"Matthäus-Passion" zu der Musik von Johann
Sebastian Bach: "Die Arbeit an der
Matthäus-Passion war wie die Suche nach einer
verschollenen Sprache: nach einer Sprache für
religiöse Inhalte und nach einer
choreographischen Form für Bachs musikalische
Formulierung. Ich wollte nicht eine dramatische
Darstellung oder Illustration des Ostergeschehens,
sondern eine vielschichtige, Bachs Komposition
entsprechende tänzerische Wiedergabe des
biblischen Geschehens in seiner religiösen und
menschlichen Bedeutung."
Mit "Nijinsky" wiederum, einer choreographischen
Hommage an den berühmten Tänzer der
"Ballets russes", gelangt eine ganz neue und erst
kürzlich mit dem Bayerischen Theaterpreis
ausgezeichnete Arbeit John Neumeiers auf die
Bühne: "Die choreographische Annäherung
kann keine dokumentarische sein, es ist eine
Biographie der Seele, eine Biographie von
Empfindungen und Zuständen. Mag sein, dass ein
bestimmtes Ereignis - ob historisch getreu oder
imaginär - en passant gestreift wird, mag
sein, dass Charaktere auftauchen, die an Menschen
aus Nijinskys Umfeld erinnern, ohne ihnen im
Erscheinungsbild zu gleichen." Für seine
Auseinandersetzung mit jener komplexen wie
faszinierenden Künstlergestalt wählte der
Choreograph zwei verschiedene Annäherungen:
Die eine geht über Rimsky-Korsakows
"Schéhérazade" und spürt dem
Tänzer Nijinsky in der magischen Welt der
frühen "Ballets Russes" nach. Die andere nimmt
ihren Weg über Schostakowitschs elfte
Sinfonie, die schon laut ihres programmatischen
Titels "Das Jahr 1905" an den Aufstand vor dem
Winterpalast in St. Petersburg erinnern will, und
zeigt den Menschen Nijinsky im Verhältnis zu
seiner Zeit, seiner Außenwelt. Allerdings
nutzt John Neumeier Mythos und Mensch Nijinsky
weniger als zu beschreibenden Gegenstand denn als
inspirierenden Anlass für seine Kreation: "Das
Wunder der Kunst ist, dass sie im Innern entsteht.
Da kann es geschehen, dass die Arbeit selbst
gewisse Antworten liefert, denen man sich
öffnen muss. Es entstehen neue Bezüge,
Kräfteverhältnisse und Spannungsfelder,
choreographische, emotionale, menschliche - und
solche zwischen Musik und Bewegung."
Der Choreograf John Neumeier erhält den
Herbert von Karajan Musikpreis 2007 im
Festspielhaus Baden-Baden. Wie Intendant Andreas
Mölich-Zebhauser mitteilte, wird der Intendant
des Hamburg Ballett am 6. Oktober 2007 im Rahmen
einer Ballettgala im Festspielhaus ausgezeichnet.
Der mit 50.000 Euro dotierte Musikpreis wird
jährlich vom Kuratorium der Kulturstiftung
Festspielhaus Baden-Baden einer bedeutenden
Persönlichkeit des internationalen Musiklebens
in Baden-Baden verliehen. Das Preisgeld ist
zweckgebunden für die Nachwuchsarbeit.
"John Neumeier ist eine überragende
Künstlerpersönlichkeit nicht nur als
Choreograf, sondern zugleich als Musiker, dessen
Instrument der menschliche Körper ist",
erklärt der Baden-Badener
Festspielhaus-Intendant Andreas
Mölich-Zebhauser im Namen des Kuratoriums des
größten deutschen Opernhauses.
Als großer Erzähler, der das
Handlungsballett in die Zukunft trage, genauso aber
als Interpret bedeutender symphonischer Werke in
seinen Balletten habe John Neumeier in den
vergangenen vier Jahrzehnten Maßstäbe
gesetzt. Daher erkläre sich, warum das
Kuratorium nach Anne-Sophie Mutter, den Berliner
Philharmonikern, Jevgeny Kissin und Valery Gergiev
erstmals einem Choreografen diesen Preis zuerkenne,
so Andreas Mölich-Zebhauser, der attestiert:
"John Neumeier verkörpert und lebt in seinen
Werken den höchsten humanistischen Anspruch,
das Menschliche schlechthin, in seinen
musikalisch-choreografischen Interpretationen
berührt er uns durch seine Ehrlichkeit und die
Poesie seiner Sprache". (PR)
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