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Expressiver Ausbruch und elegant federnde Leichtigkeit.

Sir John Eliot Gardiner dirigierte im Festspielhaus Baden-Baden Ludwig van Beethovens Missa solemnis

Ludwig van Beethovens Missa solemnis D-Dur op. 123 soll, so der Komponist, "bei den Singenden als bei den Zuhörenden religiöse Gefühle erwecken und dauernd machen"; sie ist ein Bekenntniswerk, das nicht nur den zeitlichen liturgischen Rahmen sprengt, sondern auch den religiösen Gehalt des Messtextes mit der aufklärerischen Utopie einer in Harmonie mit sich selbst lebenden Menschheit verbindet.

Schon die Uraufführung des Gesamtwerkes fand 1824 in St. Petersburg im Konzertsaal statt. Im Laufe der Zeit wurde die feierliche Messe mit ihren sinfonischen Ausmaßen und Ansprüchen zum Prestigeobjekt großer Dirigenten, Chöre und Orchester. Zu hoch gespannten Erwartungen Anlass gab die Aufführung des Meisterwerks im Festspielhaus Baden-Baden durch John Eliot Gardiner, dem Orchestre Revolutionnaire et Romantique, dem Monteverdi Choir und dem Solistenquartett Luba Orgonasova Nathalie Stutzmann, Christoph Prégardien und Alastair Miles.

Gardiner, vor einiger Zeit von der Queen geadelt, ist einer der führenden Vertreter der historisch-kritischen Aufführungspraxis, die mit der stilistisch korrekten Interpretation von Werken der Renaissance und des Barock begann, sich mittlerweile aber bis weit ins 19. Jahrhundert durch die Musikgeschichte musiziert hat. Diese Entwicklung repräsentieren der 1964 von Gardiner gegründete Monteverdi Choir, der zu den besten Chorformationen der Welt zählt, und das Orchestre Revolutionnaire et Romantique, das 1990 von dem Dirigenten ins Leben gerufen wurde, um das Repertoire des 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf Originalinstrumenten zum Klingen zu bringen.

Der im Vergleich zu modernen Orchestern obertonärmere und leisere Klang wird durch den Farbenreichtum der historischen Instrumente, vor allem der Holz- und Blechbläser, aufgewogen, durch die samtige Wärme der Streicher, die Differenziertheit der Artikulation und die Transparenz mehr als wettgemacht. Die üppige Bläserbesetzung stand mit den Streichern und dem Orgelpositiv im Baden-Badener Festspielhaus in einer ausgewogenen Beziehung, jedes Detail der Partitur wurde prägnant modelliert, ohne den großen epischen Bogen aus dem Auge zu verlieren.

Gardiner ist einer der Dirigenten, die die ganze Bandbreite der dynamischen Ausdrucksmöglichkeiten kennen und in den Dienst der dramatischen Interpretation stellen - sein Pianissimo ist sehr leise, aber mit Substanz, sein Fortissimo ist wuchtig, doch wohlgeformt und betörend klangschön, die Kunst des Abschattierens beherrscht er perfekt. Sein gleichsam sprechendes Orchester vermittelt meisterhaft die Spannung zwischen expressivem Ausbruch und elegant federnder Leichtigkeit.

Mit ideal fließender, fein gestalteter Chorlinie fügte sich der Monteverdi Choir nahtlos in das die dramatischen und kontemplativen Aspekte vermittelnde Konzept Gardiners und verströmte puren Wohllaut. Das ebenso homogen harmonierende Solistenquartett interpretierte die expressiven Momente der Partitur mit Aplomb, die persönlich-kontemplativen Passagen aber innig und zurückhaltend, mit dramatischer Wahrhaftigkeit. Das Publikum im Baden-Badener Festspielhaus bedankte sich für die Sinne, Herz und Verstand ansprechende Aufführung mit viel Applaus und Bravorufen.
© BNN 23.09.2002


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