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Spätestens die "Russische Saison" des
Mariinsky-Theaters aus St. Petersburg hat im Jahr
2002 bewiesen, wie gut die russische Kultur noch
immer zu Baden-Baden passt. Wohl kaum eine andere
deutsche Stadt bietet noch heute so viele Spuren
der großen Salons des 19. Jahrhunderts, die
nicht zuletzt auf Künstler und Kulturliebhaber
aus Moskau oder St. Petersburg eine magische
Anziehungskraft ausübten.
Elisabeth
Leonskaja
Das Konzert vom 1. Februar 2003 war im
Festspielhaus Baden-Baden ganz dem Schaffen Peter
Tschaikowskys gewidmet.
Solistin des Abends war die "Grande Dame" der
russischen Klavierschule, Elisabeth Leonskaja.
Die Pianistin und Wahl-Wienerin rettete 2002 eine
"Pfingstmatinée" im Festspielhaus: Arcadi
Volodos erkrankte und die in Tiflis geborene
Virtuosin sprang ein, spielte Schubert, Schumann
und Beethoven und faszinierte das Publikum vom
ersten Anschlag an. Erst auf der Bühne wird
aus der netten Dame eine ausdrucksstarke
Künstlerin, die ihr Seelenleben mit Hilfe der
Musik offen legt.
So schwierig es ist, persönliche Informationen
über Elisbateh Leonskaja im Vorfeld zu
bekommen, so eindrucksvoll ist ihr Spiel auf dem
Podium, das Erscheinen der verletzlichen
Künstlerin vor der menschlichen Maske des
Alltags. Vielleicht durfte man sich gerade wegen
Leonskajas Spiel und Auftritt besonders auf das
hoch virtuose und völlig zu unrecht eher
selten gespielte 2. Klavierkonzert aus der Feder
Tschaikowskys freuen.
Keine Frage: Die fünfte Sinfonie des
russischen Komponisten zählt zu den
großen tragischen Werken des 19. Jahrhunderts
und besticht ebenso durch ein monumentales Finale
wie durch einen gehauchten langsamen Satz, den
Tschaikowsky seiner Nachwelt ausgemalt mit
sämtlichen Schattierungen der russischen Seele
entgegenschleuderte. In der Interpretation des
Tschaikowsky-Sinfonieorchesters aus Moskau unter
der Leitung von Vladimir
Fedosejev wurde
russische Tragik und lustvolles Musizieren auf
höchstem Niveau zum Hörgenuss.
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