Festspielhaus   
Beim Alten Bahnhof 2   
76530 Baden-Baden   

Festspielhaus Baden-Baden

  

 

 


Mariss Jansons

Abb: Wolfgang Peter


  Auf dem Programm des Konzertes am 17. November 2001 im Festspielhaus Baden-Baden stand Beethovens "Egmont-Ouvertüre", die 3. Sinfonie "Schottische" von Felix Mendelssohn-Bartholdy, sowie die große Sinfonische Dichtung "Ein Heldenleben" von Richard Strauss.


Der 1943 in Riga geborene Mariss Jansons, seit 1997 Musikdirektor des Pittsburgh Symphony Orchestra, gilt als einer der weltweit führenden Dirigenten der Gegenwart.

Der Sohn des bekannten Dirigenten Arvid Jansons studierte Violine, Klavier und Dirigieren am damaligen Leningrader Konservatorium. 1969 setzte der damals 26jährige seine Ausbildung in Wien bei Hans Swarowsky und in Salzburg bei
Herbert von Karajan fort.

Als weltweit gefragter Gastdirigent hat Mariss Jansons in den vergangenen Jahren mit den bedeutendsten Orchestern der Welt zusammengearbeitet.

1995 wurde Mariss Jansons vom norwegischen König in den Rang eines Kommandanten mit Stern des Königlichen Norwegischen Verdienstordens erhoben. Damit erhielt er die höchste Auszeichnung, die Norwegen an Ausländer zu vergeben hat. Mariss Jansons ist überdies Empfänger des bedeutenden Anders Jahre-Kulturpreises. Am Konservatorium St. Petersburg hat Mariss Jansons außerdem eine Professur für Dirigieren inne.

Im Juni 2001 wurde Jansons zum Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien enannt. Die bedeutende Gesellschaft zählt heute Persönlichkeiten wie
Riccardo Muti, Claudio Abbado oder Nikolaus Harnoncourt zu ihren Mitgliedern; auch die historische Liste mit Ludwig van Beethoven, Anton Bruckner, Johannes Brahms und Franz Liszt liest sich wie ein Who is Who der Musikgeschichte.

Ab der Spielzeit 2003/2004 übernimmt der lettische Dirigent als Nachfolger von Lorin Maazel die Chefdirigenten-Position beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

 


Orchester sind wie Menschen. Es gibt unter ihnen viele Ähnlichkeiten, aber auch viele Unterschiede.

Interview mit Mariss Jansons

Am 17. November 2001, gab das Berliner Philharmonische Orchester sein Debüt im Festspielhaus Baden-Baden. Am Pult stand Mariss Jansons, der schon zahlreiche Programme mit diesem deutschen Spitzenorchester interpretierte.

Festspielhaus-Dramaturg Christian Kipper sprach mit Jansons während der Proben zum Baden-Badener Konzert in Berlin:

Welche Vorbilder hatten Sie und was haben Sie von ihnen gelernt?

Jansons: Ich bin in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Mein erstes Vorbild war eigentlich mein Vater, der auch als Dirigent arbeitete. So verbrachte ich fast jeden Tag im Opernhaus, oft begleitete ich ihn bei Proben. Seit meinem dritten Lebensjahr war ich praktisch ununterbrochen mit Musik umgeben. Ich bin damit aufgewachsen. Dann studierte ich an der Wiener Musikakademie und lernte dort Hans Swarowsky kennen – und bewundern. 1969/1970 war ich Assistent bei Herbert von Karajan in Salzburg und hatte somit gleich ein neues Vorbild. Ich schätzte insbesondere seine Konzentrationsfähigkeit und seine Energie. Er war eine ungeheure Persönlichkeit, wie ein Vogel, der über allem am Himmel schwebt, während wir immer nur auf der Erde blieben. In St. Petersburg wiederum traf ich auf Jevgeny Mavrinsky, den ich für einen der bedeutendsten Orchestererzieher halte.

Was zeichnet insbesondere die Arbeit mit den „Berlinern" aus?

Jansons: Die Berliner Philharmoniker sind ganz besondere, intelligente Musiker, die auch mitdenken und mitgestalten. Sie geben mir interessante Interpretationsideen und spielen mit Herz und Spontaneität.

Wo sehen Sie Ihren eigenen Repertoireschwerpunkt?

Jansons: Im Allgemeinen versuche ich, ein möglichst breites Repertoire zu erarbeiten und mich nicht nur auf einen Punkt zu konzentrieren. Dennoch gibt es immer wieder Perioden, in denen mich einzelne Komponisten besonders interessieren. Vor Kurzem waren das Mahler und Strauss – Strauss ist im Moment eigentlich immer noch mein Favorit. Ansonsten beschäftige ich mich zur Zeit verstärkt mit der Klassik, mit Beethoven und Haydn. Bruckner, glaube ich, wird dann mein nächster Schwerpunkt werden. Der Komponist interessiert mich immer mehr. Natürlich muss jeder Dirigent auch über den Rand des klassisch-romantischen Repertoires blicken. Die Alte Musik allerdings bleibt außen vor, weil sie mittlerweile von darauf spezialisierten Ensembles interpretiert wird und nicht mehr von großen Sinfonieorchestern aufgeführt werden sollte. Die Moderne Musik wiederum ist auch Bestandteil meines Repertoires. Ich dirigiere Sinfonieorchester in Oslo und Pittsburgh, da möchte ich natürlich auch zeitgenössische Kompositionen aus jenen Ländern spielen. Jeder Künstler muss mit der Zeit gehen und sich auch um das kümmern, was um ihn herum vorgeht.

Wie unterscheiden sich Ihre Orchestererfahrungen? Petersburg, Pittsburgh, Oslo, Berlin,München?

Jansons: Orchester sind wie Menschen. Es gibt unter ihnen viele Ähnlichkeiten, aber auch viele Unterschiede. Die Berliner Philharmoniker sind natürlich etwas ganz besonderes in ihrer Art, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks auch – vielleicht überhaupt die deutschen Orchester. Obwohl – das Royal Concertgebouw Orchestra schätze ich auch sehr. Sie alle spielen auf einem sehr hohen Reflexionsniveau und verstehen es, sich ganz einzubringen. Sie denken mit. Die amerikanischen Orchester wiederum sind überaus virtuos, technisch brillant. Mein Ziel in Pittsburgh ist es vor allem, diesem amerikanischen Ensemble die europäische Musiktradition nahezubringen. Unsere letzten beiden gemeinsamen Tourneen haben, denke ich, den Erfolg meiner Arbeit gezeigt. Das Blech ist geschmeidig, nicht zu laut, und die Musiker spielen mit viel Spontaneität.

Von welchen Projekten träumen Sie, die Sie bisher noch nicht realisieren konnten?

Mein Traum wäre es, mehr Opern zu dirigieren. Ich bin mit Oper aufgewachsen und würde mich jetzt natürlich gerne selbst damit beschäftigen. Leider fehlt mir dazu immer die Zeit. Aber ich liebe Oper – und zwar die ganze Palette – und möchte das unbedingt einmal machen.

Womit verbringen Sie am liebsten Ihre Zeit, wenn Sie einmal nicht am Dirigentenpult stehen?

Jansons: Ich lese sehr gerne, vor allem Bücher über Musik. Ich bereite mich auf diese Weise auch auf meine Konzertverpflichtungen vor. Daneben besitze ich eine große Sammlung an CDs und Videos, die aber auch wiederum viel mit Musik zu tun haben. Meine ganz große Liebe gilt aber auch dem Sprechtheater. Ich gehe wahnsinnig gerne dorthin, doch fehlt mir leider immer die Zeit, mich um diese Dinge zu kümmern.


Zurück zu den Künstlern
Zurück zu den News
Alle Veranstaltungen im Festspielhaus

 

 




© 2003 by WAEPART Baden-Baden. All rights reserved.