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Marion Meloni berichtet

Herbstfestspiele des Festspielhauses Baden-Baden 2008
”Il Barbiere di Siviglia“ von Gioacchino Rossini

Das Festspielhaus Baden-Baden hatte am 23. September Berichterstatter zu einem Gespräch mit dem Dirigenten Thomas Hengelbrock eingeladen. Während dessen war Folgendes zu erfahren:

Rossinis Intrigenkomödie “Il Barbiere di Siviglia“ wird als Inszenierung Bartlett Shers für die New Yorker Metropolitan Opera aufgeführt.

In New York spielt das Orchester der Metropolitan Opera einen “modernen“ Rossini, mit heutigen Instrumenten.

Thomas Hengelbrock, hat den “Barbiere“ einige Male dirigiert, aber für Baden-Baden jetzt erstmals mit seinem Balthasar Neumann Ensemble und dem Balthasar Neumann Chor einstudiert.

Thomas Hengelbrock schwebte dabei ein Rossini “al dente“ vor - mit historischen Instrumenten, die einen charaktervollen Klang erzeugen.

“Wir haben nur die halbe Klangmasse, dafür aber viel mehr Farben“, schwärmt Hengelbrock von seinem Projekt.

Hengelbrock geht mit besonderer Sorgfalt vor und forscht penibelst nach der einstigen Aufführungspraxis. Auf der Suche nach den Vorläufern der heutigen Instrumente konferiert er via Internet mit der halben Welt, da, so Hengelbrock, für die alte Musik die alten Instrumente klanglich besser seien.

Das gilt auch für den “Belcanto“, die Gesangskultur der Rossini-Zeit, der den Sängern alle Kunst abverlangt und erst dann voll zur Entfaltung kommt, wenn das Orchester nicht so auftrumpft.

Etwa die Hälfte der Sänger kommt aus der New Yorker Produktion, sowie auch einige Statisten. Weitere Solisten waren für Baden-Baden neu verpflichtet worden.

Hengelbrock arbeitet intensiv daran, die perfekte Balance zwischen Bühne und Orchester zu finden, wobei ihm die hervorragende Akustik des Festspielhauses entgegen kommt.

Diese intensive Arbeit hat sich hörbar und sichtbar gelohnt, denn am Premierenabend, dem 3. Oktober, ließ das Orchester den hervorragenden Sängerinnen und Sängern, die glänzend miteinander harmonierten, Raum für ihre Melodien.

Anna Bonitatibus und Lawrence Brownlee sangen und spielten die Rollen des Liebespaares Rosina und Almaviva, Franco Vasallo die des Figaro. In weiteren Rollen bestätigte Maurizio Muraro als Bartolo, Reinhard Dorn als Don Basilio, Manuela Bisceglie als Berta und Roman Grübner als Fiorello/Ufficiale die erarbeitete Balance von Bühne und Orchester. Rob Besserer verkörperte in einer stummen Rolle und mit ausdrucksvoller Körpersprache den Ambrogio.

Catherine Zuber hat die prachtvollen, für die Zeit der Handlung typischen Kostüme entworfen. Michael Yeargan gab dem Bühnenbild, das von vielen Türen dominiert war, eine Art toskanischer Atmosphäre, die durch Christopher Akerlinds Lichtregie stimmungsvoll ausgeleuchtet wurde.

Die Festspielhausbesucher ließen sich von der Freude an Spiel und Gesang der Künstler anstecken und dankten allen Beteiligten mit begeistertem Applaus.

Von Marion Meloni, Rheinmünster

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