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24. April 2004 / 1. Mai 2004
In den
Himmel entschweben
Die
Sopranistin Edita Gruberova steht vor dem
Höhepunkt ihrer Karriere. So schätzt sie
selbst ihr Europa-Debüt als "Norma" in der
gleichnamigen Oper von Vincenzo Bellini ein. Im
Rahmen von zwei konzertanten Aufführungen am
24. April und am 1. Mai 2004 im Festspielhaus
Baden-Baden wird sich die Sängerin nach 35
Jahren Bühnenerfahrung kein bisschen müde
dieser Aufgabe stellen. Die Aufführungen sind
bis auf Restkarten bereits ausverkauft.
"Ich habe mich ein Leben lang auf diese Rolle
vorbereitet", verriet die Ausnahme-Kümstlerin
gestern (13. April 2004) zum Probenbeginn den
Journalisten.
Den Entschluß, diese Partie zu studieren,
fasste Edita Gruberova jedoch erst im Jahr 2000.
Damals fühlte sie sich bereit, ihre Belcanto-
wie auch ihre Lebenserfahrung in der dramatischen
Geschichte der Druidenpriesterin, die sich selbst
opfert, zusammenfließen zu lassen.
"Ich habe mir zum Beginn des Rollenstudiums viele
Aufnahmen anderer Sängerinnen angehört",
gestand die in Bratislava geborene Sängerin,
"doch ich habe auch bei den großen
Vorgängerinnen in dieser Rolle Dinge
gehört, die ich ganz anders machen würde.
Es gibt da Stellen, da muss man einfach bei aller
Dramatik mit der Stimme in den Himmel entschweben,
und das kann ich."
Schon deshalb werden Vergleiche mit
Sängerinnen wie Maria Callas oder Joane
Sutherland möglicherweise nicht ziehen, wenn
Edita Gruberova am 24. April 2004 unter der Leitung
von Friedrich Haider mit der Staatsphilharmonie
Rheinland Pfalz erstmals die "Norma" auf
europäischen Boden singen wird. Ihre
Feuertaufe in dieser Partie hatte sie bereits vor
einem Jahr in Tokyo ebenfalls in konzertantem
Rahmen bestanden, doch auf die Auftritte im
Festspielhaus Baden-Baden konzentriert sie sich nun
besonders: "Ich brauche immer viele
Aufführungen, bis ich die Partie wirklich bis
in den kleinsten Finger verinnerlicht habe".
Das Festspielhaus Baden-Baden hält Edita
Gruberova dabei für den richtigen Ort für
eine solche Premiere: "Meine Verbindung mit dem
Festspielhaus Baden-Baden ist eine erarbeitete
Erfahrung. Ich habe mir hier ein Publikum
'ersungen', und was kann es schöners geben,
als sich ein Publikum zu ersingen?"
Mit der "Primadonna Assoluta" werden weitere
namhafte Solistinnen und Solisten zur "Norma" in
der nach Edita Gruberovas Aussagen "fantastischen
Akustik" des Festspielhauses Baden-Baden singen.
Mit der estischen Mezzo-Sopranistin Elina Garanca
wird dabei ein Shooting-Star der internationalen
Opernszene in der Rolle der "Adalgisa" zu
hören sein. Die Rolle des "Pollione" wird der
Tenor Aquiles Machado singen, und den
"Oroveso" singt der britische Baß Alastair
Miles. Alle Sängerinnen und Sänger wurden
von Edita Gruberova ausgesucht und auf ihre
ergänzenden Qualitäten zu ihrer eigenen
Ausnahmestimme hin abgewogen.
Dass sie die "Norma" erst im Jahr 2006 in
München in einer szenischen Produktion singen
wird, ist für Edita Gruberova kein Problem. Im
Gegenteil. Seit ihr der Star-Regisseur Konwitschny
attestierte, dass sie die Inszenierung durch die
Farbenvielfalt ihrer Stimme ersetze, ist sie sich
sicher, dass auch eine konzertante Aufführung
die beabsichtigte Wirkung des Komponisten erzielen
kann.
Sie selbst findet immer wieder neue Passagen in
dieser Oper, die für sie eine besondere
emotionale Herausforderung darstellen: "Wenn sich
Norma am Schluss der Oper entscheidet, selbst auf
den Scheiterhaufen zu gehen und ihre Kinder dem
Vater anvertraut, ist die Musik ganz einfach, nur
ein Tonwechsel, da muss ich beim Studium und in den
Proben immer weinen. Ich hoffe, dass ich dieses
Gefühl auch in den Aufführungen
transportieren kann."
Ihre Fans sind sich da sicher, denn Edita Gruberova
gilt in Opernkreisen als ein Phänomen. Kaum
eine andere Sängerin vermag es trotz einer
solch langen Karriere, das Niveau ihres Gesanges
noch immer zu steigern. Sie selbst führt das
auf die richtige Gesangstechnik und das Schonen der
Stimme zurück: "Erst mit fast 40 Jahren habe
ich von einer Sekunde auf die andere bemerkt, wie
mir die richtige Gesangstechnik hilft. Es war, als
lege sich ein Lichtschalter um. Aber es war der
entscheidende Augenblick, fast 20 Jahre, nachdem
ich das Konservatorium verlassen hatte." Andere
Sängerinnen, so Edita Gruberova, achteten im
Moment des Erfolges nicht genügend auf die
für die Stimme so wichtigen Ruhepausen. "Ich
kenne das doch", so die Sopranistin, "wenn sich das
Karrussell dreht, nimmt man alles mit, sagt zu
jeder Rolle schnell 'Ja'". Sie selbst lebt seit
vielen Jahren jedoch nach den Regeln des
großen Sängers Alfredo Kraus, der seinen
Kollegen ausgedehnte Ruhephasen empfahl. "Zwei,
drei Wochen Urlaub reichen da nicht", so Edita
Gruberova", "es müssen schon zwei Monate sein,
in denen man aber nicht faul ist, sondern die
Stimme immer wieder ganz leicht traniert."
Wer so arbeitet, hat auch wenig Mühe, seine
Stimme auf den Punkt in Top-Form zu bringen und
etwa die bekannte "Casta Diva"-Arie aus "Norma" in
der höheren Originaltonart G-Dur zu singen,
wie es Edita Gruberova plant.
Von Urlaub kann daher derzeit bei den Proben zur
"Norma" in Ludwigshafen und Baden-Baden keine Rede
sein. Mit großer Konzentration und mindestens
ebsenso großer Leidenschaft bereitet sich
Edita Gruberova auf die besondere Premiere vor, um
gleichwohl bescheiden in die Zukunft zu blicken:
"Ich hoffe, es geht nach der 'Norma' noch ein
bisschen weiter."
Die Aufführungen im Festspielhaus Baden-Baden
werden vom SWR für den Hörfunk und
für eine CD aufgenommen. Sendetermine und
CD-Erscheinungstermin stehen allerdings noch nicht
fest.
Pressemitteilung Festspielhaus Baden-Baden
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