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Ibrahim Ferrer

Buenos Hermanos
Ibrahim Ferrer
Label: World Circ (Indigo)
Audio CD (CD-Anzahl: 1)

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Am 24. Mai 2005 gastierte Ibrahim Ferrer im Festspeilhaus Baden-Baden.
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Ibrahim Ferrer

Mit diesem Album kann Ibrahim Ferrer mehr als zufrieden sein. Kleiner Rückblick: Bevor seine Stimme 1996 von Ry Cooder entdeckt wurde, hatte sich Ferrer enttäuscht aus der Musik zurückgezogen, denn zeitlebens stand er als Sänger im Hintergrund: bei Pacho Alonso, in der berühmten Banda Gigante von Beny Moré und zuletzt in der Band Los Bocucos. Allenfalls kam er als Interpret von Guarachas zur Geltung, jener Liedform im Up-Tempo, bei der ein Sänger zu pikanten, doppelzüngigen Texten improvisieren muss, wie zum Beispiel in "El Cuarto de Tula" des Buena Vista Social Club. Die Guarachas und Sones wiederum, die Ferrer aufgenommen und populär gemacht hatte, waren stets ohne seinen Namen erschienen. Und erst Ry Cooder sollte Ferrer auch als Bolero-Sänger würdigen. Boleros nämlich sind bis heute die stille Leidenschaft dieses alten Musikers mit seinem spitzbübischen Charme, der nasalen Stimme und dem bezaubernden Feeling.

So ist nun auch das zweite, von Cooder produzierte Soloalbum Buenos Hermanos wunderbar auf die Qualitäten des Sängers zugeschnitten. Zugleich aber ist es vielseitiger als der Erstling: Neben vier Boleros und drei Guarachas sind darauf drei Sones, eine Guajira, ein Guaguancó und ein Bolero-Cha zu hören. Begleitet wird Ferrer nicht nur von den Mitstreitern aus dem Buena Vista Social Club, sondern auch von einigen prominenten Gästen. Neben Ry Cooder und dessen Sohn sind das u.a. der Tex-Mex-Akkordeonspieler Flaco Jiménez, der im Jazz und Rock bewanderte Drummer Jim Keltner, der kubanische Meisterperkussionist Miguel "Angá" Díaz oder The Blind Boys of Alabama. Mit dieser Besetzung erhält mancher Bolero das Gewand einer rauchigen Jazz-Ballade.

Zur Besonderheit aber zählt auch, dass sich auf Buenos Hermanos erstmals zwei Eigenkompositionen Ferrers aus den 40er-Jahren finden, die nie zuvor aufgeführt wurden. Völlig zu Unrecht, wie sich nun zeigt. In der Guaracha "Hay Que Entrarle A Palos A Ése" etwa will Ferrer jeden Macho niederknüppeln, der sich Frauen gegenüber ungebührlich verhält. Chucho Valdés, Grammy-Preisträger und Gründer der Jazzformation Irakere, sitzt am Piano, eine achtköpfige Bläsergruppe schmettert einen gefühlvollen Chor, und Manuel Galbán, Ex-Mitglied der Doo-Wop-inspirierten Los Zafiros, steuert ein Solo auf der Hammondorgel bei. Eine glanzvolle Premiere. Ebenso einzigartig ist das komplexe Titelstück, eine nur behutsam neu arrangierte Version jenes Klassikers, den die Gebrüder Matamoros vor über 60 Jahren gemeinsam mit Beny Moré aufgenommen hatten. Das Album verlegt Nostalgie in die unmittelbare Gegenwart, und Ferrers Gesang berauscht jedes Mal aufs Neue. Es ist das bisher ausgereifteste Werk des Sängers, und so werden wohl auch die Hörer mehr als zufrieden sein. (Roman Rhode)

Am 6. August 2005 starb er im Alter von 78 Jahren in der kubanischen Hauptstadt Havanna.

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