Festspielhaus   
Beim Alten Bahnhof 2   
76530 Baden-Baden   

Festspielhaus Baden-Baden

  

 

 


Hans Clarin

Abb: Wolfgang Peter

 


Hans Clarin entführte in Zauber der Weihnacht

Stimmungsvoller Abend mit ausgewogenem Programm von Text und Musik im Festspielhaus

Das Bedürfnis nach Ruhe und Besinnlichkeit, nach festlicher Stimmung und weihnachtlicher Geschichte ist in diesen Tagen groß. Deutlich machte dies ein voll besetztes Festspielhaus, das mit einer "Alpenländischen Weihnacht" auf die Feiertage einstimte. Während die Lichter im voll besetzten Zuschauerraum heruntergedreht werden, erstrahlt auf der Bühne ein Lichter geschmückter Weihnachtsbaum. Zarter Glockenklang ist zu hören. Die sich schnell und akkurat formierenden Regensburger Domspatzen stimmen mit hellen klaren Stimmen den Jubelgesang "Adeste Fideles" an, den die Bläser des Ensembles "Classique" weich und gefühlvoll begleiten. Hans Clarin, der seinen Platz an einem rustikalen Tisch eingenommen hat, erhebt seine markant rostig-raue Stimme. Er beginnt die Weihnachtsgeschichte zu lesen.

Nein, es ist mehr als nur ein Lesen oder Erzählen. Seine dynamische und packende Erzählkunst, die von Herzen kommenden Worte, verleihen seiner Erzählung von der "Verkündigung" bis zur "Geburt des heiligen Kindes" eine einzigartige Lebendigkeit. Der bekannte Schauspieler lässt die Zuschauer die Geschichte der Weihnacht hautnah erleben.

Dann wieder erheben sich unter Leitung von Hans-Stephan Martin die strahlenden jungen Stimmen der "Regensburger Domspatzen". Händels "Tochter Zion" erschallt. Voller Sehnsucht fragen sie "Ach, wann kommen jene Stunden". Perlend und sanft lässt Eva Deborah Keller die Harfe erklingen und verdeutlicht mit ihrer virtuosen Darbietung, dass ein "Winterabend" durch die Kraft der Musik wohlig und warm sein kann.

Kraftvoll ergreift Hans Clarin wieder das Wort, um seine spannungsgeladene Erzählung fortzusetzen. Kaum, dass seine letzten Worte verhallen, setzt der Chor mit themenbezogenen Liedern ein, denen das Bläser-Ensemble einen samtenen Notenteppich bereitet. Festlich und stimmungsvoll zelebrieren die Musiker das "Largo aus Concerto f-Moll" von Antonio Vivaldi. Die brillanten solistischen Leistungen von Peter Seitz (Posaune) und Rolf Ihler (Trompete) akzentuieren die Schönheit der Musik und lassen sie zum schmeichelnden Hörerlebnis werden.

Das abwechslungsreiche Repertoire, die ausgewogene Verschmelzung von Wort und Musik, die kontrastierenden Dialoge der Blasinstrumente und der Harfe machen den außergewöhnlichen Reiz der "Alpenländischen Weihnacht" aus. Hans Clarin nähert sich mit seiner Erzählung dem Ende. "Der Heiland ist geboren" triumphiert die Sängerschar. Man möchte das Ende hinauszögern, der Erzähler scheint es zu erraten.

Er geht mit persönlichen Kindheitserinnerungen an die Weihnacht bei sich zu Hause in die Verlängerung. "Weihnachten ohne ein Lied, das wäre in unserer Familie undenkbar gewesen. Obwohl die musikalischen Fähigkeiten bei uns allen sehr begrenzt waren, es wurde gesungen und ich konnte nie verstehen, warum der Tannenbaum Blätter hat". Zum Nachdenken regte seine Frage an, zu der er die Antwort parat hatte. "Warum ist es so schwer geworden Frieden zu schenken und selbst dabei froh zu werden? Vielleicht müssen wir alle etwas ärmer werden, um dadurch reicher zu werden".

Seinen Zuhörern gab er ein Päckchen mit auf den Weg. "Vertrauen, Güte, Courage', Frieden und Gerechtigkeit auf Erden" waren sorgsam hineingelegt, "damit das Fest ein reiches wird". Neunzig Minuten vergingen wie im Fluge. Mit anhaltendem Applaus dankten die Besucher für einen wunderschönen Abend, die Begeisterung der Zuhörer war nur mit einigen musikalischen Zugaben zu bremsen.

Sigrid Preuss, BNN 23.12.2002


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