Festspielhaus   
Beim Alten Bahnhof 2   
76530 Baden-Baden   

Festspielhaus Baden-Baden

  

 

 


Dave Brubeck

Abb: Wolfgang Peter


 Am 11. Juli 2004 konnte man den Altmeister des "Cool Jazz" Dave Brubeck im Baden-Badener Festspielhaus live erleben.

Was für eine großartige, dichte Atmosphäre im Saal, was für eine Begeisterung auf den gut gefüllten Rängen: Auch mit 84 Jahren ist Jazzlegende Dave Brubeck ein einfallsreicher, gewitzter Könner am Klavier, fasziniert sein Publikum im Festspielhaus Baden-Baden durch sein leichthändiges Spiel: Was er anfasst, geht unter die Haut, selbst die scheinbar harmloseste Musik.

Brubeck ist einer der wichtigsten Vertreter des Cool-Jazz - einer Stilrichtung, die sich durch außergewöhnlichen Rhythmus und dicht geführte Stimmen auszeichnet; er engagierte sich jedoch auch als Komponist klassischer Werke, war Schüler von Darius Milhaud und Arnold Schönberg - und schöpft daher aus einem reichen Fundus an Ideen, an Klangfarben. Das Dave Brubeck Quartet bescherte zwei Stunden lang Raffinesse, Virtuosität und Stimmungszauber.

Brubeck beginnt meist mit einem ausgedehnten, kunstvollen Vorspiel. Er sinniert ganz leise vor sich hin, intim und gedankenverloren - so, als wolle er zunächst einmal den Rahmen geben für die Geschichte, die er gleich erzählen wird; dann wird er drängender, intensiver, wechselt elegant und bruchlos zwischen den Rhythmen, verwischt dabei die Konturen zwischen Klassik und Jazz.

Jetzt erst setzt sein Ensemble ein: Bobby Militello mit geschmeidigem Altsaxofon, mit geschwungenen Linien, die er manchmal wie beiläufig hintupft und die Bassist Michael Moore wunderbar abfängt. Äußerst grazil, geradezu katzenhaft bewegt dieser seine Töne auf dem Griffbrett, gezupft oder mit Bogenstrich gezogen. Man hört fugenartige Dialoge, aus denen Bach hindurchscheint, und dann plötzlich schraubt sich alles in tobenden und rasenden Rhythmen nach vorne - hier bestaunt man vor allem Randy Jones am Schlagzeug - alles rotiert wild, der Klang wird extrem. Bescheiden, fast demütig nimmt Dave Brubeck den überwältigenden Jubel entgegen, streut zwischendurch trocken-witzige Conferencen ins Programm ein, erzählt nette Geschichten zu seiner Musik, und kündigt nach der Pause einen fröhlich-beschwingten Tonfall an, "damit man den Regen leichter ertragen kann."

Er pointiert scharf, und er spielt mit einem Lausbuben-Grinsen, verfällt dann zwischendurch in einen sehr sentimentalen Ton - eine wundervolle Elegie, nun mit Bobby Militello als Flötisten: weiche, luftige Töne schwingen hier an, und Brubeck dosiert das Klavier darunter sparsam, aber wirkungsvoll. Hier passiert im Grunde wenig, aber was passiert, das fesselt.

Als die vier gegen Ende zum Welt-Hit "Take Five" ansetzen, da bricht der Jubel bereits in die ersten Töne des unverkennbaren Piano-Rhythmus hinein, und dann hält es keinen mehr auf dem Sitz: Das Publikum applaudiert im Stehen, verneigt sich vor dem großen Künstler.

Badisches Tagblatt 13.4.2004


 


Dave Brubeck

Didd, die, di, di, di, didd, die, die, die... summt vermutlich jeder Zeitgenosse den Ohrwurm "Take five" automatisch, wenn der Name Dave Brubeck fällt.

David Warren Brubeck wurde am 6. Dezember 1920 in Concord, im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien, geboren. Seine Mutter, Pianistin und Lehrerin, sorgte dafür, dass er und seine Geschwister frühzeitig mit klassischer Musik in Kontakt kamen.

Jazz, die ausdrucksstarke Musikform der Afroamerikaner zog Dave Brubeck bereits in jungen Jahren in seinen Bann und führte dazu, dass er bereits mit 13 Jahren als Pianist in örtlichen Jazzgruppen öffentlich auftrat.

Auf dem College im kalifornischen Stockton erwarb er den Bachelor of Arts in Musik und studierte anschließend klassische Komposition in Oakland.

Nach seinem Militärdienst, der ihn im Zweiten Weltkrieg nach Europa führte, setzte er sein Studium fort, gründete das experimentelle Jazz Workshop Ensemble und begann 1949 mit diesem Ensemble als Dave Brubeck Oktett mit Schallplattenaufnahmen.

Die 1950er und 60er Jahre brachten dem nächsten Ensemble, dem Dave Brubeck Qaurtett, mit dem Namensgeber als Pianisten und dem Saxophonisten Paul Desmond, ungeahnten Erfolg, welcher dazu beitrug, weltweit nach dem Zweiten Weltkrieg das Interesse für Jazz zu entfachen. "West Coast Cool Jazz" wurde der Brubecksche Musikstil bezeichnet und brachte ihm die Ehre ein, im renommierten Magazin "Time" als erster Jazzmusiker überhaupt in einem Bericht gewürdigt zu werden.

Die 1959 veröffentlichte Schallplatte "Time Out" war die erste Produktion der modernen Jazzgeschichte, die sich mehr als eine Million Mal verkaufte. Sie bescherte der Welt die wunderbaren Titel "Take five" und "Blue Rondo a la Turk".

Bis 1967 nahm das Dave Brubeck Quartett ebenso erfolgreich Schallplatten auf, wie es öffentliche Auftritte bestritt. Danach verließ Dave Brubeck die Gruppe, um seine Fertigkeiten als Komponist unter Beweis zu stellen unter weiter zu entwickeln. Das Ergebnis zeigte sich in zwei Ballettstücken, einem Musical, einem Oratorium, vier Kantaten und jeder Menge von Klavierstücken, sowie Arbeiten für Jazzgruppen und Orchester.

Immer wieder gründete der Vollblutmusiker neue Musikgruppen und nahm an Jazz-Festivals teil, Sein Aufstieg zum unumstrittenen Weltstar war unaufhaltsam.

Bis ins hohe Alter war und ist der mehrfache Familienvater musikalisch aktiv. Er hat eine Vielzahl weiterer Tonträger bespielt und absolviert/e seine Auftritte, wie beispielsweise 1999 und 2001 in Luzern, vor ausverkauftem Haus.

Am 11. Juli 2004 hat Dave Brubeck, die lebende Jazz-Legende, zum faszinierten Zuhören, Mitwippen und da capo-Intonieren im Festspielhaus Baden-Baden animiert.

Rika Wettstein, Baden-Baden



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