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Einer der ganz
großen Musiker des 20. Jahrhunderts erweist
der Kurstadt Baden-Baden die Ehre, sie vor mehr als
50 Jahren zur Wahlheimat auserkoren zu haben.
Pierre
Boulez
Geboren wurde Pierre Boulez am 26. März 1925
im französischen Montbrison. Bereits in
früher Jugend erhielt er Musikunterricht und
wandte sich nach einem zweijährigen
naturwissenschaftlichen Studium in Lyon ganz der
Musik zu. 1953 begann er ein Musikstudium in Paris,
teilweise am Conservatoire National
Supérieur, teilweise bei Privatlehrern.
René Leibowitz unterrichtete ihn
beispielsweise in der Technik der seriellen
Komposition, einer Kompositionsart, in welcher alle
Eigenschaften der einzelnen Töne - Höhe,
Dauer, Klangfarbe - oder aber alle Eigenschaften
des Tonsatzes präzise vorherbestimmt sind.
Sein offizielles Studium gab Pierre Boulez im Jahr
1946 auf, setzte sich autodidaktisch mit der
Leitung von Orchestern auseinander,
beschäftigte sich mit Malerei und Dichtung und
war als Komponist tätig. Vielseitigkeit und
Abwechslungsreichtum sollten das weitere Leben
Pierre Boulez' bestimmen.
Für die Schauspieltruppe von Madeleine Renard
und Jean-Louis Barrault wurde er mit 21 Jahren als
musikalischer Leiter tätig, schrieb
Schauspiel-Musiken und Arrangements und dirigierte
die Musiker.
Seine Kompositionen, die 1951 auf den renommierten
Donaueschinger Musiktagen präsentiert wurden,
brachten dem jungen Künstler ein hohes
Maß an nationaler und internationaler
Beachtung. Der Durchbruch gelang Pierre Boulez im
Jahr 1955 mit der Uraufführung der Kantate "Le
Marteau sans Maître". Seine Musikwerke, deren
Uraufführungen Pierre Boulez in der Regel
selbst leitete, ließen ihn zu einem der
bedeutendsten Vertreter der seriellen Musik
werden.
Die Erfolge Pierre Boulez' als Dirigent sind nicht
minder beeindruckend. Von 1953 bis 1947 dirigierte
er Konzerte des von ihm in Paris mit
begründeten Domaine Musical, 1959 wurde er
Nachfolger Hans Rosbauds bei
den Donaueschinger Musiktagen. Er war von 1971 bis
1975 Chefdirigent des BBC Symphony Orchestra in
London und der New Yorker Philharmoniker (1971 bis
1977). 1976 gründete er das Ensemble
InterContemporain, dessen langjähriger Leiter
er wurde. Selbstverständlich dirigierte er
auch immer wieder das Symphonieorchester des
früheren Südwestfunks und
heutigen Südwestrundfunks.
Als Dozent der Darmstädter Ferienkurse
für Neue Musik war Pierre Boulez ebenso
tätig wie als Lehrer in Basel, an der Harvard
University im US-amerikanischen Cambridge und in
Paris.
Die Musikwelt verdankt ihm die Bewahrung der
wichtigsten Musikwerke der Moderne des letzten
Jahrhunderts auf Tonträgern, welche unter
Pierre Boulez' Dirigat mit den besten Orchestern
der Welt aufgenommen wurden.
Eine Vielzahl an Ehrungen wurde dem Künstler
zuteil, unter anderem im Jahr 1992 der Theodor W.
Adorno-Preis. Seine fachliche Kompetenz wurde durch
die Berufung zum Präsidenten des Musikrates
der UNESCO gewürdigt. Eine
außergewöhnliche Auszeichnung erfuhr
Pierre Boulez, als er 1989 von der Japan Art
Association zum ersten Preisträger des
Praemium Imperiale - mittlerweile eingestuft als
"Nobelpreis der Kunst" - im Bereich Musik bestimmt
wurde. Seine Treue zu Baden-Baden dankte ihm die
Stadt im Januar 2004 mit der Verleihung der
Goldenen Ehrenmedaille.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
In seiner Wahlheimatstadt
Baden-Baden ist Pierre Boulez Mitglied des
Kuratoriums des Baden-Badener Festspielhauses. Die
Baden-Badener haben ihren berühmten
Mitbürger zum Stadtkünstler des Jahrs
2003 ernannt.
Am 23. September 2003 dirgierte
Pierre Boulez die Wiener Philharmoniker in einem
außergwöhnlichen Konzert im
Festspielhaus. Orchesterstücke Anton Weberns
und Gustav Mahlers Vierte Sinfonie, in welche
Lieder aus Clemens von Brentanos und Achim von
Arnims Sammlung 'Des Knaben Wunderhorn' eingegangen
sind, führten zu dem Ergebnis "Das
Baden-Badener Publikum stimmte durchaus mit dem
Dichter überein: 'Wir genießen die
himmlischen Freuden.' " (BNN 29.9.2003)
Vom 18. Januar bis zum 29.
Februar 2004 wurde dem prominenten Einwohner der
Kurstadt besondere Aufmerksamkeit in einer
Ausstellung im Alten Dampfbad Baden-Badens
gewidmet.
Am 22. Februar 2005 gastierte
Pierre Boulez anlässlich seines bevorstehenden
80. Geburtstages in der Kölner
Philharmonie.
Am 29. September 2005 dirigierte
Pierre Boulez die Wiener Philharmoniker im
Festspielhaus.
Pierre Boulez erhält 2009
den mit rund 370000 Euro dotierten Kyoto Preis
für sein Lebenswerk. Weiter>
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