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14. September
2008: Erleben Sie den Festakt zum 10. Geburtstag
des Festspielhauses Baden-Baden im Film.
Zehn Jahre Festspielhaus
Baden-Baden
Zehn Jahre Festspielhaus und der sensationelle
Aufstieg, den der Kulturtempel unter der Intendanz
von Andreas Mölich-Zebhauser seit 1998 erfuhr,
wurden vom 11. bis zum 14 September 2008 in
Baden-Baden mit einem großen Fest für
die Region gefeiert.
"Eine zehn Jahre andauernde Liebesbeziehung
zwischen dem Haus, seinen Künstlern und seinem
Publikum ist wahrlich ein Grund, um Korken knallen
zu lassen", sagte der Hausherr Andreas
Mölich-Zebhauser in seiner
Eröffnungsrede.
Dem von Jahr zu Jahr steigerungsfähigen
Intendanten ist nach zehn Jahren klar:
"Die besten Jahre kommen erst jetzt". Sein
spezieller Dank galt dem Publikum, dieser
"Bürgerinitiative für klassische
Musik".
Zehn Jahre Festspielhaus Baden-Baden sollten
angemessen begangen werden und deshalb gab es neben
vier klassischen Jubiläumskonzerten auch
tagsüber Programm:
Zauberhafte Lichteffekte auf der
Hector-Berlioz-Anlage, die zum Jubiläum eigens
illuminiert worden war.
Sonderführungen "Klassik entdecken"
gewährten Einblicke in normalerweise
unzugängliche Bereiche Europas
zweitgrößten Opernhauses - "Klassik auch
im Heizungskeller" - an ganz ungewohnten Orten
trafen die Teilnehmer der Führung auf
Musiker.
"Jazz zum Frühstück": Die Formation New
Day aus Köln erfreute die
Jubiläumsgäste am Sonntagvormittag auf
dem Vorplatz des Opernhauses.
Ein Leckerbissen am Samstagnachmittag - man konnte
einer öffentlichen Generalprobe des
Simón Bolivar Jugendorchesters zuschauen und
somit einen Einblick in die Arbeitsweise eines
klassischen Orchesters bekommen, dass aus 200
Musikern in Jeans, T-Shirts und Baseballkappen
bestand.
Zahlreiche Kinder und Jugendliche aus der Region
saßen im Publikum. Sie alle erlebten den
Dirigenten Gustavo Dudamel als einen akribischen
Arbeiter mit südamerikanischem
Temperament.
Für einige der jungen Talente, die recht
ungezwungen auf einer der größten
Opernbühnen Europas agierten, war die Musik
die Chance für den Aufstieg aus den
südamerikanischen Elendsvierteln. Die Stiftung
"Fundación del Estado para el Sistema de
Orchestra Juvenil e Infantil de Venezuela", kurz
"Sistema", ermöglichte bereits 250000 jungen
Menschen in Venezuela eine musikalische Ausbildung,
die talentiertesten werden in das staatliche
Jugendorchester berufen.
Der Musikwissenschaftler Dariusz Szymanski gab
einige einleitende Erläuterungen zu Modest
Mussorgskys Komposition "Bilder einer Ausstellung",
die postwendend vom Orchester klanglich
demonstriert wurden.
Die Einführungsvorträge vor den Konzerten
sollten dazu beitragen, dass neue
Hörerschichten Klassik entdecken. Allein in
den vergangenen sechs Jahren - seit Bestehen des
Education Programs Kolumbus - konnten 14000
Schüler Konzerte im Festspielhaus verfolgen,
betonte Rüdiger Beermann, Leiter der
Öffentlichkeitsarbeit.
Am Donnerstagabend begann "die Saison mit den
spektakulärsten Konzerten und den besten
Orchestern der Welt", so die Ankündigung des
Intendanten Andreas Mölich-Zebhauser.
Den Auftakt machte das New York Philharmonic unter
der Leitung von Lorin Maazel mit Anton Bruckners
Sinfonie Nr. 8 c-Moll.
Lorin Maazel, der von sich sagt: “Ich dirigiere
nichts, was ich nicht liebe“, dirigierte auswendig
und mit der Gelassenheit des Meisters, Bruckners
monumentale Achte.
Darius Szymanski schrieb dazu: "Stellen Sie Ihre
innere Uhr auf jetzt um. Ruhen Sie sich aus von der
Schwere dieser Musik - Sie sind da und die
Blechbläsermusik ist da und vielleicht bringt
diese ja in Ihnen eine besondere Saite um
Schwingen. Irgendetwas in der Art: Gott, Ich und
Kosmos. Darunter ging es bei Bruckner ja nie".
Am Freitagabend präsentierte Thomas
Hengelbrock mit seinem fabelhaften
Balthasar-Neumann-Ensemble und
Balthasar-Neumann-Chor, einen Ausschnitt aus dem
umfangreichen Kantatenschaffen Johann Sebastian
Bachs Kantate "Wachet auf, ruft uns die Stimme" BWV
140
Kantate "Siehe zu, dass deine Gottesfurcht nicht
Heuchelei sei" BWV 179
Motette "Jesu, meine Freude" BWV 227
Kantate "O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe" BWV
34
Drei Zugaben forderte das Publikum. Erst dann lies
es den Klangregisseur Thomas Hengelbrock gehen, der
an diesem Abend Ensemble-Kultur vom Feinsten
bot.
Der Samstagabend gehörte dann Gustavo Dudamel
und dem Simón Bolivar Youth Orchestra, die
in einem seit langem ausverkauften Festspielhaus
und vor einem dermaßen enthusiastischen
Publikum gespielt haben, das minutenlang im Stehen
applaudierte.
Vor dem musikalischen Genuss erhielt Gustavo
Dudamel den mit 10000 Euro dotierten Würth
Preis der Jeunesses Musicales Deutschland 2008
für seinen Einsatz für das vorbildliche
Musikausbildungssystem seines Heimatlandes
Venezuela.
Auf dem Programm standen im ersten Teil "Le Sacre
du Printemps" von Igor Strawinsky,
und im zweiten Teil die "Bilder einer Ausstellung"
von Modest Mussorgsky in der Orchestration von
Maurice Ravel.
Für den rauschenden Beifall bedankten sich die
Musiker mit zwei Zugaben, garniert mit
Showeffekten.
Der Abschluss der viertägigen
Jubiläumsfeier mit insgesamt rund 8000
Konzertgästen und mehr als 3000 Besuchern des
Rahmenprogramms war am Sonntagabend dem Intendanten
des Marinskij-Theaters St. Petersburg, Valery
Gergiev, der von Andreas Mölich-Zebhauser als
"Mann der ersten Stunde" angesagt wurde,
vorbehalten.
Valery Gergiev zelebrierte mit seinem Orchester
exzessiv die Musik seiner Heimat aus dem 19.
Jahrhundert - Peter Tschaikowskys Klavierkonzert
Nr. 1 b-Moll Op. 23 und die Sinfonie Nr. 5 e-Moll
Op. 64.
Der Solist am Klavier, Alexei Volodin, spielte
souverän und das Zusammenspiel mit dem
Orchester war äußerst präzise und
überzeugend.
Auch hier forderte das Publikum zwei Zugaben.
Der Festredner Pierre Boulez und der Hamburger
Ballettintendant John Neumeier drückten ihre
große Begeisterung über die
beispielhafte Entwicklung, die das 2500 Plätze
umfassende Festspielhaus hat, aus. Boulez lobte,
dass die weltbesten Musiker kontinuierlich in das
Haus geholt werden und betonte sein Anliegen, die
zeitgenössische Musik möge im Angebot des
Festpielhauses nicht vernachlässigt
werden.
Von Marion Meloni, Rheinmünster
10 Jahre Festspielhaus -
Geschichte
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