Franz Alt

Hier finden Sie Beiträge von Dr. Franz Alt
zu wichtigen ökologischen Themen, die uns alle angehen sollten.

Agrarwende jetzt. Gesunde Lebensmittel für alle.

Über 100 BSE-Fälle bei Rindern sind inzwischen in Deutschland bekannt - aber das Thema ist schon weitgehend vergessen. Spätestens beim ersten an BSE gestorbenen deutschen Menschen wird das Thema wieder auf Seite eins der Zeitungen auftauchen. In England sind schon über 100 Menschen an BSEgestorben. Eine Studie der Oxford-Universität rechnet in den nächsten Jahren mit bis zu 144.000 Toten. Der frühere Gesundheitsminister Horst Seehofer meinte schon 1994 in einer ARD-Sendung, dass BSE das "Aids des 21. Jahrhunderts" werden könnte. Was tun?

Renate Künast hat angekündigt, bis 2010 sollen in Deutschland 20 Prozent der Landwirte ökologisch wirtschaften. Das ist allenfalls ein erster Schritt. Aber keine wirkliche Lösung. Denn 20 Prozent ökologisch und weiterhin 80 Prozent herkömmlich chemisierte Landwirtschaft mit Massentierhaltung und entsprechenden Nahrungsmittelfabriken ist nun wirklich keine begeisternde Zukunftsvision und schon gar keine Lösung der Landwirtschaftskrise auf Dauer.

Der frühere Umweltminister von Brasilien und Agrarökonom José Lutzenberger spricht zurecht von der "selbstmörderischen Sinnlosigkeit der modernen Landwirtschaft". Da hilft kein 20-prozentiges Umsteuern, sondern nur ein 100-prozentiges. Etwas weniger Selbstmord nützt gesamtgesellschaftlich und gesamtwirtschaftlich wenig.

Agrarwende jetzt


Einige Zahlen:
1. in den letzten sechs Jahren haben die englischen Bauern 60 Prozent ihres Einkommens eingebüßt
2. in der EU wird die Hälfte des gesamten Budgets in eine marode Landwirtschaft gepumpt, die nicht die geringste Überlebenschance hat
3. wenn das heutige Bauernsterben nochmals 20 Jahre so weitergeht wie bisher, dann gibt es in Europa keinen einzigen Bauern mehr
4. in Deutschland müssen wir jährlich 115 Milliarden Mark wegen falscher Ernährung ausgeben. Der Agrar-Kapitalismus frisst seine Kinder.

Die alte Landwirtschaft ist ökonomisch, ökologisch, ernährungsphysiologisch und ethisch am Ende. Wie schaffen wir also die 100-prozentige Agrarwende, die den Bauern wirtschaftliche Zukunftsperspektiven eröffnet, ökologisch und tierethisch vertretbar ist und allen gesunde Lebensmittel garantiert?


Das Haupthindernis einer wirklichen Agrarwende sind die Mythen der alten Landwirtschaftspolitik.

Erster Mythos: Ökolebensmittel sind zu teuer

Die industrialisierte Landwirtschaft produziert Skandale am laufenden Band: Gift im Trinkwasser, Fischsterben, Schadstoffe in der Nahrung, Rinderwahn, Schweinepest, Maul- und Klauenseuche. Die "billigen Nahrungsmittel" kommen uns alle teuer zu stehen, finanziell, ökologisch und gesundheitlich. Aber hauptsächlich die Vertreter der industrialisierten Agrarwirtschaft operieren mit dem Argument der "zu teuren Öko-Lebensmittel".

Es ist schon grotesk: in einer Zeit, in der viele von uns mehr Geld für ihr Auto als für ihre Lebensmittel ausgeben, ist es eher ein Zeichen von Kurzsichtigkeit über "zu teure Öko-Lebensmittel" zu lamentieren anstatt intelligenter zu rechnen. Gerade beim Lebensmittelkonsum zeigt sich: Ökologie ist die intelligentere Ökonomie, weil sie viel Folgekosten spart.

Es ist grundsätzlich preiswerter, richtig - und in der Landwirtschaft heißt das: nach den Schöpfungsgesetzen - zu wirtschaften. Die Natur ist der bessere Lebensmittelproduzent als der Chemiker oder der Gentechniker. Über fünf Jahrzehnte sanken die Kosten für Nahrungsmittel - aber für den Doktor steigen sie permanent. Was hat diese Entwicklung noch mit Lebensqualität zu tun? Die einzig realistische Frage heißt also nicht: sind Lebensmittel zu teuer? Sie heißt: was bedeutet "Klasse statt Masse" beim Preis?

Wer den ersten und wichtigsten Mythos der alten Landwirtschaft durchschaut, wird rasch erkennen: gesunde Lebensmittel für alle sind möglich, nötig und bezahlbar.


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