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Mülhausen/Mulhouse
Mülhausen/Mulhouse ist die größte
Stadt in Haut-Rhin und nach Straßburg die zweitgrößte des
Elsass. Sie wird von zwei Wasserläufen, den
Rheinzuflüssen Doller und Ill, durchquert.
Mülhausen liegt geographisch an den Grenzen
dreier Staaten (Frankreich, Deutschland und der
Schweiz). Die Stadt liegt nicht weit von Thann
entfernt, dem südlichen Tor zur
elsässischen Weinstraße. Somit ist
Mülhausen das Tor zum Sundgau im
äußersten Süden des Elsass. Mit den
Nachbarn Freiburg im Breisgau, Basel, Belfort,
Montbéliard und Colmar
liegt Mülhausen im Zentrum einer mehr als zwei
Millionen Einwohner zählenden
Region.
Die Stadt Mülhausen wurde im Jahr 803 erstmals
urkundlich erwähnt. Errichtet wurde sie auf
einem oft durch Hochwasser heimgesuchten
Gelände. Der Bau einer Mühle gab dem Ort
seinen Namen. Ein Mühlrad ziert daher auch das
Stadtwappen. Durch den Status als freie Reichsstadt
im Deutschen Reich sowie durch ein Bündnis mit
den Schweizer Kantonen (1515) und dem
französischen Königreich blieb
Mülhausen nahezu unabhängig.
Mülhausen war Mitglied im Elsässischen
Zehnstädtebund.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts gewannen
chemische und mechanische Industrien an Bedeutung.
Im Jahr 1746 begann mit der Gründung einer
Textildruckmanufaktur die industrielle Entwicklung
der Stadt. Mülhausen entwickelte sich zu einer
erfolgreichen Industriestadt und galt als
Manchester Frankreichs. Mülhausen unterhielt
bevorzugte Beziehungen mit Louisiana, von wo es
Baumwolle importierte. e
Nach dem deutsch-französischen Krieg von
1870/71 wurde Mülhausen und das gesamte Elsass
in das Deutsche Kaiserreich integriert. 1919 kehrte
Mülhausen an Frankreich zurück.
Mülhausen besteht aus einer Unter- und einer
Oberstadt. Die Unterstadt war früher das
Viertel der Händler und der Handwerker. Sie
entwickelte sich um den Place de la Réunion
(Platz der Wiedervereinigung). Nur noch sehr wenige
Häuser aus dem Mittelalter und Reste der
ehemaligen Stadtmauer sind in Mülhausen zu
finden. Heute ist die Unterstadt um den Platz der
Wiedervereinigung und dem Dom
Fußgängerzone. Die Oberstadt entstand im
13. Jahrhundert. Verschiedene Mönchsorden
siedelten sich dort an.
Das Neue Viertel ist das früheste Beispiel
einer geplanten Urbanisierung, die in
Mülhausen ab 1826 nach der Zerstörung der
Stadtmauern erfolgte. Das Neue Viertel konzentriert
sich um den Platz der Republik. Sein Netzwerk an
Straßen mit dreieckigen Wohnflächen ist
ein hervorragendes Beispiel gelungener
Stadtplanung. Dieses Viertel wurde von den reichen
Familien der industriellen Arbeitgeber bewohnt.
Im Rebberg Viertel wurden vornehme Villen gebaut,
die den säulenartigen Residenzen der
Baumwollzüchter in Louisiana ähneln. Man
findet dort aber auch Häuser englischen Stils:
Reihenhäuschen, gebaut in Verbundenheit mit
Manchester, da die Unternehmerfamilien ihre
Söhne zum Studium dorthin schickten.
In Mülhausen entstand ab 1853 die erste
Arbeitersiedlung Frankreichs. Sie war das Ergebnis
eines raschen Bevölkerungsanstiegs in den
Jahren 1800 bis 1850 von etwa 5 000 auf 30 000
Bewohner. Es entstanden insgesamt 1240 neue
Gebäude für rund 10000 Bewohner.
Das Rathaus wurde 1553 im rheinischen
Renaissance-Stil gebaut. Montaigne bezeichnet es
1580 als "großartigen Palast, der ganz
vergoldet wäre". Im Inneren finden sich
verblüffend naturgetreue Gemälde, die in
Allegorien die Laster und Tugenden darstellen. Die
Fresken im Rathaussaal sind die Wappen der
Schweizer Kantone, mit denen die Stadt verbunden
war.
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