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Goethe kam im
Frühjahr 1770 für eineinhalb Jahre nach
Straßburg, um sein Jurastudium zu beenden.
Ihm zu Ehren hat man vor der Universität 1904
zur Erinnerung an seinen 150jährigen
Geburtstag ein Denkmal errichtet.
Zu Goethes Zeiten befand sich die Universität
an der heutigen "Place des Etudiants". Goethe
konzentrierte sich damals nicht nur auf sein
Jurastudium, sondern besuchte auch andere
Vorlesungen. Am 6. August 1771 erwarb er den Titel
eines Lizentiaten, der zu seiner Zeit dem eines
Doktors der Rechtswissenschaften entsprach.


Straßburg
um 1800, zeitgenössischer Stich
Die Sehenswürdigkeit in Straßburg, die
Goethe am meisten bewunderte, war das
Straßburger Münster. Als Goethe in der
Stadt eintraf und das imposante Bauwerk sah,
erkannte er sofort dessen architektonische
Bedeutung, die damals weitgehend als
mittelalterlich und barbarisch angesehen wurde.
Obwohl durch die lange Bauzeit viele Baumeiseter
und Künstler aus allen Teilen Europas mit
ihren zahlreichen verschiedenen Baustilen beteiligt
waren ist das Münster kein Stückwerk
geordern, sondern, wie Goethe schon im Hymnus "Von
deutscher Baukunst" sagte, ein aus tausend
harmonierenden Einzelheiten bestehendes
Gesamtgebäude.
Goethe war besonders von der Fensterrose im zweiten
Stock beeindruckt, die vom Meister Erwin erbaut
wurde. Goethe bewunderte ihn und suchte Erwins Grab
vergeblich. 45 Jahre später wurde das Epitaph
von einem seiner früheren Schulkameraden
gefunden. Meister Erwin soll aus Steinbach stammen, einem
Stadtteil von Baden-Baden, was jedoch nicht
erwiesen ist.


Fischmarkt mit
Goethehaus, Holzschnitt, 1871
Wenn man das
Münster in Richtung Westen verlässt und
die Rue Mercière entlangläuft, liegt
rechter Hand die Pharmacie du Cerf
(Hirschapotheke). Die aus dem 13. Jahrhundert
stammende Apotheke ist die älteste
Frankreichs. Hier nahm Goethe an Chemievorlesungen
teil. In de Nähe, in der Rue du Vieux
Marché aux Poissons (Alter Fischmarkt),
befand sich seine Wohnung. Goethe besuchte eine
Tischgesellschaft, mit der er viel Zeit verbrachte.
Diese Gesellschaft, die er im nahe gelegenen
Gasthaus in der Rue de l'Ail (Knoblauchgasse)
kennenlernte, bestand weitgehend Medizinstudenten.
Es waren für Goethe wichtige Leute wie Johann
Heinrich Jung, Franz Christian Lerse (den Goethe im
Götz von Berlichingen verewigte), Friedrich
Leopold Weyland (durch ihn lernte er Friederike
Brion kennen), der Dichter Heinrich Leopold Wagner,
der Präsident der Gesellschaft Doktor Johann
Daniel Salzmann (Goethes Berater in allen Fragen
des Jurastudiums) und Jakob Michael Reinhold Lenz.
Es entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen
Goethe und Lenz. Diese Begegnung ist durch den
gegenseitigen Gedanken- und Wissensaustausch
für die deutsche Literatur ebenso wichtig, wie
die Verbindung zwischen Herder und Goethe.


Gasthaus "Zum
Geist", um 1770
Goethe hatte Herder zufällig im ehemaligen
Gasthaus "Zum Geist" am Quai Saint-Thomas
kennengelernt. Zwischen beiden entwickelte sich in
nur kurzer Zeit eine enge Freundschaft. Durch
Herder lernte Goethe neue Richtungen der Literatur
kennen.
Als Goethe Straßburg nach eineinhalb Jahren
verließ, um nach Frankfurt
zurückzukehren, plante er, Reden über
Shakespeare zu halten und nahm Entwürfe zu
einem Aufsatz über die "gotische Baukunst"
mit. Darüber hinaus hatte er bereits Ideen zu
"Faust" und zu "Götz von Berlichingen"
entwickelt.
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Goethe und
Friederike - Sessenheim
Die kleine etwa 1500 Einwohner zählende
Ortschaft Sessenheim befindet sich ungefähr 40
Kilometer nordöstlich von Straßburg. Von
Baden-Baden etwa eine halbe Autostunde entfernt.
Dieser kleine Ort wäre wohl ewig unscheinbar
geblieben, hätte ihn nicht Goethe durch seine
Liebe zu Friederike Brion zum Pilgerort seiner
zahlreichen Verehrer gemacht.
Mit seinem Studienfreund Friedrich Leopold Weyland
kam Goethe Anfang Oktober 1770 zum erstenmal nach
Sessenheim. Weyland wollte ihn dort in die
Pfarrfamilie Brion einführen. Die beiden
ritten damals über die heutige D 468 in die
völlig paradiesische Gegend. Von der einstigen
Idylle ist heute jedoch sehr wenig übrig
geblieben.
Wenn Sie iSessenheim besuchen wollen, so bietet es
sich an, zuerst einmal das Pfarrhaus zu
besichtigen, das von der Kirche aus gesehen auf der
linken Seite der Rue Frédérique Brion
liegt. Es ist jedoch nicht mehr so erhalten, wie es
Goethe 1770 vorfand..


Pfarrhaus in
Sessenheim
Rötelzeichnung von Goethe
In dem Pfarrhaus von einst, begann die eineinhalb
Jahre andauernde Liebe zwischen dem 21jährigen
Goethe und der 19jährigen Pfarrerstochter
Friederike Brion. Goethe schrieb später von
der ersten Begegnung mit ihr: "In diesem Augenblick
trat sie wirklich in die Türe; und da ging
fürwahr an diesem ländlichen Himmel ein
allerliebster Stern auf."
Ihr Aussehen schilderte er so: "Schlank und leicht,
als wenn sie nichts an sich zu tragen hätte,
schritt sie, und beinahe schien für die
gewaltigen blonden Zöpfe des niedlichen
Köpfchens der Hals zu zart. Aus heiteren
blauen Augen blickte sie sehr deutlich umher, und
das artige Stumpfnäschen forschte so frei in
die Luft, als wenn es in der Welt keine Sorge geben
könnte; der Strohhut hing am Arm, und so hatte
ich das Vergnügen, sie beim ersten Blick auf
einmal in ihrer ganzen Anmut und Lieblichkeit zu
sehn und zu erkennen."


Friederike in
Elsässer Tracht
Heute werden im Pfarrhaus einige
Erinnerungsstücke an Friederike und ihren
Vater aufbewahrt. Von den ursprünglichen
kirchlichen Gebäuden blieb lediglich die
Goethe-Scheune erhalten, die 1958 restauriert
wurde. Auf einer Bank vor der Scheune befindet sich
ein Auszug aus den autobiographischen
Aufzeichnungen Goethes, in dem man etwas über
seine Ausflüge mit Friederike zu den
Rheininseln erfährt. Es gibt noch eine weitere
Goethe-Gedenkstätte zu besichtigen. Dieses wie
ein kleiner antiker Tempel wirkende Gebäude
wurde früher als Wachhäuschen genutzt.
Seit 1961 beherbergt es in zwei Räumen
Schriftstücke und Bilder.
Eine weitere unübersehbare
Sehenswürdigkeit ist die Kirche in der Rue de
l'Eglise. Sie ist zwar noch aus der Goethezeit
erhalten, wurde aber inzwischen etwas umgebaut. An
der südlichen Außenwand der Kirche sind
die Grabplatten der beiden Eltern Friederike Brions
eingemauert. Interessant im Innern der Kirche ist
das Pfarrgestühl, das man links vorne im Chor
findet. Hier sollen Goethe und Friederike beim
Sonntagsgottesdienst gesessen haben. Auch die
Kanzel stammt wahrscheinlich noch aus Goethes
Zeit.
Verlässt man die Kirche wieder, so erblickt
man gegenüber das Gasthaus "Au Boeuf". Hier
kann man nicht nur eine Mahlzeit einnehmen, sondern
auch ein kleines Goethe-Privatmuseum besichtigen,
in dem einige Andenken an ihn und Friederike
ausgestellt sind.
Wenn man nach Verlassen des Gasthauses wieder auf
den Rathausplatz zurückgeht und dort rechts in
die Rue Goethe einbiegt, kann man Goethe und
Friederike auf ihren abendlichen Spaziergängen
folgen. Die beiden schlenderten diese Straße
in Richtung Stattmatten entlang, um auf den
Sesenheimer später so genannten
Goethe-Hügel zu gelangen. Er befindet sich
nach Überqueren der Bahnlinie rechter Hand und
trägt heute den Namen "Friederikenruh".
Goethe und Friederike verweilten hier öfters.
Obwohl heutzutage keine hübsche Aussicht in
die Gegend mehr zu gewinnen ist, pilgern
Goetheliebhaber aus aller Herren Länder zu
diesem Hügel.
Das leidenschaftliche Verhältnis zu Friederike
sollte jedoch nicht lange andauern. Bereits im
Frühjahr 1771 ist bei Goethe die Rede von
einem baldigen Ende dieser Beziehung, zu dem es
dann zwei Tage nach seiner Lizentiatenprüfung
am 6. August 1771 auch kam.
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