Zu den beiden Ausstellungen
Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff, Nolde
Künstler der Brücke in der Sammlung Hagemann


vom 9.12.2004 bis zum 23.1.2005 in Frankfurt und vom 25.2. bis zum 15.5.2005 im Folkwang Museum Essen ist ein Begleitbuch erschienen, das nicht nur bei Kunstliebhabern und Sammlern auf Gefallen stoßen dürfte.

Carl Hagemann, in Essen geboren und in Frankfurt gestorben, hat im Laufe seines Lebens mit mehr als 1200 Exponaten eine der bedeutendsten Sammlungen expressionistischer Arbeiten zusammengetragen. Der promovierte Chemiker konzentrierte sich dabei auf die Werke der Mitglieder der Künstlergemeinschaft "Die Brücke".

In sechs Kapiteln setzt sich die Dokumentation mit der Bedeutung der Sammlung, mit den Künstlern und dem Sammler selbst auseinander. Auch der Geschichte der Frankfurter und Essener Museen, vor allem während des Regimes der Nationalsozialisten und seinen Folgeerscheinungen, wird Aufmerksamkeit gewidmet.

Der Sammler selbst, gemalt von Ernst Ludwig Kirchner, empfängt den Leser und Betrachter gerade so, als wolle er ihn in sein Haus einladen, in welchem Raum für Raum Bilder jeweils eines Malers gehängt waren. Diese Ordnung mag die Gestaltung des Buches beeinflusst haben. Zwischen den einzelnen Kapiteln ist jeweils die Auswahl an Bildern eines einzelnen Künstlers zu finden, von Emil Nolde über
Karl Schmidt-Rottluff und Ernst Ludwig Kirchner bis zu Erich Heckel.

Die von unterschiedlichen Autoren verfassten Artikel berichten von den beiden Frankfurter Museen, dem Frankfurter Städel und der Städtischen Galerie, und ihrem Engagement für die "Kunst der Gegenwart".

Carl Hagemann als Sammler wird nachgegangen, auch während der Zeiterscheinung der "
Entarteten Kunst", als ihm sein Freund, der von den Nationalsozialisten abgesetzte Direktor des Essener Folkwang Museums, davon abriet, aus Vorsichtsgründen Bilder der Sammlung zu verbrennen. "Auch bemalte Leinwände bleiben brauchbar, für junge Künstler verwendbar" gab er zu bedenken und appellierte damit gegen die Zerstörung und für das Verschenken der Bilder.

Die Sammlung blieb schließlich erhalten und überstand dank des beherzten Vorgehens des seinerzeitigen Städeldirektors den Zweiten Weltkrieg, ist in einem weiteren Kapitel zu erfahren, wonach sich ein Beitrag mit Ernst Ludwig Kirchner und seinen Sammlern befasst, allen voran Carl Hagemann, der den Maler mit einem monatlichen Fixum unterstützte.

Einem potenziellen Empfänger der Hagemann-Sammlung, dem Essener Folkwang Museum und seinem engagierten Direktor Ernst Gosebruch, gilt das nächste Kapitel, bevor sich eine biografische Skizze Carl Hagemann nähert. Die erlesenen Informationen können durchaus dazu reizen, zum Eingangsbild zurückzukehren. Der sitzende Carl Hagemann mag signalisieren: Verweile und gönne dir die Muse, anhand dieser Dokumentation eine aufregende Zeit ein weiteres Mal zu erleben. (Rika Wettstein, Baden-Baden)

Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff, Nolde

Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff, Nolde: Künstler der Brücke in der Sammlung Hagemann
von Hans Delfs, Ursula Grzechca-Mohr, Mario A von Lüttichau, Eva Mongi-Vollmer, Jutta Schütt, Roland Scotti. Gebundene Ausgabe, 192 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Das Buch ist im
Hatje Cantz Verlag erschienen.

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