Burda Museum Baden-Baden

 

 

 


Ein Maler  aus Deutschland

Ein Maler aus Deutschland
Gerhard Richter. Das Drama einer Familie
Von Jürgen Schreiber
250 Seiten, 35 Schwarz-Weiß-Abbildungen, Festeinband mit Schutzumschlag, Pendo Verlag

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Ein Maler aus Deutschland

"Bilder sind schön. Bilder sind nicht zu entbehren, aber eine Qual sind sie auch!" Dieses Zitat Franz Kafkas stellt Jürgen Schreiber dem vierten Teil seiner fünfteiligen Aufarbeitung der Familiengeschichte Gerhard Richters voran.

Ein Bild, "Tante Marianne", des mittlerweile zu Weltruhm gelangten
deutschen Malers, das dieser im Jahr 1965 von einer Fotografie angeregt gemalt hat, veranlasste den engagierten Journalisten Jürgen Schreiber fast 40 Jahre später zu ausgedehnten, sorgfältigen Recherchen, die Ungeheuerliches zum Ergebnis hatten.

Ungeheuerliches in mehrfacher Weise:

Zum einen das individuelle Schicksal der Familien Schönfelder-Richter, in erster Linie die Unmenschlichkeit, der Gerhard Richters Tante Marianne Schönfelder von 1938 an in verschiedenen psychiatrischen Anstalten während der Nazizeit bis zu ihrer Ermordung im Jahr 1945 ausgesetzt gewesen ist.

Zum anderen "das deutsche Unheil", das nicht nur das Leben der Schönfelders und Richters erbarmungslos dirigierte, sondern das "Krieg, Verwüstung, Wahnsinn, Krankheit, Tod" für Millionen von Menschen zur Folge hatte.

Erschütternd, den Atem raubend, Furcht einflößend - "tintenschwarz". Von Jürgen Schreiber werden in besonders ausdrucksstarken Formulierungen nicht nur Tatsachen vermittelt, sondern auch Emotionen verschiedenster Art und Ausprägung hervorgerufen, so dass die Geschichte des Malers aus Deutschland von vielen nur in für deren Psyche gerade noch bekömmlichen Raten aufgenommen werden kann, in Abwandlung des Kafka-Zitats: Aufklärende Bücher sind nicht zu entbehren, aber eine Qual sind sie auch!

Besonders furchtbar erscheinen die Lebensverflechtungen Gerhard Richters und seiner Angehörigen mit der Familie des tausendfach Leid provoziert habenden Nazi-Vollstreckers Professor Heinrich Eufinger, Frauenarzt und Schwiegervater Gerhard Richters.

Das ganze Ausmaß der Familientragödie kam Gerhard Richter erst mit 73 Jahren durch Jürgen Schreibers Aufklärungsbestrebungen zur Kenntnis. 60 Jahre nach dem verheerenden Bombenangriff auf seine Geburtsstadt Dresden, der in Gerhard Richter den Vorsatz, Maler zu werden, initiierte. 60 Jahre nachdem seine Tante Marianne der Nazi-Vernichtungsmaschinerie zum Opfer gefallen war und 40 Jahre, nachdem ihr der Neffe in einem 120 cm x 130 cm großen Gemälde in seinem unnachahmlichen Stil ihr unbeschwertes Kinderleben zurückgemalt hat.

Womit letztendlich zwei Konsequenzen verbunden waren: Ein schönes Bild war entstanden, woraus wiederum ein packendes Buch resultierte. Beide sind nicht zu entbehren, wenn sie auch Qualen bereiten.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
(
www.bad-bad.de)

Das Buch ist im
Pendo-Verlag erschienen.


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