65 Jahre Baselitz
  Illustration © Wolfgang Peter

 


Er stellte die Kunst auf den Kopf

Zum 65. Geburtstag von
Georg Baselitz

In seinen Werken steht die Welt auf dem Kopf - und das seit mehr als 30 Jahren. 1969 begann der Künstler seine Motive um 180 Grad zu drehen, um dem Betrachter eine "neue Sehweise" zu eröffnen und die Unabhängigkeit der Kunst von der Wirklichkeit anzudeuten. Die Umkehr des Motivs gibt ihm so die Freiheit, sich ganz der Farbe und Komposition zu widmen.

Bekannt wurde Baselitz, der am 23. Januar 2003 Jahre alt wurde, quasi über Nacht: Mit dem Gemälde "Die große Nacht im Eimer" bescherte er Berlin 1963 den ersten Kunstskandal der Nachkriegszeit. Das Motiv, ein onanierendes Kind mit überdimensionalem Penis, rief die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Pornografie lautete der Vorwurf. Das in einer Galerie ausgestellte Bild wurde beschlagnahmt und das Gerichtsverfahren gegen ihn erst zwei Jahre später eingestellt.

Längst ist Baselitz, vom skandalumwitterten Maler zu einem Top-Star der internationalen Kunstszene aufgestiegen. Seine neoexpressionistisch-figurativen Bilder hängen in allen wichtigen Museen der Welt, stehen bei Sammlern hoch im Kurs und haben die deutsche Kunst seit den 70er Jahren maßgeblich beeinflusst.

So enthält die Sammlung Frieder Burda auch eine größere Anzahl wichtiger Werke von ihm.

Der Maler, der als 20-Jähriger aus der DDR in die Bundesrepublik kam, galt im Westen als Retter des Realismus. Vor der motivischen "Kehrtwende" malte er "Heldenbilder", in denen seine "neuen Typen", wie er sie nannte, als Arbeiter, Hirten oder Rebellen mit ihren wuchtigen Körpern die Bildformate füllten.

Die malerische Auflösung der Form führte ab 1966 zu "Frakturbildern" mit in Streifen zergliederten und nie wieder ganz passgenau zusammengesetzten Motiven. Daneben entstanden Skulpturen und Druckgrafiken.

Offene Worte hat Baselitz, der heute auf Schloss Derneburg bei Hildesheim lebt, nie gescheut, hat Kollegen, Kulturpolitiker und Ausstellungsmacher öffentlich kritisiert — etwa
Gerhard Richter, dessen RAF-Zyklus er ein "hochpeinliches Geschichtsbild" nannte. 1977 zog Baselitz seinen Beitrag zur "documenta 6" zurück, als er erfuhr, dass offizielle Repräsentanten der DDR-Malerei teilnehmen. Leise wird er auch im Alter nicht. "Wenn man schon 65 wird, muss man auch meckern dürfen", rechtfertigte er in einem Interview seine Kritik an der staatlich subventionierten Kultur als "Unterhaltungskultur für bequeme Leute". Bei der Kunst, so Baselitz, interessierten das Publikum nur die erzielten Millionen-Spitzenpreise.

Mehr über Georg Baselitz
Große Baselitz-Retrospektive in Bonn
Baselitz in Karlsruhe

Zurück zu den News



 




© 2003-2005 by WAEPART Baden-Baden. All rights reserved.