Willem de Kooning

Willem de Kooning.
von Cornelia H. Butler, Paul Schimmel, Richard Shiff, Anne M. Wagner
Gebundene, englische Ausgabe, Maße: 24 x 34 cm, 199 Seiten, Princeton University Press, Erscheinungsdatum: 2002

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Mark Rothko.
von Dora Imhof, Susanne Kudielka, Bettina Mette, Tanja Narr
Gebundene Ausgabe, 203 Seiten,
Hatje Cantz Verlag
Erscheinungsdatum: 2001

"Ein Bild lebt in Gemeinschaft, indem es sich in den Augen des einfühlsamen Betrachters entfaltet und dadurch in ihm auflebt. Es stirbt, wenn diese Gemeinschaft fehlt. Deshalb ist es ein gewagtes und gefühlloses Unterfangen, ein Bild in die Welt zu entsenden" (Mark Rothko, 1947).

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Abstrakte Kunst

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sehnten sich die Menschen nach einem Neuanfang. Auch in der Bildenden Kunst herrschte in Europa zunächst eine gewisse Orientierungslosigkeit, denn die nationalsozialistische Bilderstürmerei hatte zu einer künstlerischen Verarmung geführt.
Schon die Expressionisten Kandinsky und Klee, die Bauhaus-Konsruktivisten, die Künstler der russischen Avantgarde und die
Surrealisten hatten mit ihrer Kunst den Boden zur Abstraktion bereitet. Diese Veteranen der Klassischen Moderne bildeten das Bindeglied zwischen Vor- und Nachkriegsepoche.

Nicht aus ästhetischen sondern aus ideologischen Gründen lehnte man in der Nachkriegszeit im Westen jegliche Form der gegenständlichen Malerei ab. In der vorschnellen Abwehrreaktion setzte man jede Form der gegenständlichen Darstellung mit der NS-Kunst und dem "Sozialistischen Realismus" gleich, der im Ostblock "verordnet" wurde. Die abstrakte Malerei hingegen erschien wegen ihrer unverbindlichen und ideologiefreien Bildersprache als einzig mögliche, dem "freien Westen", angemessene Kunst und so wurde die abstrakte Malerei in den 50er Jahren zum eindeutig dominanten Stil der westlichen Kunstszene.

Die "Weltsprache Abstraktion" wird gern als Kunst des Neubeginns bezeichnet, wenn auch ihre Wurzeln unübersehbar in der Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liegen. Trotz alledem begann nach dem Krieg eine neue Ära in der Kunst. So hatte nach dem Krieg niemand mehr die Illusion, mit dem Pinsel die Welt verändern zu wollen. Die Nachkriegskünstler nahmen der bildenen Kunst die traditionelle Abbildfunktion und präsentierten sie ungeschminkt, aller darstellenden Funktionen entkleidet. Doch anders als die Avantgarde nach dem Ersten Weltkrieg wollten die Künstler mit der abstrakten Kunst keine neuen Werte für die Welt, keine Utopien entwerfen. Sie kreisten um sich selbst, suchten nach individuellen Ausdrucksformen. Heraus kam dabei eine verwirrende Vielzahl von Stilen und Richtungen. In Deutschland wurde die abstrakte Kunst unter dem Begriff "Informel" propagiert. Eine verbindliche Richtung, was und wie Kunst zu sein hatte, gab es nicht mehr. Nur die Subjektivität des einzelnen Künstlers wurde nun zum gültigen Maßstab erhoben; alleine ihm wurde überlassen, ob er auf ästhetische Konventionen oder bekannte Kompositionsmuster Rücksicht nahm oder nicht. Die künstlerische Freiheit, die im Regelverzicht lag, machte jedoch dem breiten Publikum den Zugang zur dieser Kunstform äußerst schwer. Nicht wenige empfanden die Arbeiten als dilletantische Farbschmierereien. Vielen Menschen war nicht verständlich, wie diese Malerei, in welcher der Alltag in keinem Pinselstrich vorkam, als Ausdruck modernen Lebensgefühls angesehen werden konnte.

Die Kunstbetrachtung erforderte neue Sicht- und Sehweisen: Das "aus dem Bild herauslesen" war nicht mehr möglich, nur das "Hineinsehen", was aber Fantasie, Besinnung und Selbstbefragung erforderte. Insofern passten die Bilder durchaus in ihre Zeit. Durch die offensichtliche Botschaftslosigkeit der Bilder war der Betrachter gefordert, sich auf sich selbst zu besinnen. Von den Künstlern wurde also ein "Schauen" erwartet. Der Betrachter sollte versuchen, aufzunehmen, was ihm die Bilder anzubieten hatten, ganz im Sinne von Leonardo da Vinci der schon zu seiner Zeit die Sichtweise "fantsievollen Schauens" gepriesen hat.

Die Wurzeln des amerikanischen Abstrakten Expressionismus liegen nicht im Expressionismus, wie man meinen sollte, sondern sind eindeutig im Surrealismus, sowie in den total abstrakten Arbeiten Kandinskys, Malevitchs und Mondrians zu suchen. Die Ankunft in New York von avantgardistischen europäischen Malern, wie Max Ernst, Marcel Duchamp, Marc Chagall und Yves Tanguy, während des Zweiten Weltkrieges, inspirierte die amerikanischen Maler in den Jahren 1940 bis 1950 im Stil des "Abstrakten Expressionismus" zu arbeiten.

Amerikanische Maler wurden auch durch die subjektiven Abstraktionen des armenischen Malers Arshile Gorky, der 1920 in die Vereinigten Staaten eingewandert war, und durch den deutschstämmigen amerikanischen Maler und Lehrer Hans Hofmann inspiriert. Als weitere Inspirationsquelle kann man die Arbeiten Roberto Mattas sehen.

In Europa entstanden zeitgleich und unabhängig verwandte Stilrichtungen unter den Bezeichnungen "Informel" oder "Tachismus".

Insbesondere Paris entwickelte sich unter den Malern Hans Hartung, Georges Mathieu, Nicolas de Stael, Pierre Soulages, Jean-Paul Riopelle, Jean Fautrier und Wols rasch zum Zentrum dieser Kunstrichtung.

Wichtige tachistische Maler waren auch der Franzose Camille Bryen, der Spanier Antoni Tàpies und der Italiener Alberto Burri.

In Deutschland nahmen ab 1952 Maler wie K.O. Götz, Bernard Schultze, Otto Greis, Heinz Kreutz, Carl Buchheister oder K.R.H. Sonderborg die neuen Entwicklungen auf.

Ihnen folgten Fred Thieler, K. F. Dahmen, Emil Schumacher, Gerhard Hoehme und Peter Brüning, die alle zusammen das deutsche "Informel" verkörperten. Diesen Malern gelang es, die deutsche Kunstszene an den internationalen Standard heranzuführen. Sie waren, aufgrund ihrer Konzeption, dazu in der Lage, einen eigenständigen Beitrag zur "Weltsprache der Abstraktion" beizusteuern. Diese Kunst hatte, auch international gesehen, höchstes Niveau.

Die abstrakte expressionistische Bewegung, in New York und an der Ostküste, wird auch als die "New Yorker Schule" bezeichnet. Zu den wichtigsten Hauptvertretern des Abstrakten Expressionismus zählt fraglos
Jackson Pollock mit seinen charakteristischen Drip Paintings.

Wesentlich flächiger angelegt, doch nicht weniger spannungsgeladen, waren die Arbeiten von Franz Kline,
Willem de Kooning und Robert Motherwell. Adolph Gottlieb, Barnett Newman, Mark Rothko und Ad Reinhardt werden ebenfalls zum "Abstrakten Expressionismus" gezählt, wenngleich ihre Bilder verhaltener angelegt sind. So schuf Mark Rothko pulsierende Rechtecke aus durchtränkter Farbe in seinen Arbeiten; viele dieser Bilder sind Beispiele von abstrakter Landschaftsmalerei. Bradley Walker Tomlin, Philip Guston, Robert Burns Motherwell und Adolph Gottlieb kombinierten Elemente von sowohl Aktions- als auch abstrakter Landschaftsmalerei in ihren Arbeiten.

Doch auch die Künstler der amerikanischen Westküste, Sam Francis (lebte lange Zeit in Paris),
Clyfford Still und Mark Tobey, die in eine ähnliche Richtung weisen, sind als weitere Vertreter des "Abstrakten Expressionismus" zu nennen.

Zusammenfassend kann man heute wohl zu folgendem Schluss kommen: Ohne die wichtigen Impulse aus Europa wären die Arbeiten der amerikanische Avantgarde des "Abstrakten Expressionismus" nicht entstanden und die Künstler hätten auch nicht ab 1945 bis weit in die siebziger Jahre hinein das internationale Kunstgeschehen maßgeblich bestimmen können.

Was man auch nicht verschweigen sollte, ist die Tatsache, dass der amerikanische "Abstrakte Expressionismus" wenig Innovatives hervorgebrachte, eine Vielzahl der Arbeiten waren reine Massenproduktion.

Viel wichtiger dagegen sind die Werke der weitaus kreativeren europäischen abstrakten Maler. Leider hat der internationale Kunsthandel bisher eine objektive Bewertung dieser Künstler verhindert. Solange europäische Museeumsleute und Sammler die amerikanischen Abstrakten höher einstufen, nach der Maxime "teurer=besser", als ihre europäischen Kollegen, wird sich daran wohl nichts ändern. Vielleicht gibt es in Zukunft eine jüngere Generation von Kunsthistorikern, die eine objektivere Betrachtungsweise an den Tag legen.


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