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Wolfssonate
Variations sauvages lautet der Titel der
französischen Originalausgabe. Sonate de loup
hieße die französische Übersetzung
des deutschen Titels. In beiden Sprachen ist
Musikalisches und Animalisches miteinander
verbunden, wohingegen variations sauvages deutsche
Vokabeln wie wild, ungezähmt, primitiv,
unzivilisiert, menschenscheu, ungesellig,
schüchtern, Veränderung, Abwandlung,
Schwankung und Wechsel zur Wahl stellen.
Es kann also ausgewählt werden, welche
Interpretation dem französischen Titel
zuzuordnen ist. Hinterdenken ist damit
möglich, auch das Hinterdenken, warum ein
Mensch, der sich von klein an in der Gesellschaft
anderer nicht unbedingt wohl gefühlt hat und
sich letztendlich für die Einsamkeit
entschieden hat, derart mitteilsam "den anderen"
aus teilweise intimsten Phasen und Bereichen seines
Lebens berichtet und dies zu einem Zeitpunkt, an
welchem aller Wahrscheinlichkeit nach noch die
Hälfte des Lebens oder gar mehr vor diesem
Menschen liegt.
Reichen die musikalischen Triumphe, welche die
außergewöhnliche Pianistin gefeiert hat
und feiert, sowie die Preise und Auszeichnungen,
die ihr verliehen wurden, von ihrem
Verständnis her nicht aus, um ihrer
Persönlichkeit hinreichend würdigend
gerecht zu werden?
Hélène Grimauds Persönlichkeit,
bereits in ganz jungen Jahren nicht in das
übliche Gesellschaftsmuster von Klein- und
Schulkindern passend, wird in der einen Variation
in dieser Autobiografie Tribut gezollt,
während sich die zweite Variation mit
Wölfen beschäftigt. Beide Variationen,
die sich ähnlich der Molekularstruktur der die
Erbinformationen tragenden DNA umeinander winden,
bieten viel Aufschlussreiches.
Hélène Grimauds musikalischer
Ausbildung in Aix en Provence, Marseille und Paris,
wo sie als 13jährige ihr Musikstudium am
dortigen Konservatorium aufnahm, wird mehr als die
Hälfte des biografischen Teils gewidmet. Der
verbleibende Rest erzählt vom Auflehnen der
offensichtlich von synästhetischen
Fähigkeiten geprägten jungen Frau
gegenüber Lehrern und Unterrichtsmethoden, von
Teilnahmen an Wettbewerben, sowie von
gesundheitlich und mental bedingten Schaffenspausen
bis hin zu ihrer ersten Amerika-Tournee, dem
Zusammentreffen mit der ersten Wölfin und dem
Aufbau des Wolfsgeheges in South Salem in der
Nähe New Yorks.
Vorkommen, Verhalten und die Entwicklungsgeschichte
der Wölfe, Mystisches, Mythisches und
Philosophisches aus verschiedenen Epochen und
Kulturen sind in der anderen Variation
kenntnisreich zusammen getragen und bringen dem
Leser teilweise Erstaunliches nahe.
Es bleibt angesichts von Sätzen wie "Ich
wusste, was ich wollte: Einsamkeit." das Erstaunen
über die Publikation dieses wahrhaft
ungewöhnlichen bisherigen Lebensverlaufs.
Analog zu Hélène Grimauds
Schlussfolgerung zur Rolle der Kritiker "Das
Publikum braucht niemanden, der ihm befiehlt, was
es zu lieben oder nicht zu lieben hat, es ist
erwachsen leidenschaftlich und anspruchsvoll." ist
individuelles Auseinandersetzen mit den Eigenheiten
dieses Buches empfohlen.
Das Buch ist im Blanvalet Verlag erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
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Wolfssonate
Hélène Grimaud
Originaltitel: Variations Sauvages
Aus dem Französischen von Michael von
Killisch-Horn
Deutsche Erstausgabe 2005, 256 Seiten,
gebundene Ausgabe, Blanvalet Verlag

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