Wirtschaftswunder-
Musterländle

Milchpilz, Nierentisch, Motorroller, Bader kommt und Burda-Moden sind nur einige Erkennungsmerkmale der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Baden-Württembergs nach dem Zweiten Weltkrieg. Am 25. April 1952 nach gehörigen Geburtswehen aus der Tauf gehoben, begann in den Folgejahren im ehedem vornehmlich auf die Landwirtschaft ausgerichteten Südweststaat die erstaunliche und bemerkenswerte Wandlung zum deutschen Wirtschaftswunderland. In Statistiken können die Fakten ebenso nachgelesen werden wie in einschlägigen Fachbüchern.

Wem das Studium derlei Publikationen nicht liegt, wer aber dennoch Informatives über diese Aufbauzeit erfahren möchte, oder wer sich nur einfach erinnern will, der hat die Möglichkeit, sich am auf 144 Seiten abwechslungsreich gestalteten Angebot einer Vielzahl von Bildern zu ergötzen oder kurzweilige, kenntnisreich formulierte Themenkapitel aufzunehmen.

12 Kapitel beschäftigen sich mit dem Phänomen Wirtschaftswunder-Musterländle, lässt das Inhaltsverzeichnis wissen. Die 12 Kapitel sind fein säuberlich farblich unterschiedlich markiert, so dass sich das jeweilige Kapitel problemlos im Buch auf den entsprechend farblich gekennzeichneten Seiten wieder finden lässt. Die "Einstiegsfarbe" des ersten Kapitels "Baden-Württemberg … nach dem Krieg" ist grau, allerdings nicht trüb-düster, sondern leicht aufgehellt, weil's ja trotz furchtbar zerbombter Städte und Regionen nach der Währungsreform von 1948 allmählich aufwärts ging. Von Hamsterfahrten und Care-Paketen berichtet der Text ebenso wie von der anfangs katastrophale Wohnungsnot.

Das letzte Kapitel "Baden-Württemberg … macht Politik" ist mit einem hellen Olivgrün versehen und informiert unter anderem über die Entstehungsgeschichte des Landes, über die 1968er Studentenrevolte, die Anti-Atomkraftbewegung und die Karriere der Grünen im Ländle.

Dazwischen findet sich aus jedem Lebensbereich für jeden etwas. Wohnungsbau und Wohnungsstil, Motorisierung, Arbeitswelt, Konsumverhalten, Werbung, Mode, kulturelles Leben inklusive "Rock around the clock", Freizeitverhalten und Ferienvergnügen. Und alles mit fabelhaften Bildern versehen, die das vorherrschende Zeitgefühl bestens verdeutlichen, ob Privatfeste mit neckisch übereinander geschlagenen Beinen, ob
Schlagerfestspiele in Baden-Baden oder die ersten Staus auf den Straßen des Landes.

Dieser ausgesprochen gelungene Streifzug durch einen bedeutsamen Zeitabschnitt in der Landesgeschichte kann bedenkenlos allen empfohlen werden, die entweder über diese Epoche etwas wissen möchten oder die sich lediglich erinnern wollen.

Das Buch ist im
Theiss Verlag erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden

Wirtschaftswunder-Musterländle

Wirtschaftswunder-Musterländle
Baden-Württemberg in den 50er, 60er und 70er Jahren
Von Thomas Vogel
144 Seiten mit mehr als 120 meist farbigen Abbildungen, Festeinband mit Schutzumschlag, Theiss Verlag

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