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Der Preis der SWR-Bestenliste
2004 ging an Kathrin Röggla
für ihr Buch "wir schlafen nicht"
"wir schlafen nicht"
beim Eintauchen in die Welt einer
fiktiven Messe, die der New Economy huldigt, und
Lebensfacetten sechs mit dieser Messe befasster
Personen zum Erleben und Bedenken anbietet.
Anfangs mag sich der eine oder andere etwas schwer
tun mit dem durchgängig klein gedruckten Text
und dem eigenwilligen Schreibstil Kathrin
Rögglas. Anlass zum Abbruch der Lektüre
oder gar zum Einschlafen ist jedoch keineswegs
gegeben. Ein "sektchen", wie von der eingebundenen
"online-redakteurin" zum Wachhalten empfohlen, mag
dem Dargebotenen zusätzliches Prickeln
vermitteln.
Gespräche, die "keine journalistin" mit den
sechs Mitwirkenden führt, bilden die Grundlage
dieses 32teiligen Dokumentationsromans. Eine
24jährige Praktikantin, die key account
managerin, eine von der tv-redakteurin zur
online-redakteurin gewandelte 42jährige, ein
senior associate, ein partner und ein
Vielbeschäftgter, der kein it-supporter ist
und sein will, kommen sowohl in direkter als auch
indirekter Rede zu Wort und lassen teilhaben an der
hektischen Betriebsamkeit einer von eigenwilligen
Markt-, Betriebswirtschafts- und Trendbedingungen
beeinflussten Inhaltsleere, die allerdings einigen
in der Branche ein "schweinegeld" einbringt, wie
der unentbehrliche it-supporter, dem
Programmierkenntnisse unterstellt werden, weswegen
er immer wieder ran muss, zu berichten
weiß.
Spätestens jetzt wäre das erste
"sektchen" angesagt zum Prosten auf die Schöne
Neue Welt, in welcher alles organisch
Strukturierte, selbst der Schlaf, dem Anorganischen
untergeordnet wird. Oder aber, weil sich der
einzelne Leser bereits mit dem einen oder anderen
Sachverhalt oder Gesprochenen hat identifizieren
können. Es wird
weiter Gelegenheit dazu geboten,
wenn berufliches Engagement, persönliches
Befinden und Erfolgsstreben bereitwillig der
Nichtjournalistin anvertraut werden, um in den
letzten Wiedergabeteilen in "schock", "koma",
"exit-szenarium" und "wiederbelebung" zu enden,
wonach dieses die verschiedensten Emotionen frei
setzende Buch sofort nochmals von Beginn an geistig
aufgenommen werden könnte, frei nach dem Motto
"Hurra, wir leben noch!"
Ein Bravo der Autorin, Gratulation zur Auszeichnung
und der Appell, wach(sam) zu bleiben.
Das Buch ist im S. Fischer Verlag erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
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Kathrin Röggla
1971 in Salzburg geboren und dort
aufgewachsen. 1989 Beginn des Studiums der
Germanistik und Publizistik in Salzburg.
In freien Gruppen Theaterarbeiten und
eigene Performances. Mitarbeit an einer
Salzburger Literaturzeitschrift
(erostepost). 1992 Umzug nach Berlin. Ein
Jahr Steglitz, ab 1993 Kreuzberg, ab 1996
Neukölln. Konzentration auf
Schreibprozesse, zunächst
hauptsächlich Prosa. Seit 1998
Radioarbeiten (Hörspiele, akustische
Installationen, Netzradio) Mitarbeit bei
convextv (bis 2001). Seit 2002
Theaterarbeiten. Lebt im Moment in Berlin
und Zürich.

Wir schlafen nicht
von Kathrin Röggla
Gebundene Ausgabe, 219 Seiten
S. Fischer Verlag

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