Wiesbaden und seine Hotels in der Belle Epoque
Kaiserzeit

Die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden, die seit 1866 Hauptstadt des preußischen Regierungsbezirks Wiesbaden gewesen ist, hat sich Mitte des 19. Jahrhunderts zur Welthauptstadt der Spitzenhotellerie entwickelt und das Renommee des herausragenden europäischen Kurbades erworben. Baden-Baden, Karlsbad, Aix Les Bains, Nizza und Monte Carlo wurden auf die Plätze verwiesen.

Diese Spitzenzeit würdigen Detlef Schaller und Hans Dieter Schreeb in einem liebevoll gestalteten Buch, dessen Qualität über die eines attraktiven Bildbandes weit hinausreicht. Detlef Schaller hat Hunderte historischer Ansichtskarten verschiedenster Hotels und anderer Objekte beigesteuert, während Hans Dieter Schreeb in kurzweiligem Schreibstil souverän Geschichtliches und Geschichten anbietet.

Die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Taunusstadt gehört ebenso dazu wie die Geschichte der bebilderten Postkarten sowie ein in Worte gefasster Streifzug durch das Kurviertel, die Altstadt und die Flaniermeile Wilhelmstraße mit all ihren beeindruckenden Hotelbauten.

Beim Betrachten der Bilder kann derjenige der Wiesbaden nicht bereits selbst erlebt hat, bestens erkennen, dass Deutschlands oberstem Denkmalschützer, Professor Gottfried Kiesow, in seiner Einschätzung, keine andere Stadt in Deutschland repräsentiere so ausgeprägt und vielseitig den Historismus, zuzustimmen ist. Klassizistisch klare Konturen dokumentierten den in jener Epoche vorherrschenden Repräsentationswillen ebenso wie geschwungene schmiedeeiserne Gitter, reich verzierte Hausfassaden oder kunstvolle Glasornamente. Die sehr ansehnliche Vielfalt der Baustile bringt der Stadt wohl nicht zu Unrecht das Attribut "bedeutendstes Stadtdenkmal des Historismus" ein.

Manches lässt sich mit Baden-Baden vergleichen, beispielsweise die seit der Römerzeit bekannte Nutzung der heißen Quellen oder die von Badherbergen zu Nobelhotels gewordenen gastlichen Häuser. Manches trennt die beiden im 19. Jahrhundert so geschätzten Kurbäder, macht die Lektüre deutlich.

Während in Wiesbaden das Kurviertel und die großen Hotels vornehmlich um die Hauptquelle, den Kochbrunnen, herum errichtet worden sind, was durch einen Übersichtsplan verdeutlicht ist, verlagerte Baden-Baden sein Gesellschafts- und Kurgeschehen, auch durch topografische Gründe beeinflusst, nach jenseits der Oos, weitab von den Thermalquellen. Und: Wiesbaden hatte eine weitaus höhere Anzahl an Grandhotels und weiteren Fremdenherbergen jedwelcher Art als Baden-Baden.

Viele davon werden im Einzelnen vorgestellt wie das Hotel "Schwarzer Bock", das sich noch an derselben Stelle befindet wie das im Jahr 1486 entstandene Badhaus "Zum schwarzen Bock". Etliche Hotels werden nicht mehr als solche genutzt, sondern dienen anderen Zwecken wie das Grandhotel "Rose", das die hessische Staatskanzlei beherbergt, oder das "Palast-Hotel", in welchem Sozialwohnungen eingerichtet worden sind. Auch den weniger luxuriösen Herbergen wird kenntnisreiche Aufmerksamkeit zuteil. Alle zusammen sind am Buchende in mehrheitlich bebilderter alphabetischer Reihenfolge nochmals zu finden.

Es gibt vieles zu erfahren von gekrönten und ungekrönten Häuptern, von schreibenden Gästen wie Goethe, Dostojewskij, Turgenjew, von Tonkünstlern wie Brahms, Schumann, Liszt, Wagner und auch über "Randgeschehen" wie beispielsweise die Geschichte des Personenaufzugs oder die Bedeutung von Hotelklingeln oder der Table d'hôte, wodurch das Buch nicht nur für Wiesbadener, Wiesbaden-Liebhaber oder Anhänger der Kaiserzeit zu einer wahren Wissensquelle werden kann.

Das Buch ist in der Verlagsgruppe
Chmielorz erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden


Wiesbaden und seine Hotels in der Belle Epoque

Kaiserzeit
Wiesbaden und seine Hotels in der Belle Epoque
Detlef Schaller, Hans Dieter Schreeb
232 Seiten, 465 meist farbige Abbildungen, davon zahlreiche Postkarten, Festeinband mit Schutzumschlag, Verlagsgruppe Chmielorz

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