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Die Tote vom Turm
Am Fuße des Zähringer
Turms, mitten im Freiburger Stadtwald als
zinnengekrönter Rundturm, in der Neuzeit mit
Aussichtsplattform versehen, einziges
Überbleibsel der stolzen Zähringer Burg
des Mittelalters, wird eine Tote gefunden, die
offenbar weniger die Aussicht an einem trüben
Januarsonntag bewundern wollte als den Freitod
suchte. Zu diesem Ergebnis kommt die Polizei nach
dem ersten Augenschein.
Ingrid Kilian ist die Tote, Noch-Ehefrau und
Gegenpart im laufenden Scheidungsverfahren des
Leiters des Freiburger Universitätsinstituts
für Molekulargenetik, der montags, begleitet
von seinem Freund, Hauptkommissar Jörg
Geßler, ihre Identifizierung
bestätigt.
Damit beginnen die Fragen, sowohl für den in
kein übliches Lebensmuster passenden Professor
Alexander Kilian als auch für die mit dem Fall
betrauten Kriminalisten Martina Jahnke und Hans
Burger. Letztere wollen eindeutig
ausschließen, dass der Tod Ingrid Kilians auf
Fremdverschulden zurückzuführen ist.
Ersteren plagt das Fragefürwort: Warum?
Die Suche nach Antwortansätzen führt ihn
unter anderem an den Ort des Geschehens und zur
Wohnung seiner Frau in Karlsruhe, was ihm die
verstärkte Aufmerksamkeit des Ermittlerduos
beschert und letztendlich in seiner
vorläufigen Festnahme als Tatverdächtiger
endet, gestützt auf allerlei Indizien und
Ungereimtheiten. Hierfür muss sich der
außerhalb durchschnittsbürgerlicher
Vorstellungen agierende und reagierende
Spitzenwissenschaftler im Wesentlichen selbst zur
Verantwortung ziehen. Kooperieren auf banaler Ebene
ist ebenso wenig sein Ding wie das Mitführen
notwendiger Fahrzeugpapiere oder die Einhaltung
vorgegebener Bewegungsbeschränkungen, die ihm
der Haftrichter auferlegt hat.
Die mitreißende Schilderung des
Aufeinanderprallens zweier Welten, hie die
erfahrenen Kriminalisten, da der sich zuweilen
selbst überschätzende Eigenbrötler,
reizt zu etlichen kräftigen Lachanfällen.
Beispielsweise wenn sich der empörte Professor
während der Durchsuchung seiner Wohnung
erklären lässt, wozu ein Teil seiner
Garderobe konfisziert wird, um danach zu fordern:
"Können Sie das noch mal so sagen, daß
ich es auch verstehe?"
Hinreißend auch die Wiedergabe seines Besuchs
in Baden-Badens
Spielbank, wo seine Frau, einstmals
wohlhabende Besitzerin einer renommierten
Karlsruher Apotheke, häufig ihrer Spielsucht
frönte, die sie letztendlich in den Ruin
trieb. Spannend mitzuverfolgen, wie sich Jörg
Geßler, aus einem Ski-Kurzurlaub
zurückgekehrt, mit einigen Puzzelstücken
an den Ermittlungsfragmenten beteiligt und
gemeinsam mit seinen Kollegen übelste
Machenschaften zu Tage fördert, die seinem
Freund Alexander Kilian allerdings nicht anzulasten
sind.
Insofern scheint sich des Professors Welt mit
Forschungsarbeit und gelegentlichem Privatleben mit
Lebensgefährtin samt kleiner Tochter wieder
einzurenken. Ob dem so ist, davon möge sich
jeder Interessierte selbst Kenntnis
verschaffen.
Das Buch ist im Schillinger Verlag erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
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