Synagogen in Baden-Württemberg

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 fielen in ganz Deutschland jüdische Geschäftshäuser, Privathäuser und Synagogen einer von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und der Sturmabteilung (SA) durchorganisierten Zerstörungsaktion zum Opfer. Auch in Baden-Baden brannte
die Synagoge.

In einem Vorwort zu dem zweibändigen Werk schreibt Meier Schwarz vom Synagogue Memorial in Jerusalem, dass der Gedanke, ein Gedenkbuch für die jüdischen Gemeinden in Deutschland zu schaffen, bereits im Jahr 1938 aufgekommen sei. Allerdings nicht nach der so genannten Reichskristallnacht des 9. November, sondern zwei Monate zuvor. Infolge der Terrorakte des nationalsozialistischen Regimes hatten bereits Zehntausende deutscher Juden das Land verlassen, weswegen jüdisch-deutsche Organisationen dazu aufriefen, in einem Buch der Erinnerung die Geschichte der Juden in Deutschland und ihre Entwicklung für kommende Generationen zum Gedenken festzuhalten.

Verwirklicht worden ist der Gedanke wegen der verheerenden Willkür- und Zerstörungsakte, die folgten, nicht mehr.

Der Pfarrer Joachim Hahn und der Kunstgeschichtsprofessor Jürgen Krüger haben sich der anspruchsvollen Aufgabe gestellt, ein Gedenkbuch zu erarbeiten, das an die Synagogen in Baden-Württemberg erinnert.

Da das Erinnern als wichtiger Bestandteil zum jüdischen Leben gehört, ist ein solches Buch für alle Juden von besonderer Bedeutung. Sich dieser Bedeutung bewusst seiend, haben die beiden Autoren Vieles zusammengetragen und ausgearbeitet, was für das Erinnern von Bedeutung ist.

Jürgen Krüger lässt im Teilband 1 die jüdische Geschichte lebendig werden und berichtet über die jüdische Architektur. Er vermittelt Beeindruckendes über die Gründe, die Juden ihr Land verlassen ließen, und warum der Betsaal, die Synagoge, als Zentrum jüdischen Lebens für jede jüdische Gemeinde eine Zierde war und ist.

Der Beschäftigung mit den Anfängen jüdischer Siedlungen im Südwesten Deutschlands folgt deren Entwicklung im Mittelalter, wobei bemerkenswert herausgearbeitet wird, dass in dieser Region die Juden vornehmlich auf dem Land lebten, da das Leben in der Stadt für Juden verboten gewesen war. Über die Architektur der Synagogen zur Barockzeit, im 18. Jahrhundert, zu Zeiten des Deutschen Reiches und der Weimarer Republik bis hin zum Wiederaufbau mancher Bethäuser nach dem Zweiten Weltkrieg wird sachkundig unter Berücksichtigung der geschichtlichen Entwicklung des Judentums im heutigen Baden-Württemberg informiert. Zahlreiche Karten, Fotografien, Grundrisspläne und Abbildungen von Dokumenten belegen die Ausführungen, die mit einem umfangreichen Literaturverzeichnis und Register beschlossen werden.

Jochen Hahn stellt im zweiten Teilband auf mehr als 500 Seiten Orte und Einrichtungen vor, in alphabetischer Reihenfolge von Aach im Landkreis Konstanz bis Zwingenberg im Neckar-Odenwald-Kreis geordnet. Von Aach ist zu erfahren, dass dort vom 16. bis Anfang des 17. Jahrhunderts eine jüdische Gemeinde bestanden hat. 1604 sind die meisten Juden ausgewiesen worden. 1608 ist der letzte Jude aus Aach weggezogen.

Bei anderen Orten sind weit ausführlichere Angaben zu finden, da dort wesentlich länger jüdische Gemeinden bestanden und nach dem Zweiten Weltkrieg zum Teil wieder neue jüdische Gemeinden entstanden, wie beispielsweise in Baden-Baden. Fast drei Seiten und vier Fotografien bieten Wissenswertes über die jüdische Gemeinde in Baden-Baden und deren Synagoge. Ähnlich ausführlich werden zahlreiche weitere Orte behandelt, ob Ettenheim im Landkreis Offenburg, Ettlingen im Landkreis Karlsruhe, Heidelberg, die ehemalige kurpfälzische Reichsstadt, die 1803 der Markgrafschaft Baden zugewiesen wurde, und viele mehr. Beschlossen wird dieser Band mit einem ebenfalls sehr umfangreichen Quellen- und Literaturverzeichnis.

Da diese beiden sehr sorgfältig gestalteten Bücher an der Geschichte Baden-Württembergs Interessierten bereits eine Fülle an Erkennntissen bescheren, leisten sie der Erinnerungspflege der jüdischen Gemeinden sicherlich wertvolle Hilfe.

Die Bücher sind im
Theiss Verlag erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden

Synagogen in Baden-Württemberg

Synagogen in Baden-Württemberg
Band 1: Geschichte und Architektur
Band 2: Orte und Erinnerungen
Joachim Hahn und Jürgen Krüger
Herausgegeben von der Badische Landesbibliothek und dem Synagogue Memorial
2 Bände im Schuber, zusammen 982 Seiten mit 707 teils farbigen Abbildungen, Festeinband mit Schutzumschlag, Theiss Verlag

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