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Schwarzes Fieber
Oha, Vorsicht, mahnt eine innere Stimme beim Lesen
des ersten Satzes: "Nichts wäre besser, wenn
ich den Anfang noch wüsste." Skepsis keimt
auf bei Wörtern wie "eine Illusion von
Ordnung" oder "in mein Leben geschlichen". Was
wird das werden? Was passiert mit Alexander
Gerlach, dem verwitweten Chef der Heidelberger
Kriminalpolizei?
Zunächst nichts Ungewöhnliches.
Heidelberg schwitzt und dampft in der Sommerhitze.
Sommerferien sind angesagt und Alexander Gerlach
gönnt sich 14 Tage Erholungsurlaub von Mord,
Totschlag und anderen Kapitalverbrechen. Seine
Zwillingstöchter Sarah und Louise
unterstützen ihn eifrig beim Abschalten vom
Berufsalltag, indem sie ihn an ihrer gerade
entfachten Pferdebegeisterung teilhaben lassen, in
gewohnter Manier mit spritzigen Dialogen vors
geistige Auge projiziert.
Doch kurz vor Gerlachs Auszeitende holt ihn die
Berufsrealität wieder ein. Eine unbekannte
Frau wird schwer verletzt neben einer Straße
zum beliebten Heidelberger Ausflugsziel
Königsstuhl gefunden und Kriminalrat Gerlach
ahnt, dass es ihm vorbehalten bleiben wird, sich
der Lösung des Falles anzunehmen, da die
Medien melden, dass die Identität der Frau
ebenso unbekannt bleibt wie Täter und Motiv.
Ohne seine Stellvertreterin Klara Vangelis und
Sönnchen, Sonja Walldorf, die beste aller
Sekretärinnen, die beide im Urlaub sind,
versuchen Gerlach und sein Rumpfteam, Licht ins
Dunkel zu bringen, als ein ebenfalls unbekannter
Toter die hitzegeschädigten Ermittler
zusätzlich fordert. Stückchen für
Stückchen puzzeln sich die Kriminalisten durch
die mühsam beschafften Informationen,
engagiert unterstützt durch einen deutschen
Diplomaten in Angola, dem Herkunftsland des
dunkelhäutigen Mordopfers und der weißen
Unbekannten, wie sich allmählich
herausstellt.
Unglaublich Anmutendes ist das Ergebnis dieser
Puzzlearbeit. Letztendlich findet sich Alexander
Gerlach sogar auf Sardinien wieder, kann allerdings
nicht verhindern, dass das Fantasiegespinst um
verseuchte Blutkonserven aus den 1980er Jahren drei
weitere Todesopfer impliziert. Gerlachs seelische
Balance ist dahin. Sein Kopf giert nach einer
"Illusion von Ordnung".
Trotz der gekonnten und geschätzten
Sprachfertigkeit des Autors mag sich bei manchen
Ratlosigkeit einstellen und die Frage, warum
Gerlach und seine Spezialisten mit derartigen
Ausnahmesituationen konfrontiert werden mussten,
während es Sönnchen nach deren
Rückkehr vorbehalten bleibt, so ganz nebenbei
eine mysteriöse Einbruchsserie im Odenwald
aufzuklären. Zu hoffen bleibt, dass Alexander
Gerlach sein Angola-Sardinien-Trauma bald
überwindet und künftig keinen Fall mehr
derart nah an sich herankommen lässt. Es
wäre nämlich schade, wenn der
liebenswerte Kriminalrat krankheitsbedingt seinen
Dienst quittieren müsste.
Das Buch ist im Piper Verlag erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
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