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Das Opferlamm
"Ganz zum Schluss, als es vorbei war" beginnt Carlo
Schäfer seinen dritten Kriminalroman und weckt
nicht nur Lust auf eine Widerbegegnung mit dem
ungewöhnlichen Ermittlerquartett Johannes
Theuer, Thomas Haffner, Simon Leidig und Werner
Stern, sondern auch Interesse zu erfahren, warum
der eigenbrötlerische erste
Kriminalhauptkommissar Johannes Theuer im Prolog so
verzweifelt beschrieben wird.
Diejenigen, die bereits Bekanntschaft mit der
erdachten Heidelberger Kriminalpolizei und
Staatsanwaltschaft gemacht haben, mögen
vermuten, die arrogante Engstirnigkeit, die in den
Chefetagen waltet, habe Theuer so weit gebracht.
Andrerseits haben weder er noch sein Team sich
bislang durch derlei in die Verzweiflung treiben
lassen, sondern eher mit recht
dienst-undisziplinierten Mitteln dagegen gehalten.
Demnach muss es mindestens einen weiteren Grund
für Theuers psychische Ausnahmesituation
geben.
Fast möchte man meinen, der Liedtitel "Das
Böse ist immer und überall." der
österreichischen Musikgruppe Erste Allgemeine
Verunsicherung animiere besonders in Heidelberg zu
Untaten. Gerade einmal ein halbes Jahr ist es her,
dass die Theuer-Truppe ein besonders infames
Kapitalverbrechen aufgedeckt hat, da wird
Heidelberg erneut heimgesucht, einmal von
Brandstiftungen und zum anderen durch den Mord an
einer jungen Frau, die am 2. Januar zu
Füßen der Heidelberger Schlossmauer
gefunden wird - geschändet. Insofern muss
selbst Polizeidirektor Dr. Ralf Seltmann auf Anhieb
erkennen, dass weder Unfall noch Selbstmord als
Todesursache in Frage kommen können. Aber,
nachdem kurze Zeit darauf der Pfarrer der
Heilig-Geist-Kirche ebenfalls zu Tode kommt und bei
ihm ein Brief des ersten Opfers gefunden wird, ist
für ihn die Lösung sonnenklar. In einer
reichlich verpatzten Pressekonferenz
präsentiert er sie der Öffentlichkeit und
wird darauf hin in den einstweiligen Ruhestand
versetzt. Wie bemerkt Bahar Yildirim,
Staatsanwältin und seit einigen Wochen
Lebensgefährtin des rund 20 Jahre älteren
ersten Hauptkommissars so treffend dazu?: "Dass er
letztes Jahr eine Ermittlung massiv behindert hat,
verzeihen sie ihm,… aber nach einer beschissenen
Pressekonferenz ist er fällig. Irgendwie
scheint mir das typisch."
Typisch für Theuer und "seine Jungs"
könnte es weitergehen, wenn nicht die
Interimschefin Sigrid Schildknecht einen Keil ins
Team zu treiben versuchte, was ihr
vorübergehend gelingt, Theuer in den Urlaub
treibt und auf eigene Faust Ermittlungen anstellen
lässt. Diese fördern etliches an
"Bösem, das immer und überall ist",
zutage und führen letztendlich wieder zum
gemeinsamen Denken und Agieren des Quartetts, was -
wie gehabt - in kernig-deftiger Sprache vermittelt
wird. Dessen Ausgang ist indes für die Vier
nicht so geglückt wie in den vorangegangenen
kühnen Einsätzen.
Geglückt ist hingegen eine weitere spannende
Geschichte über "die Welt, so wie sie ist", in
welcher erneut jede Menge Heidelberger Lokalkolorit
verarbeitet ist, und deren Qualität sicherlich
weder Leser aus Heidelberg noch von außerhalb
zum Verzweifeln bringt.
Das Buch ist im Rowohlt Verlag erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
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Das Opferlamm
Von Carlo Schäfer
320 Seiten, rororo-Taschenbuch, Rowohlt Verlag

Weitere Krimis von Carlo Schäfer:
Im
falschen Licht
Der
Keltenkreis
Silberrücken
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