Hubert Burda -
Der Medienfürst

Wer sich nicht bereits durch den Titel provoziert fühlt, in bester Burda-Blätter-Leser-Manier seine Neugier befriedigen zu wollen, dessen Interesse, den Worten Gisela Freisingers zu folgen, wäre durch eine Leseprobe, beispielsweise aus dem Prolog, durchaus zu wecken.

Denn die Autorin versteht es bestens, Zusammenhänge und Stimmungen wiederzugeben, dabei jedoch Freiraum für individuelle Ein- und Wertschätzung von Charakteren und Ereignissen zu lassen.

Einig sein dürften sich alle Leser dieser Biografie darüber, dass sie in den Genuss profunder Kenntnisse um den "Burda-Clan" und über die gesamte Medien-Branche kommen. Damit gelingt es nicht nur, eine chronologische Abfolge des Werdegangs Hubert Burdas anzubieten, sondern eine Fülle an Ereignissen in eine Rückschau oder eine Vorschau einzubetten, was dem Werk eine besondere Qualität verleiht; Ahnentafel, Chronik, Bibliografie und Stichwortregister inbegriffen.

Wem noch nicht bekannt sein sollte, wie Spannungsgeladen das Verhältnis des der zweiten Generation angehörenden jüngsten Sprosses der ungewöhnlichen Offenburger Verlegerfamilie gegenüber seinem Vater und seinen Brüdern gewesen ist, dem wird diese Jahrzehnte währende Situation ebenso vermittelt wie diejenigen, die vom "Bruderkrieg" wussten, tiefere Einblicke in die teilweise die Fantasie von Durchschnittsmenschen übersteigenden Machenschaften erhalten.

Wegbegleiter aus allen Lebensbereichen und -situationen, ob Jugendfreunde, Mitarbeiter oder Begleiter späterer Jahre, kommen in Zitatform zu Wort. Wodurch die Komplexität des Ringens Hubert Burdas um Anerkennung, sowie geschäftlichen und damit auch persönlichen Erfolg abwechslungsreich verdeutlicht wird. Die vielfach zum ungläubigen Kopfschütteln reizenden Schilderungen sind garniert mit etlichen zum Schmunzeln anregenden Formulierungen, wenn etwa von einer Zeit die Rede ist, als "die Vokabel ‚Prominenz' [noch] in den Tiefen des Wörterbuches schlummerte" und kein Mensch "je von People-Journalismus gehört" hatte.

Mittlerweile hat die Pflege des "People-Jounalismus" Hubert Burda, dem Vielschichtigen, Facettenreichen, Umtriebigen, eine herausragende Position in der deutschen und internationalen Medienwelt beschert. Durchaus vorstellbar ist, dass er diese fabelhafte Biografie, die als eine Art Vivisektion eines Unternehmers empfunden werden kann, mit seinem ihm eigenen Lächeln bedenkt.

Das Buch ist im
Campus Verlag erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden

Hubert Burda - Der Medienfürst

Hubert Burda - Der Medienfürst
von Gisela Freisinger
435 Seiten, Festeinband, Campus Verlag


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