Von Wohltäterinnen und Mäzenen
Zur Geschichte des Stiftungswesens

Markgräfin Irmengard von Baden hat im 13. Jahrhundert durch das Einbringen beträchtlicher Vermögenswerte das Cistercienserinnenkloster Lichtenthal begründet. Ihr Nachfahre Markgraf Jakob I. stiftete im 15. Jahrhundert das Kloster Fremersberg. Im 19. Jahrhundert vermachte Georg Stulz der Stadt Baden-Baden eine große Summe, die wohltätigen Zwecken zugute kommen sollte. Gegen Ende des zweiten Jahrtausends hat Frieder Burda eine nach ihm benannte Stiftung eingerichtet, um ein Museum für seine Kunstsammlung in der Kurstadt zu bauen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Diese Menschen stehen beispielhaft für eine besondere Spezies Mensch, die Wohltätigkeit, Kunstförderung und Wissenschaftsunterstützung seit Jahrtausenden aus unterschiedlichsten persönlichen Beweggründen betreiben.

Susanne Dieterich verfolgt die Spur dieser "Hefe im Teig unserer manchmal recht trägen Gesellschaft" und fördert viel Bemerkenswertes zutage.

So berichtet sie nicht nur über Tempelstiftungen, Totenkult und Memoria der Antike. Sie klärt auch auf, wem der Ursprung des Begriffs Mäzen zugerechnet wird, nämlich dem römischen Edelmann Gaius Cilnius Maecenas, der als Freund der Künstler unter anderem die Dichter Horaz und Vergil mit Zuwendungen bedachte.

Die geschichtliche Aufarbeitung führt über das Mittelalter mit der dort durch Stiftungen gepflegten Jenseitsvorsorge, die anhand etlicher Beispiele belegt wird, ins 19. Jahrhundert, welches nicht nur dem deutschen Großbürgertum die Möglichkeit eröffnete, sich mittels Stiftungen gegenüber dem Adel zu emanzipieren, sondern auch zwar nicht gleichberechtigten, aber wohltätigen Frauen eine gewisse Einflussnahme auf soziales Geschehen einräumte.

Der "Stiftungsbruch" während der Zeit der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft wird gleichermaßen thematisiert wie die "stiftungslose Zeit" der gewesenen DDR. In der Gegenwart kann mit mehr als 120000 Stiftungen in Deutschland geradezu von einem "Stiftungsboom" gesprochen werden, ist darüber hinaus zu erfahren.

Die sehr kenntnisreich, in flüssigem Stil formulierten Ausführungen bieten einen kurzweiligen Einblick in das Stifterwesen, sowie dessen Licht- und Schattenseiten. Denjenigen, die besser einschätzen lernen wollen, warum sich manche Stifter im medialen Rampenlicht feiern lassen, wohingegen sich andere in aller Stille und Diskretion ihrem persönlichen Engagement widmen, wird das Buch sicher nicht nur wegen der am Ende zu findenden Fach-Adressen nützlich sein.

Das Buch ist im
DRW-Verlag erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden

Von Wohltäterinnen und Mäzenen

Von Wohltäterinnen und Mäzenen
Zur Geschichte des Stiftungswesens
Von Susanne Dieterich
216 Seiten, 26 Schwarzweißabbildungen, Fadenheftung, Festeinband, DRW-Verlag

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