Lebenserinnerungen eines badischen Bahnbeamten 1849-1944

Karl Friedrich Linnebach

In seiner Reihe südwestdeutsche Persönlichkeiten stellt das Haus der Geschichte Baden-Württemberg einen recht außergewöhnlichen Mann vor, genauer: er tut es selbst.

Karl Friedrich Linnebach, seit 1865 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1920 in staatlicher Beamtenstellung, zuerst in Lehr- und Probezeit als Postgehilfe der Post- und Eisenbahnexpedition Neckargemünd, nach Lehrabschluss ab Oktober 1866 Gehilfe der Post- und Eisenbahnstelle Appenweier, ist in mehrerer Hinsicht außergewöhnlich.

Zum einen wurde er bei bester körperlicher und geistiger Gesundheit 95 Jahre alt. Zum anderen begann er im Alter von 81 Jahren, seine Lebenserinnerungen zu Papier zu bringen - insgesamt 1365 handgeschriebene Seiten mit Fotografien, Ansichtskarten und Zeitungsausschnitten ergänzt. Darüber hinaus begann er nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1927 mit seinen Wanderjahren, die ihn vor allem Deutschland bereisen und erwandern ließen, worüber er ebenfalls in seinen Lebenserinnerungen Bericht erstattet. Hierdurch gewinnt ein Teil der Erinnerungen die Qualität eines Reiseführers mit Angaben zu Wanderrouten und Bahnverbindungen, mit Vor- und Nachteilen einer Unterkunft, Kost- und Logispreise inbegriffen.

Fast 100 Jahre hat Karl Friedrich Linnebach die Entwicklung seiner Familie, seines Heimatlandes Baden und Deutschlands mit wachem Verstand aufgenommen und gibt einen subjektiven Einblick in die Lebensumstände, -freuden und -schwierigkeiten.

Letztere waren vor allem zu Kriegszeiten allüberlagernd. Vier Kriege hat Karl Friedrich Linnebach miterlebt, den Deutschen Krieg von 1866, den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, an welchem er, gerade einmal 21 Jahr alt, teilnehmen musste, den Ersten Weltkrieg mit allem Elend und aller Not und den Zweiten Weltkrieg, von welchem er am 8. März 1944 schrieb, er glaube "noch das Ende des schrecklichen Kriegs erleben zu dürfen".

An zehn über das ganze Land verstreuten Bahnhöfen war er während seiner 55jährigen Berufszeit tätig, am Ende seiner Beamtenkarriere als Vorstand des Güteramtes im Bahnhof Pforzheim. Seine sehr persönlichen Ansichten zu Familie, Ausbildung, Beruf, Religion, Verantwortung und Politik vermitteln eine Art dynamisch-authentisches Zeitgemälde. Der Großherzog als Landesvater kommt darin ebenso vor wie der Stolz, in Großherzogs Diensten tätig sein zu dürfen. Die Umbruchphase zur Demokratie fehlt ebenso wenig wie ihr bitteres Ende in der Hitlerdiktatur, womit sich Karl Friedrich Linnebach ebenfalls auseinandersetzt, bis zu jenem Eintrag, dass er glaube, das Ende des schrecklichen Krieges noch erleben zu dürfen. Es war ihm nicht vergönnt.

Er jedoch hat es seinen Familienangehörigen und nun auch interessierten Lesern ermöglicht, viel Bemerkenswertes aus seinem langen und abwechslungsreichen Leben zu erfahren.

Das Buch ist im
G. Braun Buchverlag Karlsruhe erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden

Karl Friedrich Linnebach

Karl Friedrich Linnebach
Lebenserinnerungen eines badischen Bahnbeamten 1849-1944
Herausgeber: Haus der Geschichte Baden-Württemberg
276 Seiten, 39 Schwarzweiß-Abbildungen, Broschur, G. Braun Buchverlag

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