Der Feuermacher
Willy Korf

Im Baden-Badener Adressbüchern der 1970er Jahre ist der Eintrag zu finden: "Korf Wilhelm Fabrikant", wenn man nach dem Eigentümer des Hauses Kaiser-Wilhelm-Straße 17 sucht. Hinter diesem doch recht dürren Wort "Fabrikant" verbarg sich bereits zu damaliger Zeit ein außergewöhnliches Unternehmerleben, wie die Mitte des Jahres 2005 erschienene Biografie Willy Korfs erfahren lässt.

Oliver Driesen macht darin auf unnachahmliche Weise mit einer Persönlichkeit und ihrer Zeit bekannt, lässt wohl recherchiert Fakten zur Kenntnis kommen und bindet Ergebnisse einer Vielzahl an Gesprächen mit Politikern, Wirtschaftlern und Freunden des "Stahl-Rebells aus Leidenschaft" ein.

Atemberaubend und Schwindel erregend nimmt das höchst aktive und kreative Leben des gebürtigen Siegerländers, der Jahrzehnte lang nicht nur seinen privaten Lebensmittelpunkt sondern auch seine Konzernzentrale in Baden-Baden hatte, gefangen. So gewährt die Biografie nicht nur einen ausgesprochen lehrreichen Einblick in die nationale und internationale Stahlbranche, sondern lässt Willy Korfs Kampf um Akzeptanz und Marktanteile ebenso mitempfinden wie seine unermüdliche Suche nach und Schöpfung von neuen Technologien, um den etablierten Konkurrenten mindestens einen Schritt voraus zu sein.

Sollte die Meinung aufkommen, derlei sei für Durchschnittsmenschen wenig interessant oder gar dröge, so ist einer solchen entgegen zu halten, dass wohl jeder fiktive Wirtschafts- oder Politkrimi von den gewesenen realen Machenschaften und Abkommen zwischen Wirtschafts- und Politstrategen in den Schatten gestellt wird. Willy Korfs zumeist lautstarkes Trommeln gegen Privilegien und politische Rankünen ist darüber hinaus durchaus dazu geeignet, Hochspannung zu erzeugen.

Garniert wird die in kurzweilige Form gefasste Wiedergabe der Entwicklung des Korfschen Firmengeflechts, der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands und der internationalen Beziehungen mit einer gehörigen Portion Lokalkolorit und der punktuellen Beschäftigung mit der einen oder anderen weniger bekannten oder prominenteren Persönlichkeit bis in die Neuzeit hinein. Die Burdas finden ebenso Beachtung wie der der Umtriebigkeit Willy Korfs kaum nachstehende Lothar Späth oder Baden-Badens schon fast legendär zu nennender Antiquitätenhändler Peter Liebmann und der ehemalige FDP-Stadtrat und Stadtbild prägende Architekt Kurt Walker. Alle Zeitgenossen, die Aufmerksamkeit genießen, sind hilfreicherweise in einem die Biografie beschließenden Register genannt.

Ist man dort angelangt, kann man dem Herausgeber des Buches, Jürgen Großmann, Geschäftsführer der Georgsmarienhütte Holding GmbH, nur beipflichten, der in seinem Vorwort formuliert:

"Man kann Willy Korf skeptisch oder kritisch gegenüberstehen, doch lebte er heute noch, er wäre längst umjubeltes Idol einer Bewegung für so altertümliche Tugenden wie Fleiß, Selbstbehauptung, Begeisterung, Klarheit und Direktheit. Er würde vorleben, wie der Wille zum Erfolg sich aus dem Spaß am Erreichten und aus schlichter Freude an Erkenntnis speist."

Zudem kann man sich ziemlich sicher sein, dass Willy Korf von diesem "geschriebenen Denkmal" ähnlich begeistert wäre wie man selbst.

Das Buch ist im
Hoffmann und Campe Verlag erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden


Willy Korf

Der Feuermacher Willy Korf
Stahl-Rebell aus Leidenschaft
von Oliver Driesen
288 Seiten, 33 Abbildungen, gebundene Ausgabe, Hoffmann und Campe Verlag

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