Kleine Geschichte der Länder Baden und Württemberg 1918 - 1945

Historiker sehen in den Kriegen, die im 19. Jahrhundert zwischen einzelnen Staaten geführt worden sind, und deren Folgen die Voraussetzung für die Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert eingegangene Staaten-Bündnisse, Welthandel- und Verkehr, internationale Diplomatie und durch technischen Fortschritt ermöglichte weltumspannende Nachrichtensysteme werden von ihnen als Ursachen dafür, dass sich Territorialkriege in Weltkriege wandelten, genannt.

Der Erste Weltkrieg, durch moderne Waffentechnik und strategische Kriegsführung, die auch ihre Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung mit einbezog, mündete nicht nur im Ende des deutschen Kaiserreichs, sondern stellte enorme Anforderungen an den ersten Reichspäsidenten der so genannten Weimarer Republik,
Friedrich Ebert, und seine Regierung, den Deutschen ein auskömmliches Leben nach demokratischen Regeln zu verschaffen.

Wie das gewesene
Großherzogtum Baden und das ehemalige Königreich Württemberg diesen Anforderungen gerecht zu werden suchten, erarbeitet Reinhold Weber, renommierter Fachmann für Zeitgeschichte, auf sachkundige und sehr verständliche Weise.

Da beide Länder bereits den verschiedenen Bevölkerungsschichten ihrer Hoheitsgebiete eine Regierungsmitwirkung in ihren Verfassungen vor der Abschaffung der Monarchie eingeräumt hatten, gestaltete sich der Übergang zu demokratischen Verfassungen für sie weniger problematisch als in anderen Ländern des sich formierenden Bundesstaates, weist der Autor nach, um sich darauf folgend der einzelnen Parteien anzunehmen. Deren Ansprüche werden nachvollziehbar und so zu sagen wegweisend erklärt, wobei der Einfluss beider christlicher Kirchen besonders deutlich wird.

Zudem ist klar erkennbar, dass alle Parteien, ob Sozialdemokraten, ob Vertreter des bürgerlich-liberalen Lagers oder der Bauern, ob Vertreter des konservativ-christlichen Lagers, den von ihnen als "Schandfrieden" empfundenen Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 ablehnten. Zum Nachdenken fordert die Darstellung auf, wie sich die einzelnen Parteien im Bezug auf die Erfüllung der Bedingungen dieses Vertrages entwickelten, begleitet von der wirtschaftlichen Not, die gelindert werden musste oder im günstigsten Fall behoben werden konnte.

Der zunehmende Zuspruch, welchen die Verfechter der Forderung nach nationaler Erhebung erhielten, ist in einer Übersicht der Ergebnisse beider Südweststaaten zu den Reichstagswahlen der Jahre 1918 bis 1933 abzulesen, womit diese "Kleine Geschichte" beendet wird.

Die Folgen dieses Zuspruchs, der einer faschistischen Diktatur mit "
Rassenwahn als Staatsdoktrin" ihr mehrheitlich unwidersprochenes Vernichtungsziel legitimierte, sind mit dem Überfall auf Polen als Auslöser des Zweiten Weltkriegs in die Geschichtsbücher eingegangen. Dessen Folgen wiederum sind zwar mit Zahlen der Toten, der Kriegsversehrten, der Waisen oder Halbwaisen und der Vertriebenen, sowie mit Zahlen der zerstörten Städte und Regionen, die für sich allein schon grauenhaft sind, "bilanzierbar", aber hinsichtlich der "seelischen Verwüstungen", welche dieser Krieg provozierte, unermesslich.

Bevor die genannte Übersicht erreicht ist, wird die Haltung der Kirchen und das, trotz tödlicher Gefahren, Wirken der Widerständigen nahe gebracht.

Dieses, dem Anspruch "kompakt und fundiert" bestens gerecht werdende, Sachbuch empfiehlt sich unbedingt als Pflichtlektüre für all diejenigen, deren Politikverdrossenheit die Wahlbeteiligung stetig schrumpfen lässt. Es dokumentiert nachdrücklich in Wort und Bild die Notwendigkeit, das auf eíner demokratischen Verfassung beruhende Entscheidungrecht zu nutzen, um das Schicksal der Bundesrepublik Deutschland nie wieder Fanatikern zu überlassen. Denn
Reinhold Schneiders Überzeugung "Was immer Fanatiker anfassen, bleibt entstellt für lange Zeit." wird auch im 21. Jahrhundert durch erneut die gesamte Welt bedrohende Ereignisse bewiesen.

Das Buch ist im
DRW-Verlag erschienen.

Rezension: Rika Wettstein, Baden-Baden

Kleine Geschichte der Länder Baden und Württemberg 1918 - 1945

Kleine Geschichte der Länder Baden und Württemberg 1918 - 1945
Reinhold Weber
256 Seiten, 51 Abbildungen, 4 Karten, Festeinband, DRW-Verlag

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