Älteren Offenburgern wird Josef Holler, langjähriger Oberbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt, ein Begriff sein und ältere Karlsruher werden sich noch an ihren Nachkriegs-Oberbürgermeister Hermann Veit erinnern. Karl Siegfried Bader, Walter Bargatzky, Richard Fleuchaus, Franz Ripfel, Alfred Weiler und Paul Zürcher dürften allenfalls in Fachkreisen noch bekannt sein. Aus ihrer "Anonymität" werden die acht Männer von Angela Borgstedt herausgeholt, die

Badische Juristen im Widerstand (1933-1945)

herausgegeben hat.

Sie waren unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Charakters und unterschiedlichen Temperaments. Sie hatten neben der Tatsache, allesamt für eine Familie sorgen zu müssen, eine Gemeinsamkeit:

Sie waren Juristen, die während des so genannten Dritten Reiches in ihrer jeweiligen Art dem Aushebeln des deutschen Rechtssystems durch die Nationalsozialisten Widerstand entgegen setzten und sich dadurch Repressalien, Willkür und Gefahr aussetzten.

Schnörkellos, sachlich, komprimiert werden ihre Lebensläufe zur (fast) atemberaubenden Lektüre angeboten, nachdem Angela Borgstedts Einleitung bereits auf die Un-Rechtsverhältnisse, die zu Zeiten des NS-Regimes herrschten, eingestimmt hat.

Wenn der letzte Satz des Buches aufgenommen ist, wird dem einen oder anderen erst bewusst werden, dass er gerade eine wissenschaftliche Arbeit, ohne eine Pause einzulegen, gelesen hat. Danach wird diesen Männern ein mehrfaches Mal Aufmerksamkeit zukommen müssen, weil deren Lebensläufe aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachtet werden können und sollten, da sich die Spannung des ersten vordergründigen Erfahrenwollens gelöst hat.

Aufgenommen kann dann unter anderem werden, dass Alfred Weiler der Ansicht war, die Machtergreifung der Nationalsozialisten wäre unmöglich gewesen, "wenn sich die ‚damals geistig führende Schicht' beizeiten mit der Weltanschauung Hitlers auseinandergesetzt hätte". Oder aber, dass Hermann Veit in seiner Eröffnungsrede zur Woche der Brüderlichkeit des Jahres 1966 forderte: "Das Tagebuch der Anne Frank sollte jedem Schüler, der die Schule verlässt, ausgehändigt werden, und im Unterricht sollte der Jugend von den Vernichtungslagern, von Bergen von Kinderschuhen erzählt werden, deren kleine und kleinste Träger in die Gaskammern getrieben worden sind."

Die "Badischen Juristen im Widerstand" leisten einen Beitrag dazu, dass der heute "geistig führenden Schicht" der hohe Wert freiheitlicher Demokratie bewusst wird.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden


Badische Juristen im Widerstand

Badische Juristen im Widerstand (1933 – 1945)
Angela Borgstedt
180 Seiten, broschiert
Verlag UVK Konstanz

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In der Schriftenreihe "Porträts des Widerstands", herausgegeben von
UVK Konstanz, ist u.a. auch erschienen:

Badische Theologen im Widerstand

Badische Theologen im Widerstand
(1933 – 1945)
Rolf-Ulrich Kunze
198 Seiten, broschiert

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