|
Die jüdische Gemeinde in
Kuppenheim
Wer in der Region den Namen
Kuppenheim hört, denkt an die
Knöpflestadt, geografisch im Dreieck Rastatt -
Gaggenau - Baden-Baden gelegen, deren Bewohner
während der Belagerung durch die Schweden im
30-jährigen Krieg die Belagerer mit aus den
letzten Mehlresten hergestellten Spätzle und
Knöpfle beschossen und damit den Eindruck
vermittelten, sie seien noch längst nicht
ausgehungert.
Wohl weniger bekannt dürfte sein, dass bereits
damals Juden in der Gemeinde gelebt haben. Die
jüdische Gemeinde Kuppenheims hat sich im
Laufe der Jahrhunderte zur Anlaufstelle für
die Juden aus ganz Baden entwickelt. Beispielsweise
war der dortige jüdische Friedhof
Bezirksfriedhof für die Juden Mittelbadens,
der Ende des 17. Jahrhunderts erstmals urkundlich
erwähnt worden ist.
Dies und vieles mehr ist in dem von Gerhard
Friedrich Linder verfassten Buch zu erfahren. So
unter anderem auch, dass Kuppenheim im Mittelalter
Amtsstadt der Markgrafschaft Baden gewesen ist, in
welcher die Juden so genannte Schirmverwandte der
jeweiligen Markgrafen waren, von denen sie Schutz
und Wohnrecht erhielten. Bis zu Beginn des 19.
Jahrhunderts waren ihnen die vollen
Bürgerrechte verwehrt. Dennoch war die
jüdische Gemeinde ein fester Bestandteil des
Kuppenheimer Gemeindelebens.
Über das Leben in der Gemeinde und die
einzelnen jüdischen Einrichtungen wie
Judenschule, Synagoge, Frauenbad, Gemeindeschuppen
berichtet der Autor ebenso wie über deren
wirtschaftliche Betätigung.
Ein gutes Drittel des Buches gibt Aufschluss
über das Schicksal der Kuppenheimer Juden bis
zu ihrer Deportation ins französische
Sammellager Gurs und dem darauf folgenden Transport
ins Vernichtungslager Auschwitz.
Dem Schicksal einzelner Personen oder Familien gilt
dabei besonderes Augenmerk.
Ein ausführliches Personen-, Orts- und
Sachregister beschließt diese in Wort und
Bild jüdische Kultur aufschlussreich
wiedergebende Dokumentation.
Das Bürgerbuch und das Begräbnisbuch der
jüdischen Gemeinde Kuppenheim sind auf einer
das Buch ergänzenden CD-Rom festgehalten.
Das Buch ist im Verlag
Regionalkultur
erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
|
|