Das Heilige und der Leib
Schätze aus dem Nationalmuseum Warschau

Das Deutsch-Polnische Jahr 2005/2006 bescherte der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden eine bemerkenswerte Ausstellung, die mit einem ebenfalls bemerkenswerten Begleitband auf Dauer erlebbar bleibt.

Eine bedeutende Auswahl an Kunstschätzen aus dem Warschauer Nationalmuseum wurde unter dem Leitwort "Das Heilige und der Leib" zusammengestellt.

Das Erste Gebot gibt allen gläubigen Christen auf:

"Du sollst Dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist." (2.Mose 20:4,5)

Jeder Künstler, vor allem aber jeder bildende Künstler, käme diesem Gebot durch sein Auseinandersetzen mit bestimmten Themen, auch jenen religiösen Ursprungs, nicht nach.

Matthias Winzen lässt jedoch in seinem Aufsatz "Der Leib und das Wort" wissen:

"Das Heilige bedarf des Leibes, um ihn zu opfern." und "Die Geschichte religiöser Bildlichkeit ist vor allem die Geschichte leiblicher Aneignung abstrakter theologischer Postulate durch die Gläubigen."

Da die polnische Kultur von tiefer Religiosität mitgeprägt ist, erscheint es nur folgerichtig, dass die Polen eine umfangreiche Sammlung an wertvollen Bildern und Skulpturen religiösen Hintergrunds zusammengetragen haben. Kunstwerke aus der Antike finden sich ebenso darunter wie Kunstwerke des Mittelalters oder der Neuzeit.

In die Epochen "Antike", Frühmittelalter", "Mittelalter", "Renaissance, Barock, Klassizismus", "19. Jahrhundert", "Polnische Moderne" und "Gegenwart" eingeteilt werden von sachkundigen Autoren die Eigenheiten der jeweiligen Epochen erarbeitet und vermittelt, sowie anhand der Vorstellung einzelner Kunstwerke verdeutlicht.

Der Betrachter kann sich beispielsweise mit der antiken Bronzestatue der Isis, die den Horusknaben stillt, ebenso beschäftigen wie mit "Adam und Eva", dem berühmten Gemälde Lukas Cranachs des Älteren, oder einer Gouache "Muttergottes" von Bronislaw Wojciech Linke; selbstverständlich auch mit dem Titelbild "Maria Magdalena, von Engeln emporgehoben", seit dem 15. Jahrhundert Zierde des Rechten Flügels des Diptychons in der Danziger Marienkirche.

Letztendlich mag er zu der Erkenntnis gelangen, Geist und Auge habe es gut getan, dass dem Ersten Gebot über Jahrtausende hinweg nicht Folge geleistet worden ist.

Das Buch ist im
Hatje Cantz Verlag erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden


Das Heilige und der Leib

Das Heilige und der Leib
Schätze aus dem Nationalmuseum Warschau

Hrsg. Dorota Folga-Januszewska, Matthias Winzen, Text von Witold Dobrowolski, Malgorzata Kochanowska-Reiche, Anna Manicka, Ewa Micke-Broniarek, Bozena Mierzejewska, Dorota Monkiewicz, Katarzyna Nowakowska-Sito, Gabriele Sorgo, Matthias Winzen, Antoni Ziemba u.a.

176 Seiten, 85 Abbildungen, davon 80 farbig, gebunden mit Schutzumschlag, Hatje Cantz Verlag

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