Hau

"Ich sage Ihnen, meine Herren, die Annalen dieses Prozesses sind noch lange nicht geschlossen." formuliert in Bernd Schroeders Roman Verteidiger Dr. Dietz am Montag, dem 22. Juli 1907, in seinem Plädoyer am Ende des Indizienprozesses, der Karl Hau gemacht wird. Beschuldigt ist der 26jährige Rechtsanwalt des Mordes an seiner Schwiegermutter Josephine Molitor.

Und tatsächlich beschäftigte der Fall Hau Kriminalisten, Juristen, Journalisten, Romanschreiber und Filmemacher über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Wer wollte dies besser wissen als der Autor, der den Roman dem deutschen Regisseur Peter Beauvais mit den Worten widmet: "Es sollte ein Film werden - jetzt ist es ein Roman".

Er nimmt sich des nach wie vor rätselhaften Geschehens an jenem 6. November 1906 gegen 18.00 Uhr, als die Medizinalratswitwe Molitor in Baden-Baden auf dem Weg von ihrer Villa in der Stadelhofer Straße zum kaiserlichen Postamt am Leopoldsplatz mit einem einzigen Pistolenschuss ermordet wurde, und des darauf folgenden Prozesses an.

Auf vortreffliche Weise bettet er die Ereignisse in die damalige Zeit ein. Ein veritabler Spannungsbogen entsteht durch das Geschehen begleitende zeitliche Vor- und Rückgriffe, die pendeln lassen zwischen Verdacht und zeitweiliger Überzeugung, Karl Hau sei der Mörder gewesen, und Zweifeln an Haus Täterschaft. Durch geschickte Aufarbeitung der Fülle authentischen Materials gelingt nicht nur eine exzellente Wiedergabe des Ermittlungs- und Strafverfahrens, sondern auch ein fabelhaftes Zeit- und Sittengemälde des letzten Jahrzehnts des Deutschen Kaiserreichs, das im Gegensatz zu einer filmischen Umsetzung dem individuellen Vorstellungsvermögen keine Grenzen setzt und das Gefühl aufkommen lässt: Hätte es den Fall Hau nicht wirklich gegeben, Bernd Schroeder hätte ihn erfinden müssen, um einen großartigen Roman über Schicklichkeit, Liebe, Leidenschaft, Mord, Freitod und Volkes Meinung schreiben zu können.

Das Buch ist im
Carl Hanser Verlag erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden


Hau

Hau
Roman von Bernd Schroeder
368 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, Carl Hanser Verlag

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