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Nikolaus Harnoncourt
Vom Denken des Herzens
75 Jahre alt ist Nikolaus
Harnoncourt am 6. Dezember 2004 geworden. Zu diesem
Anlass hat sich die Musikpublizistin Monika Mertl
in einer ungewöhnlichen Biografie mit dem
Leben dieses Mannes beschäftigt, der noch im
Alter von 40 Jahren die feste Auffassung vertrat:
"Dirigent ist ein Antiberuf."
Wie es dann doch dazu gekommen ist, dass Nikolaus
Harnoncourt zu einem weltberühmten Dirigenten
wurde und was sich während des 75jährigen
Lebens dieses Ausnahmekünstlers an
Prägendem ereignete, ist auf bemerkenswerte
Weise dargetan. Eine Art Zwiegespräch von
Biografin und Zeitzeugen, vornehmlich Nikolaus
Harnoncourt selbst, bringt nicht nur Herkunft,
Werdegang und Denkstrukturen des Jubilars
näher, sondern vermittelt auch Erfahrenswertes
über die mehr als 50 Jahre währende
einzigartige Zweisamkeit des Musikerpaares
Harnoncourt, der Geigerin Alice und des Cellisten
Nikolaus, der seine erste Anstellung Herbert von
Karajan zu verdanken hat.
Monika Mertl erfreut sich offenbar profunden
Wissens über die Musikkultur schlechthin, das
ihr gestattet im Fluss der chronologischen
Beschäftigung mit der Hauptperson Vorgriffe zu
nehmen und Querverbindungen zu ziehen. So gelingt
es ihr, auch bei nicht so sehr Vorgebildeten in
Sachen Musikkunst, das Gefühl zu vermitteln,
kein Außenstehender zu sein, sondern in einer
Gesprächsrunde des Erinnerns mit den beiden
Künstlern und der Autorin als ernst zu
nehmender Teilnehmer eingebunden zu werden; in etwa
vergleichbar mit Nikolaus Harnoncourts
Arbeitsmethode des bewussten Miteinanders.
Bewusst erlebbar sind beispielsweise die
entbehrungsreichen Anfänge, der
"Instrumentenwahn" des Ehepaars, das Durchforsten
der Musikliteratur nach alten Meistern, die
Entstehung des Concentus Musicus Wien, der Wechsel
des Cellisten zum Dirigentenpult, die
Opernproduktionen mit Jean-Pierre
Ponnelle, die Gestaltung der Salzburger
Festspiele und natürlich des
Österreichers unermüdliche
Auseinandersetzung im Hinblick auf die
bestmöglichen Qualität der zu Gehör
gebrachten Musikkunstwerke.
55 Jahre lang hat er auf Tonträgern viele
Meisterwerke festgehalten, begonnen mit den
Brandenburgischen Konzerten Johann Sebastian Bachs
und bislang geendet bei den frühen Sinfonien
und Briefen Wolfgang Amadeus Mozarts. Beides mit
dem Concentus Musicus vorgetragen, lässt eine
an eine äußerst hilfreiche Zeittafel
anschließende Diskographie wissen und legt
ein weiteres Zeugnis des unermüdlichen
künstlerischen Wirkens Nikolaus Harnoncourts
ab.
"Was ihn jedoch auf Dauer ermüdet, sind die
kleinen Gleichgültigkeiten hinter den
Kulissen; Informationsdefizite und Indifferenz, ein
Mangel an Leidenschaft, gemeinsam für das
Optimum zu kämpfen." resümiert die
Autorin gegen Ende des Buches. Vor diesem
Hintergrund bleibt festzustellen, nicht nur
Nikolaus Harnoncourt dürfte Gefallen an diesem
Buch finden, da Monika Mertl eine optimale
Wiedergabe eines sehr eigen gestalteten
Künstlerlebens gelungen ist.
Das Buch ist im Residenz Verlag erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
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Nikolaus Harnoncourt
Vom Denken des Herzens
Eine Biographie von Monika Mertl
408 Seiten, gebundene Ausgabe, Residenz
Verlag

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