Oskar Lindts dritter Fall

Hackschnitzel

Nach einem arbeitsfreien Jahreswechsel werden Oskar Lindt, Leitender Ermittler der Karlsruher Kriminalpolizei, seine beiden Mitarbeiter Paul Wellmann und Jan Sternberg, sowie die Spezialisten der Pathologie und Kriminaltechnik mit einem fast unlösbar scheinenden Mordfall konfrontiert. Akribisch und mühsam lassen sie aus den Überresten eines Menschen, die nach Dreikönig in einem Holzhäckselbelag des Spielplatzes in Rheinstetten-Mörsch entdeckt worden sind, einen Mann mittleren Alters, sportlich und gut gekleidet werden.

Oskar Lindts dritter von Bernd Leix zu Papier gebrachter Fall lässt über weite Strecken einen Polizeialltag erleben, der nichts mit rasanten Verfolgungsjagden und entsicherten, in Anschlag gebrachten Pistolen zu tun hat, sondern der über Spurensuche, Auswertung magerer Ergebnisse und Denkspiele allmählich Fahrt in Richtung Aufklärung aufnimmt.

Dem ungemein erfahrenen Oskar Lindt, dessen Aufklärungsquote bei Kapitalverbrechen üblicherweise bei 100 Prozent liegt, beschert der jüngste Fall nicht nur unruhige Nächte, sondern auch viele ziellose Spaziergänge in der Hoffnung, seine grauen Zellen mögen im Eingebungen für konkrete Vorgehensweisen schenken.

Lange im absoluten Dunkeln tappend, wird das Ermittlertrio durch Zufallsereignisse und Zufallsfunde in die Situation geführt, ihren Kollegen vom Wirtschafts- und Betrugsdezernat handfeste Schmiergeld- und Absprachedelikte zwischen öffentlichen Ämtern und regionalen Baufirmen zur weiteren Bearbeitung und Verfolgung überlassen zu können, in dem von ihnen zu klärenden Mordfall allerdings immer noch keinen gerichtsverwertbaren Ansatz zu haben.

Oskar Lindt quält sich. Der Leser quält sich mit und ergänzt durch eigene Spekulationen die Überlegungen der doch eigentlich ganz gewieften Fachleute.

Wer's nicht mehr aushält, wird möglicherweise der Versuchung erliegen, "von hinten", vom Buchende her, der Lösung näher zu kommen. Doch Vorsicht: erstens wird der Handlungs- und Gedankenstrang dadurch abgerissen und zweitens wird der von Bernd Leix ausgedachten Wahrheit nur allenfalls zur Hälfte auf die Spur gekommen.

Geschickt hat dieser nämlich einen zweiten Mordversuch, dem um ein Haar auch Oskar Lindt mit zum Opfer gefallen wäre, in das fast zwei Wochen währende Bemühen um Aufklärung eingearbeitet. Es empfiehlt sich deshalb, den in gewohnter Manier mit Randerscheinungen aus dem Alltag garnierten Krimi doch besser kontinuierlich von Anfang an mit (An)Spannung aufzunehmen.

So viel sei abschließend preisgegeben. Zur Zufriedenheit der Staatsanwaltschaft liegt Oskar Lindts Aufklärungsquote auch im aktuellen Fall bei 100 Prozent.

Das Buch ist im
Gmeiner-Verlag erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden

Hackschnitzel

Hackschnitzel
Oskar Lindts dritter Fall
Von Bernd Leix
273 Seiten, broschiert, Gmeiner Verlag

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