Michael Gielen und andere Musiker beschäftigen sich mit dem Musikerdasein in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

Nachklänge
Jüdische Musiker in Deutschland nach 1945

"Musiker ist mein Beruf, Judesein ist nicht mein Beruf." formuliert der Meistergeiger Hellmut Stern gegenüber Anat Feinberg, die in dreizehn Gesprächen mit jüdisch-stämmigen Künstlern ein individuelles Bild des Musikerdaseins in Deutschland nach dem Ende des menschenverachtenden Terrors der Nationalsozialisten entstehen lässt. Bevor sie sich jedem einzelnen der dreizehn Musikerinnen und Musiker ausführlich widmet, stimmt sie mit einem komprimierten Abriss zur Einstellung einer Vielzahl jüdischer Musiker gegenüber dem Deutschland der Nachkriegszeit auf die Dialoge ein.

Die Zwiegespräche, welche mit großer Sachkunde und respektvollem Einfühlungsvermögen seitens der Autorin geführt werden, vermitteln den persönlichen Werdegang ebenso wie das Verhältnis des jeweilig Angesprochenen zum Judentum. Die Gespräche faszinieren durch die Vielfalt des An- und Ausgesprochenen. So beispielsweise die Feststellung des 1936 in Jerusalem geborenen Eliahu Inbal, unter anderem Chefdirigent des Radio-Sinfonieorchesters in Frankfurt gewesen: "Die einzigen, die den Juden zum Juden machen, sind die Antisemiten."

Sie lassen den ideellen Reichtum eines Musikerlebens spüren, wenn der Gesprächspartner kleine oder größere Begebenheiten mit einer Fülle weltweit bestens bekannter Künstler wie Herbert von Karajan oder Daniel Barenboim einflicht.

Und, sie zeugen von der tiefen Verwurzelung der Musikalität in den einzelnen Biografien, wobei unter anderem fein heraus gearbeitet wird, worin der Unterschied zwischen dem jüdischen und dem deutschen Musikkulturleben besteht. Soshana Rudiakov, Professorin für Klavier an der Hochschule für Musik in Stuttgart, bringt es auf den Punkt, warum die Musik beim deutschen Bildungsbürgertum nicht richtig "betrieben" wird: "Üben darf man nicht - Konzerte spielen schon."

Zu den fünf Zeitzeugen, die zwischen 1912 und 1928 in deutschen Städten geboren worden sind, zählt auch der Dirigent und Komponist
Michael Gielen, welcher allen bedeutenden Komponisten bescheinigt, deren Kompositionen gingen nicht nach Nationen, "sondern nach dem Zustand der Gesellschaft in einem bestimmten Moment", weswegen er zum Beispiel in Gustav Mahlers Werk nichts "Jüdisches" erkennen könne.

Um die in den Gesprächen benutzten jüdischen Fachausdrücke zuordnen zu können, erläutert ein Glossar diese, bevor ein umfangreiches Namenregister, beginnend mit Claudio Abbado und endend mit Stefan Zweig, das Buch abschließt, das durchaus für sich in Anspruch nehmen kann, mehr als einmal aufmerksam gelesen zu werden.

Das Buch ist im
PHILO Verlag erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden


Jüdische Musiker in Deutschland nach 1945

Nachklänge
Jüdische Musiker in Deutschland nach 1945
Anat Feinberg
277 Seiten, kartoniert, PHILO-Verlag

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