Frauenalb
Streifzug durch 800 Jahre Geschichte

"Nachdem sämtliche Versuche fehlgeschlagen waren, die Klosterruine an das Land, den Bund, die Kirche oder an ein sonstige öffentliche Körperschaft zu veräußern, regte Regierungspräsident Dr. Huber die Gründung einer Stiftung Frauenalb an, deren Zweck es sein sollte, die Ruinengrundstücke anzukaufen und mithilfe staatlicher Mittel aus der Denkmalpflege zu sichern und zu erhalten." Wer diese Stelle im sechsten Kapitel des Streifzugs durch 800 Jahre Geschichte Frauenalbs erreicht hat, kann nur bewundern, dass diese Anregung 1959 unter dem damaligen Karlsruher Landrat Joseph Groß mit den Stiftungsmitgliedern Stadt Karlsruhe, Stadt Ettlingen und Landkreis Karlsruhe umgesetzt wurde.

Damit wurde dem Spekulantentum ein Riegel vorgeschoben und nicht nur dem Status der Klosterbauten als Kulturdenkmal im Sinne des Denkmalschutzes Rechung getragen, sondern auch die Beschäftigung mit der gesamten Entwicklung des kleinen Ortes im Albtal ermöglicht.

Zu dieser Erkenntnis muss jeder kommen, der die von verschiedenen sehr sachkundigen Autoren gründlich recherchierten und belegten Beiträge hat auf sich wirken lassen.

Die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des als Adelsstift konzipierten Benedektinerinnenklosters allein ist schon fesselnd genug - mit allen Auseinandersetzungen um Gebiets- und Herrschaftsansprüche sowohl im kirchlichen als auch weltlichen Bereich, mit Privilegienstreit und Zerstörung in den Kriegen des 16. und 17. Jahrhunderts bis hin zum Übergang des Klosters mit seinem Vermögen und Grundbesitz an das Großherzogtum Baden im Zuge der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Die Aufarbeitung der weiteren Geschichte der Klosterbauten und der sie umgebenden kleinen Ansiedlung lässt vielfach erkennen, dass der Widerstreit zwischen Redlichkeit und maximaler persönlicher Nutznießung auch unter nichtkirchlicher Oberhoheit seine Fortsetzung fand, was durch manches anschaulich geschilderte Beispiel menschlichen Fehlverhaltens oder Versagens besonders deutlich wird.

Vier Brände, die zwischen den Jahren 1835 und 1853 in Fabriken, die in den Klostergebäuden eingerichtet waren, ausbrachen, haben die nach Plänen der im 17. Jahrhundert europaweit renommierten Architekten Franz Beer und Peter Thumb erbaute Kirche und Konvent zerstört. Gut 100 Jahre später konnte durch die Einrichtung der Stiftung deren Rekonstruktion in Angriff genommen werden, worüber in Wort und Bild ausführlich berichtet wird.

Und: Die Klostermauern repräsentieren nicht nur als steinerne Zeugen sakrale Baukunst, wodurch sie als Bildmotiv für Ausflügler aus Nah und Fern begehrt sind, sondern ihnen wird seit dem Jahr 1991 durch die Sommerkonzerte der Gemeinde Marxzell musikkulturelles Leben beschert, mit ausverkauften Konzerten und einer hervorragenden Presseresonanz höchst erfolgreich. Zahlreiche weitere kulturelle Veranstaltungen des Projekts "Kultur im Kloster Frauenalb" fördern dank des Denkanstoßes und dessen Umsetzung den Beliebtheitsgrad dieses Ortes.

Wer als Baden-Badener dieses Buch studiert, dem wird schmerzlich bewusst werden, wie gewissermaßen in nächster Nachbarschaft bereits Mitte des 20. Jahrhunderts weitblickend mit Kulturgut umgegangen wurde. Insofern empfiehlt sich dieser informative "Streifzug" auch als Ratgeber für den verantwortungsbewussten Schutz jedwelchen Kulturerbes.

Das Buch ist im
Verlag Regionalkultur erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden


Frauenalb

Frauenalb
Streifzug durch 800 Jahre Geschichte
Beiträge zur Geschichte des Landkreises Karlsruhe, Band 7, Herausgeber: Kreisarchiv Karlsruhe
224 Seiten, 128 zum Teil farbige Abbildungen, Festeinband, Verlag Regionalkultur

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