Forum Geschichte 2005
350. Geburtstag des Markgrafen Ludwig Wilhelm
300 Jahre Residenzstadt Rastatt

Regionalgeschichte unter verschiedenen Gesichtspunkten ist im Jahr 2005 interessierten Zeitgenossen im Rahmen eines an einigen geschichtsträchtigen Orten in Rastatt realisierten Vortrags-"Parcours" angeboten worden. Dabei wurden zweierlei Ereignisse gewürdigt: Die Geburt
Ludwig Wilhelms, späterer Markgraf von Baden-Baden, im Jahr 1655 und das 300jährige Bestehen Rastatts als Residenzstadt. Fünf Beiträge sind in Buchform nachlesebereit angeboten.

Verschiedene Historiker beschäftigen sich mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen, die den Menschen des 21. Jahrhunderts die Zeit des absolutistischen Barock näher bringen.

Christian Greiner widmet sich dem jungen Markgrafen und seiner Erziehung, die maßgeblich von Großvater, Vater und Vormündern beeinflusst gewesen ist, und die ihn letztendlich in den Heeresdienst des habsburgischen Kaisers führte. Mithin war Ludwig Wilhelm den größten Teil seines Lebens nicht nur Landesfürst, sondern auch Kriegsstratege, der es bis zum Stellvertreter des Kaisers im Feld brachte.

Wie sich dieses Stellvertreter-Dasein in den kriegerischen Auseinandersetzungen am Oberrhein ausmachte, ist von Max Plassmann erarbeitet, der viele Entscheidungen Ludwig Wilhelms in den gut zehn Jahren seines Wirkens in Südwestdeutschland unter Berücksichtigung des barocken Zeitgeists kritisch würdigt.

Dem ambivalenten Verhältnis zwischen dem habsburgischen Kaiser Leopold I. und dem aus dem einstmals mächtigen Geschlecht der Zähringer stammenden Markgrafen Ludwig Wilhelm gilt die Aufmerksamkeit Uwe A. Osters. Auch hier wird das barocke Zeitalter mit allem Streben nach Macht und Ehre und damit einhergehend Bestechlichkeit, Intrigantentum und Wankelmut ausführlich erfahrbar.

Die Auseinandersetzung Peter Hanks mit dem Stadtgründer Ludwig Wilhelm und den fürchterlichen Verwüstungen, die das Land im pfälzischen Erbfolgekrieg durch die Franzosen davongetragen hat, beleuchtet das Leben mit den zu tragenden Kriegsfolgelasten und dem Ansinnen des Markgrafen, eine respektable, den Erfordernissen der Zeit entsprechende Residenz zu gründen.

An dem werdenden Prachtbau, der noch heute das Rastatter Stadtbild prägt, konnte sich der Markgraf allerdings nicht lange weiden, da er 51jährig verstorben ist. Über die Trauerfeierlichkeiten wird von Rainer Brüning berichtet, der diese wiederum mit dem barocken Fürstenanspruch auf gloire und grandeur (Glanz und Größe) in Verbindung bringt.

Die kenntnisreich mit vielen hilfreichen Fußnoten verfassten Beiträge dürften selbst Geschichtsmuffel zur Beschäftigung mit der abwechslungsreichen und spannenden Entwicklung in der Region animieren.


Das Buch ist im
Verlag Regionalkultur erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden

Forum Geschichte 2005

Forum Geschichte 2005
350. Geburtstag des Markgrafen Ludwig Wilhelm
300 Jahre Residenzstadt Rastatt
Herausgeber: Stadt Rastatt,
Stadtgeschichtliche Reihe,
Band 9.
Mit Beiträgen von Rainer Brüning, Christian Greiner, Peter Hank, Uwe A. Oster, Max Plassmann.
136 Seiten, 20 Abbildungen, broschiert, Verlag Regionalkultur

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