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Flakhelfer Jakob
"Für kleine Leute […] ist hohe
Politik eine Angelegenheit der Staatsführung.
Die Mehrheit des Volkes ist sich der Brisanz der
Lage offensichtlich nicht bewusst, war doch bisher
dank der energischen Außenpolitik der
Reichsregierung alles gut gegangen. Man vertraute
Hitler und bestätigte ihm seine
Führungsqualitäten durch hohe,
zustimmende Wahlergebnisse."
Diese Situationsbeschreibung des Sommer 1939 in
Deutschland fällt zusammen mit dem
Regierungserlass, alle Kinder und Jugendlichen
zwischen 10 und 18 Jahren seien in der Hitlerjugend
"zum Ehrendienst am deutschen Volk" zu
verpflichten. Auch der 12jährige Jakob Moser
wurde in diese Pflicht genommen, wodurch sein
bisheriges Leben wie das vieler anderer Kinder und
Jugendlicher im damaligen Deutschland eine
einschneidende Wendung nahm.
Bis zu diesem Zeitpunkt war er in wohl
behüteten, bürgerlichen
Verhältnissen, geprägt von
familiären Bindungen, Schulbesuch und
Spielkameraden, in seiner Geburtsstadt Tiengen am
Hochrhein, in Dinglingen bei Lahr und in Karlsruhe
aufgewachsen.
Fritz Siefert erzählt aus dieser ersten
Lebensperiode ebenso schnörkellos wie aus
Jakobs Zeit als Jungmann in der Hitlerjugend. Die
Nöte der Menschen nach dem Beginn des Zweiten
Weltkriegs mit Lebensmittelrationierungen,
Evakuierungen, staatlich verordnetem
Arbeitseinsatz, dem Einziehen zum Kriegsdienst von
Familienvätern und dem Verhalten bei
Fliegerangriffen werden am Beispiel der Familie
Moser klar erkennbar. Erkennbar wird auch, dass
nicht nur Jakob, sondern der Mehrheit aller
deutschen Kinder und Jugendlichen durch diese
"energische Außenpolitik der Reichsregierung"
einer relativ unbeschwerten Kindheit ein abruptes
Ende gesetzt wurde. Letztendlich gipfelte diese
Zäsur für die meisten in erzwungenem
Kriegsdienst jedwelcher Ausprägung und, wenn
nicht im Tod, dann vielfach in Gefangenschaft nach
dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Jakob,
15jährig bis zum Kriegsende als Flakhelfer an
verschiedenen Orten eingesetzt, durchlitt
kriegsverletzt die Gefangenschaft im Elsass mit
schlimmen gesundheitlichen Folgen.
Auch wenn er mit 22 Jahren genesen war und sein Weg
in eine "bessere Zukunft" führte, ist diese
berührende Erinnerung an eine verlorene
Kindheit und Jugend nicht nur als Mahnung des "nie
wieder" zu verstehen, sondern auch als Aufforderung
an alle Menschen, die so genannte "hohe Politik"
nicht allein als eine "Angelegenheit der
Staatsführung" einigen wenigen zu
überlassen.
Das Buch ist im G. Braun Buchverlag erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
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Flakhelfer Jakob
Eine Jugend in Baden
Von Fritz Siefert
144 Seiten, 11
Schwarz-Weiß-Abbildungen,
broschiert, G. Braun Buchverlag

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