Feuerblumen
Das Geheimnis des Caspar Hauser

"An einem regnerischen Maientag des Jahres 1828" beginnt die Geschichte, die mit "Feuerblumen" betitelt ist, und lässt sogleich Spannung aufkommen. Nicht, dass nicht erkannt würde, dass sich zwei etwas fragwürdig erscheinende Zeitgenossen auf den Weg zu einem in einem versteckten, einsamen Verlies gehaltenen Jüngling gemacht hätten. Nein, die anfängliche Spannung gilt den "Feuerblumen" und ihrer Bewandtnis.

Bis diese gelöst wird, eröffnet sich ein wahrer Strudel an Rätselhaftem als Folge zweier Ereignisse. Ein Unbekannter namens
Caspar Hauser taucht am Pfingstmontag 1828 in Nürnberg auf, was nicht nur bei Behörden, sondern auch in der Öffentlichkeit Anlass zu einer Vielzahl an Fragen und Spekulationen gibt. Parallel hierzu wird Stephanie, die Witwe des badischen Großherzogs Karl, mit anonymen und äußerst seltsam verfassten Briefen erschreckt.

Der Mannheimer Notar Konrad von Winzer, aus einfachsten Verhältnissen durch Geschick und hohen persönlichen Einsatz zu beachtlichem Vermögen gekommen, wird von der Fürstin Gesellschafterin und Vorleserin um Hilfe bei der Aufklärung der Herkunft der anonymen Briefe gebeten. Aus den konspirativen Treffen entwickelt sich eine "ungleiche" Liebesbeziehung des Fräuleins "von Stand" und des bürgerlichen, den Feudalsystemen kritisch gegenüber eingestellten Juristen.

Die drei Handlungsstränge, hie Caspar Hauser und sein immer noch die Gemüter bewegendes Geschick, da das höfische Leben am großherzoglich badischen Hof und dort die akribische und selbstquälerische Aufklärungsarbeit des Notars Winzer, sind in ihrer Verwobenheit in einer Sprache, welche der im 19. Jahrhundert gepflegten angeglichen ist, äußerst fesselnd wiedergegeben.

Erkennbare Fabulierlust und Lebenserfahrung, Fantasie und ein souveränes Wissen um die badische Geschichte offerieren, gepaart mit einem "diebisch" anmutenden Formulierungsvergnügen, genussvolles aber auch nachdenklich stimmendes Miterleben des gesamten Handlungsablaufs, ob es sich dabei um die Beschwerlichkeit des damaligen Reisens, den Umgang mit Ausnahmepersonen wie Caspar Hauser, Standesdünkel oder vieles mehr handelt. Beispielsweise lädt ein Heidelberger Professor zu einem "Streitgespräch über eine akut gewordene historische Frage", zu welchem auch Großherzogin Stephanie erwartet wird. "Unruhe kommt erst auf, als die Fürstin eintrifft, Nun schlagen die Geistesheroen Rad, können sich aber alle nicht mit dem Gastgeber messen, der die Federn entfaltet, dass noch ein Pfau geblendet wäre."

Bis zu jenem Zeitpunkt ist allerdings noch immer nichts über die "Feuerblumen" zu erfahren gewesen. Ausgesprochen geschickt wird das ohnehin schon spannende Geschehen bis zu den "Feuerblumen" gelenkt. Wobei die Raffinesse kaum mehr überbietbar erscheint.

Ein fabelhafter Gesellschaftsroman und zugleich außergewöhnlicher Krimi ist damit fast an seinem teilweise wieder rätselhaften Ende angelangt und verleitet mit Recht zur abermaligen Lektüre.

Das Buch ist im
Ullstein Verlag erschienen.

Von Rika Wettstein, Baden-Baden

Feuerblumen - das Geheimnis des Caspar Hausers

Feuerblumen
Das Geheimnis des Caspar Hauser
Hans Georg Thiemt, Hans Dieter Schreeb
527 Seiten, Festeinband oder Taschenbuch, Ullstein Verlag

Gleich bestellen

Zurück zur Übersicht

News | Facts | Inhalt | Geschichte | Stadtplan | Sehenswert | Kunst + Kultur | Theater | Festspielhaus | Casino
Events | Thermen | Sport | Hotels | Restaurants | Cafés + Bars | Shopping | Stadtteile | Umgebung | Elsass
Auskunft + Ämter | Bücher-Shop | Awards | Links | Kontakt | Impressum | Datenschutz