Ein Hai in der Suppe
oder das Glück des Philipp Ronge

Heftige, kontroverse Debatten um die Notstandsgesetze, Generationenkonflikte, teilweise mit Gewalt ausgetragen: Dann geh' doch nach drüben, wenn dir hier alles nicht passt!, Franz Josef Degenhardts Deutscher Sonntag, Schah-Demonstration mit Benno Ohnesorgs Tod als Folge, Attentat auf Rudi Dutschke, Springer-Presse, RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten) und SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) mögen neben vielem anderen in die Erinnerung derjenigen drängen, die 1968 etwa im gleichen Alter gewesen sind wie die zwanzigjährige Hauptperson in Roland Langs 1975 erstmals publiziertem Roman über die 68er Szene in Karlsruhe.

Diejenigen, die sich kein Bild über die damaligen gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse machen können, werden mit Schilderungen aus dem prallen Leben von Studenten, Schülern, Arbeitern, Intellektuellen, die sich für eine kurze Zeitspanne gegen die realen Gegebenheiten auflehnten, mitgenommen in eine Zeit, als weder Mobiltelefon noch Notebook zur notwendigen Grundausstattung für ein Erfolg, oder zumindest Zufriedenheit verheißendes Leben zählten.

Visionen, Engagement, Aktionen, Ideologien waren gefragt, um den jungen oder aber den mit Politik und Gesellschaft sich nicht identifizieren Könnenden eine lebbare Perspektive aufzutun. Zu erfahren ist, wie vielfältig diese Visionen, das Engagement und die Aktionen gewesen sind, da die Schar der Anderswollenden aus Individualisten zusammen gesetzt gewesen ist. Geradezu mitgerissen wird der Leser in den Republikanischen Club, dessen Geburtswehen, seine Blockadeaktionen, sei es beim Karlsruher Fasnachtsumzug oder vor der wasserwerfergesicherten Springer-Druckerei, und dessen allmähliches Verdorren, oder in das Leben einer Kommune, in welcher sich auch Philipp Ronge zurechtfinden muss.

Am Schluss bleibt den Zeitzeugen das bittere Resümee vergangener Tage:
Die Große Revolution, noch 'n Bier!
und den Jüngeren das bis zu einer gewissen Bewunderung reichen könnende Erstaunen darüber, wie seinerzeit Zigtausende die Republik in Atem und der deutschen Nachkriegsgesellschaft den Spiegel vorgehalten haben.

Es gibt auch, damals sicherlich unbeabsichtigt, Brücken in die Gegenwart, beispielsweise die Lieblingsidee eines der Protagonisten, die SPD mit Marxisten zu unterwandern, mit der Reaktion: "Seit fünfzig Jahren wird die SPD von Marxisten unterwandert. Aber die SPD ist 'ne Wanderdüne, die sich immer nur nach rechts bewegt."

Nicht nur solche Zitate und die Tatsache, dass die 68er im Jahr 2008 ein "rundes Jubiläum" begehen könnten, sondern weil jüngere deutsche Geschichte lesbar zu erfahren ist, machen das neu aufgelegte Buch ausgesprochen empfehlenswert.

Das Buch ist im
G. Braun Buchverlag Karlsruhe erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden


Ein Hai in der Suppe

Ein Hai in der Suppe
oder das Glück des Philipp Ronge
Roland Lang
224 Seiten, broschiert, G. Braun Buchverlag

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