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Die Hexe von Freiburg
Die Hexe von Freiburg, dies wird bald klar, ist
nicht jene bedauernswerte Frau, die eingangs des
Buches am 20. März 1546 auf dem Scheiterhaufen
vor den Toren der damals zu Vorderösterreich
gehörenden Universitätsstadt Freiburg vom
Leben zum Tod befördert wurde. An jenem Tag
wurde Catharina Stadellmenin geboren, welche
wiederum am 24. März 1599 zusammen mit zwei
weiteren Bürgerinnen der Stadt wegen Hexerei
für schuldig befunden und hingerichtet
wurde.
Catharina Stadellmenin hat, wie die anderen Frauen
auch, dieses grausame Schicksal wirklich ereilt.
Verbrieft ist auch, dass sie mit dem Zunftmeister
der Schmiede und Magistratsmitglied Michael Bantzer
Jahrzehnte lang in Glück- und Kinderloser Ehe
verheiratet gewesen ist.
Von gut 50 Jahren des Lebens der Catharina
Stadellmenin erzählt Astrid Fritz und stattet
diesen historischen Roman äußerst
fantasievoll aus. Lasterhaftigkeit und
Lüsternheit, Elend und Hungersnot,
Verlogenheit und Hinterlist, Mord und Selbstjustiz,
Standesdünkel und Standesunterschiede finden
ebenso Eingang wie Emanzipationsstreben und
Ehrbarkeit, Lernwille und Fleiß, Liebe und
Vertrauen. "Wenns" und "Abers" begleiten die pralle
Wiedergabe dessen, was mittelalterliches Leben
gewesen sein soll.
Der Hexe von Freiburg an sich ist der Schluss mit
einem knappen Zehntel des Buchumfangs gewidmet, in
welchem weder dem armen Opfer noch dem Leser die
hochnotpeinliche Befragung, also die Qual der
Folter, erspart bleibt.
Liebhaber opulent ausgefallener historischer Romane
werden das Geschehen in Freiburg und Umgebung
vermutlich mit wohligem Schaudern aufsaugen und
sich eins ums andere Mal glücklich
schätzen, in einer anderen Epoche zu
leben.
Als "Anhängsel" sei bermerkt, dass Brillen,
über deren Ränder Honoratioren wie der
Secretarius der Freiburger Ratskanzlei blickten, im
16. Jahrhundert auch Realität gewesen sind.
Sie sind in Europa schon seit dem 13. Jahrhundert
bekannt.
Das Buch ist im Rowohlt Verlag erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
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